Do., 28.03.2019

Konsequenz aus Ermittlungspannen im Missbrauchsfall von Lügde Reul lässt alle Polizeibehörden überprüfen

Für jedes mutmaßlich missbrauchte Kind stellten die Demonstranten ein Paar Schuhe auf.

Für jedes mutmaßlich missbrauchte Kind stellten die Demonstranten ein Paar Schuhe auf. Foto: dpa

Von Hilmar Riemenschneider

Düsseldorf/Lügde  (WB). Als Konsequenz aus den Ermittlungspannen im Missbrauchsfall von Lügde stellt Innenminister Herbert Reul (CDU) sämtliche Abläufe und Standards in der nordrhein-westfälischen Polizei im Umgang mit Kindesmissbrauch auf den Prüfstand.

Dazu soll der zuletzt als Sonderermittler in der Kreispolizei Lippe eingesetzte Kriminaldirektor Ingo Wünsch eine »Stabsstelle Kindesmissbrauch und Kinderpornografie« übernehmen. »Die Stabsstelle soll strukturelle Defizite für das ganze Land systematisch aufarbeiten«, kündigte Reul am Mittwoch an.

Wünsch soll die unterschiedlichen Vorgehensweisen in den einzelnen Polizeibehörden untersuchen, Standards und auch Anforderungen an das eingesetzte Personal beschreiben. Dazu will Reul auch einen Blick in die Praxis anderer Bundesländer werfen. »Es geht um eine nachhaltige Befassung mit diesem Phänomenbereich.« Dazu habe das Landeskriminalamt (LKA) bereits wertvolle Vorarbeit geleistet.

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Unbekannt

Der 53-jährige Wünsch war im LKA zuletzt Dezernatsleiter für den Bereich Kriminalpolizei. Als Sonderermittler hatte er in der Kreispolizei Lippe in Detmold nach den verschwundenen 155 Datenträgern im Fall Lügde gesucht – ergebnislos. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Unbekannt. Zugleich hatte Wünsch festgestellt, dass einfache Standards im Umgang mit Asservaten nicht eingehalten worden waren.

Unterdessen haben in Hameln etwa 30 Menschen auf das Schicksal der missbrauchten Kinder von Lügde aufmerksam gemacht. »Wir wollen damit unserem Entsetzen, unserer Trauer und unserer Scham öffentlich Ausdruck verleihen«, sagte Mitorganisatorin Ina Tolksdorf. »Wer die Rattenfänger-Sage kennt, der weiß, dass die Erwachsenen hier schon einmal nicht auf die Kinder aufgepasst haben«, sagte sie. Dies sei bei den Missbrauchsfällen von Lügde erneut der Fall gewesen.

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