Do., 08.11.2018

Welcher der beiden Angeklagten erschlug den Maurer Fadi S.? Gutachten über Blutspritzer

Ein Messer und zwei Maurerfäustel: Die mutmaßlichen Mordwaffen im Fall der Toten von Hille.

Ein Messer und zwei Maurerfäustel: Die mutmaßlichen Mordwaffen im Fall der Toten von Hille. Foto: Althoff

Von Christian Althoff

Bielefeld (WB). Im Mordprozess um die drei Toten von Hille soll ein Biologe ein Blutspritzmuster-Gutachten erstellen. Es geht um die Frage: Wer hat den Maurer Fadi S. (30) erschlagen?

Seit September stehen Pferdehofbesitzer Jörg W. (51) und sein Ziehsohn Kevin R. (24) vor Gericht . Sie sollen seit 2017 aus Habsucht drei Männer (30, 64 und 71 Jahre alt) umgebracht haben. Kevin R. hatte ausgesagt, Jörg W. habe den Maurer im März von hinten mit Hammerschlägen auf den Kopf getötet . Das bestreitet Jörg W. und beschuldigt den Jüngeren.

Reiterhof durchsucht

Bei einer Durchsuchung des Reiterhofs hatten Polizisten im Frühjahr die neonfarbene Arbeitsjacke des 24-Jährigen sichergestellt, an der Blutspuren waren. Die Frage ist, wie sie an die Kleidung kamen. Entstanden sie beim Wegschaffen der Leiche? Oder beim Erschlagen des Opfers? Und wenn: Hat der Jackenträger die Hammerschläge ausgeführt oder nur die Spritzer abbekommen?

Mit dem Gutachten wird voraussichtlich der Biologe Dr. Martin Schulz von der Uni München beauftragt, der bundesweit als Experte für Blutspritzmuster gilt. Die Grundlage seiner Untersuchung: Je spitzer der Winkel ist, mit dem Blutstropfen auf ein Hindernis prallen, umso länglicher ist ihr Abdruck. Anhand der Form von Blutspritzern, ihrer Größe, Zahl und Position können Fachleute im besten Fall feststellen, wie das Opfer und andere Personen im Raum zueinander gestanden haben und welche Art Waffe es war.

Blutspritzmuster-Gutachten liegt dem Landgericht vor

Vor dem Landgericht Bielefeld war ein Blutspritzmuster-Gutachten 2012 mitentscheidend für die Verurteilung eines 19-Jährigen, der die 82 Jahre alte Vermieterin der Familie mit mehr als 40 Messerstichen niedergemetzelt hatte. Der 19-Jährige hatte die Tat bestritten, doch an seiner Horrormaske und seinem Pullover waren Blutspritzer. Und deren Form und Lage sprachen laut Gutachter dafür, dass der Träger der Gegenstände mit einem Messer auf das Opfer losgegangen war.

Am achten Verhandlungstag im Hiller Mordprozess befragte das Gericht gestern die inzwischen 17 Jahre alte frühere Pflegetochter des Hauptangeklagten und seiner Frau. Die Jugendliche konnte allerdings nichts Wesentliches zur Information der Prozessbeteiligten beitragen.

Sie meinte zwar, am Abend des Mordes an dem Betriebshelfer Joachim K. sei auch ihre Pflegemutter Doris W. auf dem Hof gewesen, was die Angeklagten bisher bestritten hatten. Doch vielleicht irrte sich die Zeugin auch. Denn SMS auf den Handys der Angeklagten legen nahe, dass Doris W. erst später von dem Mord erfuhr.

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