Do., 06.06.2019

Anklage gegen Andreas V. soll erweitert werden – Mario S. fiel schon früher auf Noch ein Opfer im Fall Lügde

Auf dieser Parzelle in Lügde stand die Hütte, in der Mario S. Kinder missbraucht haben soll. Die Polizei hat die Behausung abreißen lassen.

Auf dieser Parzelle in Lügde stand die Hütte, in der Mario S. Kinder missbraucht haben soll. Die Polizei hat die Behausung abreißen lassen. Foto: Althoff

Von Christian Althoff

Lügde (WB). Ein zehnjähriges Mädchen soll in den Sommerferien 2017 auf dem Campingplatz »Eichwald« in Lügde fünf Mal von Andreas V. (56) missbraucht worden sein. Das haben Ermittlungen der Kripo ergeben.

298 Missbrauchstaten an 23 Mädchen und Jungen

Die Staatsanwaltschaft erweiterte daraufhin die Anklage gegen den 56-Jährigen. Er soll sich nun vom 27. Juni an wegen 298 Missbrauchstaten an 23 Mädchen und Jungen verantworten. Es kann sein, dass bis zum Prozess noch mehr Ermittlungen abgeschlossen und weitere Opfer in die Anklage aufgenommen werden.

Der Mitangeklagte Mario S. (34) aus Steinheim soll 17 Mädchen und Jungen in 162 Fällen missbraucht haben. Einige Kinder sollen Opfer beider Männer geworden sein.

Großer Verhandlungssaal reicht nicht aus

Bis jetzt hat das Landgericht Detmold 24 Nebenkläger zugelassen. Das sind Opfer, deren Interessen von 14 Anwälten vertreten werden. Eine Stellprobe habe gezeigt, dass der große Verhandlungssaal trotz der vielen Beteiligten ausreiche, sagte Gerichtssprecher Dr. Wolfram Wormuth.

So wie Dauercamper Andreas V. war auch der arbeitslose Mario S. schon vor Jahren in den Fokus von Ermittlern geraten. 2004 und 2013 ermittelte die Staatsanwaltschaft Paderborn gegen den Mann aus Steinheim. Oberstaatsanwalt Marco Wibbe: »In beiden Fällen ging es um den Vorwurf des sexuellen Missbrauchs, und in beiden Fällen wurden die Verfahren mangels Beweisen eingestellt.« In einem Fall soll es um ein Kind gegangen sein, das vom Jugendamt des Kreises Höxter betreut wurde. Das Kind soll sich beklagt haben, dass es mit Mario S. im Bett liegen musste. Ob der Kreis Höxter etwas unternommen hat, und wenn ja, was – das möchte die Behörde nicht sagen. »Grundsätzlich gibt das Jugendamt aus datenschutzrechtlichen Gründen keine Auskünfte zu Personen«, sagte Sprecherin Silja Polzin.

In Düsseldorf befasste sich gestern der Innenausschuss mit dem Missbrauchsfall. Es wurde mitgeteilt, dass noch 14 Ermittlungsverfahren gegen 21 namentlich bekannte Beschuldige laufen. Darunter seien zwei Polizeibeamte und acht weitere Behördenmitarbeiter, z.B. aus dem Jugendamt.

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