Sa., 09.03.2019

Nach Pannen im Fall Lügde gerät geringe Kriminalität aus dem Blick Lippische Polizisten werden angefeindet

Die Polizei Lippe hatte zuerst den Tatort gesichert.

Die Polizei Lippe hatte zuerst den Tatort gesichert. Foto: dpa

Von Christian Althoff

Detmold (WB). Auf der Straße, im privaten Umfeld, am Telefon – im Kreis Lippe werden Polizisten angefeindet, die sich nichts haben zuschulden kommen lassen.

Im Jahr 2000 gab es in Lippe 16.300 Straftaten und 447 Polizisten. 2018 waren es 13.400 Straftaten und 391 Polizisten.

Nach Polizeipannen im Missbrauchsfall Lügde sehen sich viele der 391 Beamten unter Generalverdacht. Wenn Polizisten Strafmandate verhängen, müssen sie sich anhören, sie sollten sich lieber um Kinderschänder kümmern. In der Telefonzen­trale in Detmold gehen anonyme Anrufe mit zum Teil obszönen Beschimpfungen ein, und im privaten Umfeld wurde ein Beamter gefragt, ob auch er Pädophile decke.

Aus der Behörde ist zu hören, dass dieses »Bashing« den einen oder anderen Beamten, der nichts mit dem Fall Lügde zu tun habe, psychisch so mitnehme, dass er professionelle Hilfe suche. Marko Börner, Vorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK) im Kreis Lippe: »Man kann doch nicht alle Polizisten für die Fehler Einzelner anfeinden.« Trotz der Pannen sollten die Bürger nicht vergessen, dass sie im sichersten Kreis Nordrhein-Westfalens lebten. »Und das ist auch der Arbeit der Polizei zu verdanken.«

Michael Kling, Kreisgruppenvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), kritisiert in diesem Zusammenhang Innenminister Herbert Reul (CDU), der im Februar von Polizeiversagen gesprochen und sinngemäß gesagt hatte, seine Oma hätte das besser gemacht. »Mit solchen Sätzen gießt man Öl ins Feuer. Da legt man den Funken ans Pulverfass.«

»Die personell schwächste Behörde in NRW«

Aktuell richten sich die Pannenvorwürfe im Wesentlichen gegen drei aktive Polizisten aus dem Kreis Lippe: zwei Führungskräfte, die ihre Stühle räumen mussten, und eine Beamtin. Ein vierter Polizist, der in der Kritik steht, ist bereits im Ruhestand. Damit ist nicht einmal ein Prozent der Polizisten betroffen.

Michael Kling von der GdP: »Es gibt in diesem Fall nichts zu beschönigen, und wahrscheinlich hätten wir nicht einmal mit mehr Polizisten den Missbrauch verhindert. Klar ist aber auch: Wären wir nicht die personell schwächste Behörde in NRW, hätten wir anders an den Fall herangehen können.«

Weil die Kriminalität im Kreis Lippe seit dem Jahr 2000 um 18 Prozent gesunken ist, kürzte das Land die Zahl der Beamtenstellen im Laufe der Jahre um 12,5 Prozent – das entspricht 56 Polizisten. Kling: »Viele von uns können ihre Aufgaben nicht mehr so erledigen, wie sie es eigentlich möchten. Der permanenten Überlastung sind dann irgendwann auch Fehler geschuldet.« Dass es solche sein würden wie im Fall Lügde, habe aber auch er nicht erwartet.

Kommentare

Naklar sind das Pannen. Oder Versagen oder Fehler...wie auch immer. Wortklauberei hilft niemandem und führt zu nichts.

Hier haben die Beteiligten (in verschiedenen Behörden, nicht nur bei der Polizei) vermutlich schludrig gearbeitet. Das ist es. Das darf nicht passieren, das ist Mist. Passiert trotzdem immer wieder mal. Schlimm, für unmittelbar Betroffene sogar furchtbar!

Auch die Jugendämter haben, vermutlich, Mist gemacht. Immer wieder, vielleicht aus Angst vor vorschnellem Handeln, aus Überlastung, aus fehlender Lebenserfahrung, warum auch immer. Fehler, große Fehler, schlimme Folgen: großer Mist...nicht mehr und nicht weniger. Deshalb von einem Polizei-/Behördenskandal zu sprechen ist falsch, unbeteiligte Mitarbeiter anzufeinden...schlechter Stil!

Sollte sich, wovon man nicht ausgehen kann und was sich auch beinahe absurd anhört, herausstellen, dass viele Beamte in den eigentlichen Missbrauch verstrickt waren, deshalb absichtlich nachlässig gearbeitet und Koffer verschwinden lassen haben...dann: "Skandal!"

Ansonsten, wovon ich ausgehe, "großer Mist, schludrig und zwingend aufzuarbeiten und zu verbessern" (bei verschiedenen Behörden, nicht nur bei der Polizei) würde ich sagen...so grausam die Folgen auch sein mögen!

"Pannen"

"...nach PolizeiPANNEN..."

Das sind KEINE "Pannen" !!!
Eine Panne ist wenn mein Auto mit Getriebeschaden auf der Autobahn liegen bleibt. Das hier ist was gänzlich Anderes und das kann Jeder sehen der zwei Augen im Kopf hat.

2 Kommentare

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