Sa., 18.05.2019

Landgericht Detmold nennt die Anklagevorwürfe im Fall Lügde Fall Lügde: Termin für Prozessauftakt steht fest

Symbolbild: Schweigeminute für die »Kinder von Lügde« in Hameln.

Symbolbild: Schweigeminute für die »Kinder von Lügde« in Hameln. Foto: dpa

Von Christian Althoff

Detmold (WB). Der Prozess im Missbrauchsfall Lügde soll nach Vorstellung des Landgerichts Detmold am noch im Juni beginnen.

Und zwar am 27. Juni. Die Kammer plant, anschließend jeden Donnerstag und Freitag zu verhandeln. Zunächst sind zwei Monate vorgesehen.

Angeklagt sind bisher Andreas V. (56) aus Lügde und Heiko V. (49) aus Stade. Die Staatsanwaltschaft will aber in Kürze auch die Anklage gegen Mario S. (34) aus Steinheim fertigstellen, der dann ebenfalls am 27. Juni mit auf der Anklagebank sitzen könnte. Das Landgericht Detmold teilte am Freitag mit, dem Hauptbeschuldigten würden von der Staatsanwaltschaft 226 Vergewaltigungen vorgeworfen.

Nachdem die Staatsanwaltschaft in dieser Woche die erste Anklage in dem Missbrauchsfall erhoben hatte, nannte das Gericht jetzt erstmals die konkreten Vorwürfe.

879 Kinderpornodateien gefunden

Die Taten, die dem Dauercamper Andreas V. (56) vorgeworfen werden, soll er im Sommer 1998 sowie zwischen 2008 und 2018 begangen haben. Er soll 22 Opfer in 293 Fällen missbraucht haben, wobei 226 der Fälle als Vergewaltigungen gewertet werden. In einem Fall soll Andreas V. zwei Kinder gezwungen haben, sexuelle Handlungen aneinander vorzunehmen. Bei V. wurden außerdem 879 Kinderpornodateien gefunden.

Die tatsächliche Zahl der Opfer und Taten kann höher sein: Die Kripo geht bei Andreas V. aktuell von 28 Opfern aus. Die Staatsanwaltschaft hat sich aber erst mal auf jene Fälle beschränkt, von denen sie meint, sie vor Gericht beweisen zu können. Es ist nicht ausgeschlossen, dass im Laufe des Verfahrens Vorwürfe hinzukommen.

Per Email zum Missbrauch aufgefordert

Der ebenfalls angeklagte 49-jährige Heiko V. (nicht verwandt mit Andreas V.) aus Stade soll 2010 und 2011 »mindestens vier Mal« per Webcam in die Behausung des Hauptbeschuldigten auf dem Campingplatz »Eichwald« zugeschaltet gewesen sein. In zwei Fällen soll er Andreas V. per Email zum Missbrauch eines Kindes aufgefordert haben – das wertet die Staatsanwaltschaft als Anstiftung zum schweren Kindesmissbrauch (Vergewaltigung).

Dass er per Webcam zugesehen und den Täter mit Kommentaren bestärkt haben soll, wird als Beihilfe zum Missbrauch angesehen. Und dass er während eines Videochats in Stade onaniert haben soll, was Kinder in Lügde am Computer von An­dreas V. gesehen haben sollen, stellt nach dem Gesetz Kindesmissbrauch dar. Zudem soll Heiko V. 42.719 Fotos und Videos mit Kinder- und Jugendpornografie besessen haben – die Masse der im Fall Lügde sichergestellten Dateien. Sie sollen aber keine Taten vom Campingplatz zeigen.

Das sagen die Anwälte

Anwalt Johannes Salmen aus Lage, der den Hauptbeschuldigten vertritt, sagte am Freitag, er habe Andreas V. in dieser Woche bereits zweimal besucht, um mit ihm die Anklagevorwürfe durchzugehen. Die Frage, ob sein Mandant die Vorwürfe zugebe und damit Kindern detaillierte Aussagen vor Gericht erspare, konnte Salmen noch nicht beantworten.

Jann Popkes vertritt Heiko V. Er sagte, sein Mandant habe bereits vor der Haftrichterin ein Teilgeständnis abgelegt. »Deshalb kann man davon ausgehen, dass er das im Prozess wiederholen wird.« Popkes sagte, er strebe an, dass das Verfahren gegen seinen Mandanten abgetrennt werde. »Ihm werden ja vergleichsweise wenig Taten vorgeworfen, und es muss allenfalls eine einzige Zeugin gehört werden. Deshalb könnte man den Prozess gegen ihn nach einigen Verhandlungstagen beenden.«

Die beiden Anwälte haben drei Wochen Zeit, zu der Anklage Stellung zu nehmen.

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