Do., 21.03.2019

Fehleranalyse in Jugendämtern Missbrauch in Lügde: Kinderschutzbund fordert Schutzkonzepte

Lügde: Auf dem Campingplatz Eichwald, in der inzwischen eingezäunten Parzelle des mutmaßlichen Täters, hängt vor dem versiegelte Campingwagen, aus dem die Beweismittel stammen, die mittlerweile verschwunden sind, eine Banderole

Lügde: Auf dem Campingplatz Eichwald, in der inzwischen eingezäunten Parzelle des mutmaßlichen Täters, hängt vor dem versiegelte Campingwagen, aus dem die Beweismittel stammen, die mittlerweile verschwunden sind, eine Banderole Foto: dpa

Hannover/Lügde (epd). Der Kinderschutzbund Niedersachsen rät angesichts des mutmaßlich tausendfachen sexuellen Missbrauchs von Kindern in Lügde und in Gifhorn in Niedersachsen zu einer grundlegenden Fehleranalyse in den Jugendämtern.

Es sei offensichtlich, dass Fehler in den beteiligten Jugendämtern gemacht worden seien, sagte die Geschäftsführerin Antje Möllmann dem epd. Auch in Lügde, das bei Bad Pyrmont liegt, waren niedersächsische Behörden involviert.

Das Sozialministerium in Hannover sei jetzt gefragt, Konsequenzen zu ziehen. Ein für Herbst angekündigter Fachtag zu Jugendamt-Schutzsystemen müsse entsprechende Ergebnisse liefern.

Regeln für Begleitung

Grundsätzlich bräuchten alle Institutionen, in denen sich Kinder aufhielten und in denen für Kinder gehandelt werde, interne Schutzkonzepte. Das gelte auch für die Jugendämter, sagte Möllmann: »Das heißt, es muss wirklich klar sein, welche Beschwerdestellen und welche Verfahrenswege es in Verdachtsfällen gibt.«

Darüber hinaus bräuchten Jugendämter etwa Regeln für fachliche Begleitung. Es werde Aufgabe der Zukunft sein, daraus und aus vielen weiteren Aspekten ein sinnvolles System zu entwickeln.

Zunächst aber müssten die Fälle in Lügde und Gifhorn in aller Offenheit aufgearbeitet werden, sagte die Geschäftsführerin. Es müsse geklärt werden, wo systemische Ursachen für Fehler lägen, wo also nicht nur einzelne Mitarbeiter versagt oder etwas falsch eingeschätzt hätten. Nur wenn alle Versäumnisse auf den Tisch kämen, könnten Lehren für die Zukunft gezogen werden: »Wir brauchen einen konstruktiven Umgang mit den Fehlern.«

Ehepaar in Verdacht

Auf einem Campingplatz in Lügde sollen mehr als 30 Kinder jahrelang von drei Männern sexuell missbraucht worden sein . Unter den Opfern war auch das Pflegekind des Hauptverdächtigen. Das örtliche Jugendamt kannte den Mann.

In einer Wohngruppe in Gifhorn sollen offenbar ebenfalls über Jahre junge Mädchen missbraucht worden sein. Unter Verdacht steht ein Ehepaar, das die Gruppe über 25 Jahre geleitet hat.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6486569?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F6358488%2F