Do., 04.04.2019

Neue Informationen im NRW-Innenausschuss – Ermittlern fehlt jeder Hinweis auf verschwundene CDs Missbrauchsfall Lügde: Jetzt acht Beschuldigte und 40 Opfer

Tatort in Lügde.

Tatort in Lügde. Foto: dpa

Düsseldorf (dpa/WB/ca). Im Fall des massenhaften Missbrauchs von Kindern auf einem Campingplatz in Lügde hat sich die Zahl der Beschuldigten auf acht erhöht. Das teilte Innenminister Herbert Reul (CDU) am Donnerstag im Innenausschuss des Landtags mit.

Auch die Zahl der öffentlich bekannten Opfer steigt weiter an. Inzwischen seien 40 Opfer festgestellt worden. Dazu kämen zwölf Verdachtsfälle, sagte Reul. Zuvor war von 36 Geschädigten und weiteren 15 Verdachtsfällen ausgegangen worden.

Auf dem Campingplatz in Lügde soll der 56-jähriger Dauercamper Andreas V. mit einem Komplizen über Jahre hinweg Kinder missbraucht und dabei gefilmt haben. Die beiden Verdächtigen sowie ein 48-Jähriger aus Stade sitzen in Untersuchungshaft.

Koffer noch immer verschwunden

Die Polizei hat indes noch immer keinen Verdacht, wer im Missbrauchsfall Lügde aus den Räumen der Detmolder Polizei einen Alukoffer mit 106 und eine schwarze Mappe mit 49 CDs und DVDs beiseite geschafft haben könnte. »Wir ermitteln weiter gegen Unbekannt«, sagte Oberstaatsanwalt Ralf Vetter. Deshalb habe man auch noch keine Durchsuchungen beantragen können.

Die Datenträger stammen aus dem Besitz des Hauptbeschuldigten Andreas V. Gesicherte Informationen, was sich auf ihnen befindet, gibt es offenbar nicht. Ein Kriminalbeamter, der im Dezember die Ermittlungen im Fall Lügde geleitet hatte, hatte einen Polizeischüler am 13. Dezember mit der Auswertung der Datenträger beauftragt – ohne sich selbst danebenzusetzen. Nach Angaben des Innenministeriums hatte der Polizeischüler nur eine Kurzeinweisung bekommen. Eine Ausbildung zur Auswertung der Asservate habe er nicht gehabt, er sei dazu nicht befugt gewesen.

Versetzt

Der Polizeischüler sichtete die Datenträger nach eigenen Angaben in etwa fünf Stunden. Eine vergleichsweise kurze Zeit, zumal Täter belastendes Material auch in Unverfänglichem verstecken – eine grobe Sichtung reicht deshalb nicht. Der angehende Polizist will auf drei Datenträgern unverfängliche Kinderfotos entdeckt haben. Von den Scheiben machte er Duplikate, die noch da sind.

Der Kriminalbeamte, der der sogenannte Tutor des Polizeischülers war, wurde zunächst nach Bad Salzuflen versetzt und später suspendiert. Gegen ihn wird strafrechtlich ermittelt. Er soll dafür verantwortlich sein, dass auch in drei anderen Verfahren Asservate weggekommen sein sollen. In einem der Verfahren geht es um eine mutmaßliche Sexualstraftat an einer Frau.

Die Staatsanwaltschaft sieht das Verfahren Lügde durch die verschwundenen Datenträger nicht gefährdet. Denn sie kann auf etliche Aussagen mutmaßlicher Opfer zurückgreifen, die als glaubwürdig und schlüssig gelten.

 

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