Do., 20.09.2018

Drei Morde in Hille: Zweiter Prozesstag am Landgericht Bielefeld Angeklagten droht Sicherungsverwahrung

Der Angeklagte Jörg W. im Gerichtssaal.

Der Angeklagte Jörg W. im Gerichtssaal. Foto: Oliver Schwabe

Bielefeld (dpa). Im Prozess um den mutmaßlichen Dreifachmord von Hille droht den Angeklagten am Ende die Sicherungsverwahrung. Darauf hat der Vorsitzende Richter Georg Zimmermann zum Auftakt des zweiten Prozesstages am Donnerstag hingewiesen. Zimmermann beruft sich dabei auf die Erkenntnisse eines vorläufigen psychologischen Gutachtens. Demnach geht von den beiden Angeklagten ein Hang zu erheblichen Straftaten aus.

Die Angeklagten Jörg W. (51) und Kevin R. (24) äußerten sich am zweiten Prozesstag nicht zu den Vorwürfen. Die beiden Deutschen sollen im ostwestfälischen Hille aus Habgier drei Männer getötet und verscharrt haben.

Die Leichenfunde auf zwei angrenzenden Höfen hatten im Frühjahr für Aufsehen gesorgt. Laut Anklage haben die beiden von 2017 bis 2018 zuerst einen Nachbarn (72), dann einen Hilfsarbeiter (64) und später einen Geschäftspartner (30) brutal erschlagen. Die Anklage lautet auf dreifachen Mord aus Habgier.

Gegenseitige Beschuldigungen

Auch die Ehefrau von Jörg W. wird nicht aussagen und beruft sich auf ihr Zeugnisverweigerungsrecht, wie das Gericht mitteilte.

Nach Auskunft seiner Verteidiger wird der jüngere Angeklagte eventuell zu einem späteren Zeitpunkt zu den Vorwürfen Stellung nehmen. Der ehemalige Fremdenlegionär Jörg W. - der ältere der beiden - und sein Ziehsohn beschuldigen sich gegenseitig.

Eine Gutachterin berichtete von ihren Gesprächen mit Jörg W. und dessen Vorwürfen gegen Kevin R. Jörg W. habe ihr berichtet, so die Psychologin, dass der Zeitsoldat Kevin R. die Männer aus Mordlust getötet habe. Weil Kevin R. damals für den 51-Jährigen wie ein eigener Sohn gewesen sei, habe er ihn nicht bei der Polizei verpfiffen. Beim Verbuddeln der Leichen habe er mitgeholfen, um ihn zu schützen, berichtete er laut der Psychologin.

Laut Anklage wurden die Opfer mit roher Gewalt getötet. Jörg W. gab dafür in dem Gespräch mit der Gutachterin Kevin R. die Schuld. Kevin R. habe auf eines der Opfer mit einer leeren Bierflasche 15 bis 20 Mal brutal eingeschlagen. Während die Gutachterin die für ihn belastenden Aussagen vortrug, schüttelte Kevin R. mehrfach mit dem Kopf.

Das Gericht verlas ausführlich SMS-Nachrichten zwischen Jörg W. und Kevin R. Dabei ging es um finanzielle Probleme, Jobangebote bei der Bahn und der Bundeswehr und einen Hauskauf. Der Ton der SMS-Nachrichten offenbarte ein freundschaftliches Verhältnis zwischen Jörg W. und Kevin R., dem Patenkind seiner Frau.

Immer wieder eingestreute Heil-Hitler-Grüße und der Hinweis auf Hitlers Geburtstag sprachen für das, was Jörg W. der Gutachterin zu Kevin R. gesagt hatte: »Er ist ein Rechter.« Das Verhältnis zu ihm bezeichnete der Ältere als Vater-Sohn-Beziehung. »Er war ein netter Kerl. Er hatte sich erst durch den Dienst bei der Bundes- und und Feuerwehr veränderte«, sagte der Ex-Fremdenlegionär laut der Psychologin.

Der Prozess wird am 8. Oktober fortgesetzt.

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