Fr., 30.08.2019

Mehr verdeckte Ermittler Missbrauchsfall in Lügde: NRW-Minister Reul räumt Fehler ein

NRW-Innenminister Herbert Reul.

NRW-Innenminister Herbert Reul. Foto: dpa

Detmold/Hamburg (epd). Zum Ende des Lügde-Prozesses um den zigfachen Missbrauch von Kindern hat der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) persönliche Fehler im Umgang mit dem Thema sexuelle Gewalt eingestanden. Jetzt erkenne er einen Handlungsbedarf, den er vorher nicht gesehen habe, sagte Reul dem Nachrichtenmagazin »Spiegel«.

»Ich glaube, ich war typisch für viele in der Politik und in der Gesellschaft. Wenn es früher mal um sexuelle Gewalt ging, sagten wir: Ja, das gibt es zwar, aber das sind doch Ausnahmefälle.« Mittlerweile sei es »zum Thema meiner Amtszeit« geworden.

Reul kündigte verstärkte Ermittlungen im Bereich Kindesmissbrauch an. Die verdeckten Ermittler sollen laut dem Bericht des Nachrichtenmagazins künftig in einschlägigen Internetforen auch mit sogenannten »Keuschheitsproben« arbeiten dürfen: Pornografisches Material, das oft für den Eintritt in Tauschringe hochgeladen werden muss. Ein entsprechender Antrag wollten Bayern und NRW demnach demnächst in den Bundesrat einbringen.

Zudem kündigte der Innenminister im »Spiegel« an, die Polizeibehörden in Nordrhein-Westfalen »umzustricken«. So sei die Zahl der Stellen für Beamte, die sich mit dem Thema Kindesmissbrauch beschäftigen, von 104 auf 160 gestiegen. Die Zahl der ausstehenden Durchsuchungen bei Tatverdächtigen sei von 557 auf 427 gesunken. Reul forderte außerdem von jeder Polizeibehörde, einen Raum einzurichten, der sich für die Vernehmung junger Missbrauchsopfer eigne.

Mahnwache in Detmold

Am letzten Verhandlungstag zogen 50 Demonstranten vom Detmolder Markplatz zum Landgericht und hielten eine einstündige Mahnwache. Die Gruppe setzt sich dafür ein, die Verjährung von sexuellem Missbrauch aufzuheben. Gleichzeitig verlangten sie eine lebenslange Überwachung verurteilter Täter. »Es gibt keine Einmal-Täter«, sagte der Initiator der Demonstration, Markus Diegmann. Im Kindesalter wurde auch er Opfer von Missbrauch.

Mit der Aktion solle keineswegs das Gericht beeinflusst werden. »Wir wollen erreichen, dass die Gesellschaft sich nicht wegduckt, sondern hinschaut«, erklärte Diegmann. »Täglich werden 41 Fälle von schwerem sexuellem Missbrauch angezeigt. Die Dunkelziffer ist zwanzig Mal so hoch.«

Diegmann lobte die Arbeit des Unabhängigen Beauftragten der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig. Diese Aufgabe sollte auch auf Landes- und kommunaler Ebene fortgeführt werden.

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