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Sa., 11.02.2017

Vor einem Jahr begann Prozess in Detmold – Überlebender wird Ehrenbürger Auschwitz-Urteil hallt nach

Justin Sonder überlebte Auschwitz.

Justin Sonder überlebte Auschwitz. Foto: Hans-Werner Büscher

Von Bernd Bexte

Detmold (WB). An diesem Samstag vor einem Jahr begann in Detmold der Prozess gegen den früheren SS-Unterscharführer Reinhold Hanning , der wohl größte Prozess in der Geschichte des dortigen Landgerichts. Nach 20 Verhandlungstagen war der heute 95-Jährige aus Lage im Juni zu fünf Jahren Haft wegen Beihilfe zum Mord in mindestens 170.000 Fällen im Konzentrationslager Auschwitz verurteilt worden.

Bis zur möglichen Rechtskraft des Urteils kann es aber noch lange dauern. Die Akten liegen immer noch bei der Generalbundesanwaltschaft, wie eine Sprecherin am Freitag bestätigte. Nach entsprechender Prüfung werden sie an den Bundesgerichtshof weitergeleitet. Das Detmolder Urteil hallt derweil weiter nach: »Ich war jetzt wieder in Ungarn und in Prag. Dass ein deutsches Gericht in dieser Sache einen solch klaren Kurs behalten hat, wird von allen Überlebenden hoch geachtet«, sagt Christoph Heubner , Vizepräsident des Internationalen Auschwitz-Komitees in Berlin. Es vertritt die Interessen von noch etwa 15.000 Holocaust-Überlebenden in 19 Ländern.

Nicht nur das Urteil, auch der würdevolle Umgang des Gerichts mit den unfassbaren Verbrechen werde weithin anerkannt. Die Vorsitzende Richterin Anke Grudda hatte damals betont: »Dieser Prozess ist das Mindeste, was eine Gesellschaft tun kann, um den unzähligen Opfern des Holocaust zumindest ein klein wenig Gerechtigkeit zu verschaffen.« Ein konkretes Resultat des Prozesses aus Detmold ist die Ehrenbürgerschaft für Justin Sonder. Seine Heimatstadt Chemnitz wird ihm diese am 21. April verleihen. Die Laudatio hält Christoph Heubner. Der 91-jährige Sonder war einer der Überlebenden, die als Nebenkläger im Detmolder Prozess aussagten. Er hatte in Auschwitz 17 Selektionen überlebt. Auch Nebenklageanwalt Thomas Walther, dessen Einsatz die jüngsten Prozesse gegen Oskar Gröning (95) in Lüneburg und Hanning in Detmold ermöglicht hatte, berichtet dem WESTFALEN-BLATT vom anhaltenden Interesse am Detmolder Prozess. »Ich war gerade in Toronto zu zahlreichen Begegnungen und acht Reden innerhalb von sieben Tagen«, erklärt er. Am Dienstag spricht er auf Einladung der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Lippe und der Stadt Detmold über den Detmolder Auschwitz-Prozess (19.30 Uhr, Leopoldinum, Hornsche Straße 48). Der Eintritt ist frei.

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