Do., 15.08.2019

Freitag sollen Plädoyers beginnen – Mario S. laut Gutachten voll schuldfähig – mit Videos Fall Lügde: Angeklagter zittert extrem

Der Angeklagte Andreas V. im Gerichtssaal.

Der Angeklagte Andreas V. im Gerichtssaal. Foto: Christian Althoff

Von Christian Althoff

Detmold (WB). Wie krank ist Andreas V. (56), einer der beiden Angeklagten im Missbrauchsprozess Lügde? Als er am Donnerstagmorgen zum achten Verhandlungstag in den Saal geführt wurde, hatte er offenbar keine Kontrolle über seine linke Hand.

Sie zitterte extrem, und das änderte sich auch nicht, nachdem sich der Angeklagte gesetzt hatte. Sein Verteidiger Johannes Salmen hält ihn offenbar nicht für verhandlungsfähig und hat um ein Gespräch mit dem Gericht nachgesucht.

Mit Viruserkrankung im Krankenhaus

Der Angeklagte Andreas V., der in desolatem Zustand auf der Anklagebank sitzt, hat gerade erklärt, er wolle unbedingt weiterverwandeln. Sein Anwalt hatte die Frage der Verhandlungsfähigkeit aufgeworfen. Bei Andreas V. Ist ein Zittern der linken Hand zu beobachten. Er ist abgemagert, hat eine ungesunde Gesichtsfarbe und Wunden auf der rechten Wange und dem linken Unterarm.

Zu deren Herkunft macht sein Anwalt keine Angaben. V. war zuletzt wegen einer Viruserkrankung im Justizkrankenhaus Fröndenberg behandelt worden. Die Vorsitzende Richterin Anke Grudda wies V. noch einmal ausdrücklich darauf hin, dass sie den Prozess »nicht durchpeitschen« wolle. Er solle sich sofort melden, wenn es nicht mehr gehe.

Angeklagter bittet um Schmerzmittel

Der Angeklagte Andreas V. hat um Schmerzmittel gebeten. Sein Anwalt Johannes Salmen erklärte vor Gericht, der Gefängnisarzt habe dem Häftling Schmerzmittel mitgegeben, die die Wachtmeister dem Angeklagten aber nicht vor 11 Uhr geben sollten. Er habe nun aber große Schmerzen. Die Vorsitzende Richterin sagte, sie habe nichts dagegen, dass der Angeklagte das Mittel jetzt schon bekomme.

Das Gericht hat den Angeklagten Andreas V. für den Rest des Verhandlungstages beurlaubt und will am Nachmittag das Gutachten über den zweiten Angeklagten Mario S. (34) hören. Andreas V. Ist krank und hat Schmerzen. Nach Angaben seines Anwalts war er wegen Verdachts auf einen Virus im Gehirn im Justizkrankenhaus behandelt worden. Der Verdacht habe sich aber nicht bestätigt. Nach Angaben des Verteidigers leidet sein Mandant an Herpes Zoster, das im Volksmund auch Gürtelrose genannt wird.

Der Prozess soll am Freitag um 9 Uhr fortgesetzt werden. Dann wird das Gutachten zu Andreas V. erstattet, bevor die beiden Staatsanwältinnen ihre Plädoyers halten werden.

Zum Schluss des Verhandlungstages erklärte die psychiatrische Gutachterin, Mario S. (34) sei voll schuldfähig. Er habe seit seinem 14. Lebensjahr Kinder missbraucht und stelle weiter eine große Gefahr dar. Daran werde auch eine lange Haftstrafe aller Voraussicht nach nichts ändern. Diese Einschätzung ist wichtig, wenn das Gericht demnächst darüber berät, ob es gegen den 34-Jährigen zusätzlich zur Haft die Sicherungsverwahrung verhängt.

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