Fr., 15.03.2019

Sonderermittler spricht von Absicht – Zahl der Opfer steigt auf 34 Fall Lügde: Beweismittel gezielt gestohlen?

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) hat am Donnerstag im Innenausschuss des Landtags informiert.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) hat am Donnerstag im Innenausschuss des Landtags informiert. Foto: dpa

Von Hilmar Riemenschneider und Christian Althoff

Lügde (WB). Der Missbrauchsfall von Lügde nimmt immer größere Dimensionen an. Inzwischen geht die Polizei von mindestens 34 Opfern aus. Außerdem besteht der Verdacht, dass die fehlenden Beweismittel bewusst entfernt wurden.

Das sagte Innenminister Herbert Reul (CDU) am Donnerstag im Innenausschuss des Landtags. Die Hinweise auf die drei neuen Opfer seien bestätigt. »Zu weiteren 14 Personen besteht eine Verdachtslage. Das muss noch geklärt werden«, sagte Reul. Mit diesen Personen würde die Zahl der Missbrauchsopfer auf 48 steigen. Von ihnen sollen 34 weiblich und 14 männlich sein.

Die aus den Räumen der Polizei Detmold verschwundenen 155 Datenträger wurden nach Erkenntnissen des von Reul beauftragten Sonderermittlers Ingo Wünsch offenbar absichtlich entfernt. Oberstaatsanwalt Ralf Vetter sagte, dass seine Behörde nach dieser Information ein Ermittlungsverfahren wegen Diebstahls eingeleitet habe. »Wir haben aber keinen Verdächtigen. Das Verfahren richtet sich gegen Unbekannt«, sagte Vetter. Man könne derzeit auch den Kreis möglicher Verdächtiger nicht einschränken. »Außer Polizisten hatten auch andere Leute Zutritt zu dem Raum – möglicherweise auch solche, von denen wir noch gar nicht wissen.« Die Kripo Bielefeld hat die Diebstahlsermittlung übernommen.

Nach Vetters Einschätzung ist aber der Prozess gegen die drei Hauptbeschuldigten durch den Verlust der Datenspeicher nicht gefährdet. Vetter: »Wir können den Beschuldigten die Missbrauchs­­taten anhand der zahlreichen Zeugenaussagen nachweisen, die uns nach der Befragung der Opfer vorliegen.« Eine Beweisführung anhand der Video- und Bilddateien sei nicht zwingend nötig.

Wolfgang Beus, Sprecher im NRW-Innenministerium, erklärte, außer den verschwundenen Datenträgern gebe es noch viele weitere sichergestellte Datenspeicher. »Und bisher haben wir keinen Hinweis darauf, dass mit denen nicht sachgerecht umgegangen wurde.«

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