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Mo., 16.07.2018

Folge 4: An der Montessorischule Borchen wird digital gelernt Grundschüler programmieren Minicomputer

Die zehnjährige Mia zeigt einen »Calliope«, einen Minicomputer, den Grundschüler in Borchen mit Hilfe eines Laptops selbst programmieren. Spiele, Musik, das Einmaleins lernen – der sternförmige Kleinrechner ist vielfältig einsetzbar.

Die zehnjährige Mia zeigt einen »Calliope«, einen Minicomputer, den Grundschüler in Borchen mit Hilfe eines Laptops selbst programmieren. Spiele, Musik, das Einmaleins lernen – der sternförmige Kleinrechner ist vielfältig einsetzbar. Foto: Besim Mazhiqi

Von Lukas Brekenkamp

Borchen (WB). Jeden Montag in der fünften Stunde blicken 16 Viertklässler gebannt auf die Laptopmonitore in der Montessorischule im Borchener Ortsteil Dörenhagen. Eifrig tippen und klicken sie an den Geräten ihre Programmierungen ein, mit dem Ziel, dem Minicomputer »Calliope« neue Befehle beizubringen.

Der sechseckige, sternförmige Minicomputer ist etwa so groß wie eine Handfläche. In der Mitte der Platine leuchten 25 kleine Lämpchen. An jeder Ecke ist ein goldenes, knopfartiges Stück verbaut. Richtig programmiert, lassen sich durch Knopfdrücken zum Beispiel Töne erzeugen, oder auch ganze Lieder.

Ein Klassensatz – etwa 25 dieser Minicomputer – ist im Besitz der Montessorischule am Sonnenberg in Borchen-Dörenhagen bei Paderborn. Seit Anfang Mai treffen sich die 16 Viertklässler einmal in der Woche in der AG, um unter Anleitung von Ulrike Nolte die Welt des Programmierens kennenzulernen. »Die Idee dazu kam aus der Elternschaft«, sagt die Medienbeauftragte der Schule.

Die Anschaffung des Materials – sprich die Minicomputer sowie Laptops – wurde größtenteils durch den Förderverein ermöglicht. Hilfe kam von der Gemeinde Borchen. Technischen Support für die Endgeräte bekommt die Schule von einem Unternehmen aus Bielefeld – sollte etwa einer der Laptops für die insgesamt vier jahrgangsübergreifenden Klassen defekt sein, wird schnell für eine Lösung gesorgt.

Minicomputer können das Einmaleins

»Unser Ziel ist es, die ›Calliopes‹ in den normalen Schulunterricht einzubauen«, erklärt Schulleiterin Sandra Koch. Tatsächlich scheinen die Möglichkeiten mit dem kleinen Computer nahezu grenzenlos: »Die ›Calliopes‹ lassen sich so programmieren, dass sie die Kinder das Einmaleins abfragen. Die Schüler können auch ein Fahrradlicht bauen, das leuchtet, sobald es dunkel wird«, ergänzt Ulrike Nolte. Sogar im »Schnick-Schnack-Schnuck«-Spiel kann man gegen den Kleincomputer antreten.

Den Umgang mit den dafür notwendigen Programmen haben die Kinder bereits drauf: In kindergerechter Aufmachung zeigt das Programm die verschiedenen Möglichkeiten an. Soll beispielsweise bei Knopfdruck ein gewisser Ton gespielt werden, so können die Kinder diesen über digitale Klaviertasten auf dem Monitor per Mausklick bestimmen. Auch in welcher Konstellation die verschiedenen Dioden leuchten sollen, lässt sich von den Kindern programmieren.

30 Seiten Anleitung

»Learning by doing« ist die Devise. Trotzdem gibt es für die Kinder eine mehr als 30 Seiten lange Anleitung, extra für den Schulunterricht angefertigt. Der Umgang mit diesen Minicomputern sei noch nicht an vielen Schulen üblich – in OWL kommen die Minicomputern darüber hinaus auch in der Altstadtschule Gütersloh zum Einsatz.

»Es ist am Anfang schon eine kleine Hürde. Aber die Kinder sind total motiviert«, berichtet Ulrike Nolte. »Die Kinder bringen ein enormes Vorwissen mit«, ergänzt

Schulleiterin Sandra Koch. Tatsächlich ist der »Calliope« kein einfaches Schulmittel. Einige Eltern haben bereits einen solchen Minicomputer für zu Hause gekauft. »Man muss von Anfang an verstehen, wie so was funktioniert«, sagt Schülerin Tala. »Ich kenne schon etwas von zu Hause, aber in der Schule habe ich noch mehr gelernt.«

Programmierte Katze

Übrigens: Auch die Drittklässler haben die Möglichkeit, die ersten Schritte des Programmierens zu lernen. In einer weiteren AG arbeiten die Kinder mit »Scratch«. In dem Programm bringen die Schüler eine Katze auf dem Bildschirm durch bestimmte Befehle in Bewegung oder ändern gar das Aussehen – untermalt wird die Animation mit Musik.

Mit den AGs sollen schrittweise die ersten Kenntnisse vermittelt werden, die der »Medienkompetenzrahmen NRW« (bis 2017 »Medienpass«) vorsieht. Damit sollen Schüler digitale Schlüsselqualifikationen erwerben. Ziel ist es, sie zu einem sicheren, kreativen und verantwortungsvollen Umgang mit Medien zu befähigen und neben Medienkompetenz auch eine Grundbildung in Informatik zu vermitteln.

Bisher erschienen:

Folge 1: Wie digital sind unsere Schulen? Eine Bestandsaufnahme

Folge 2: Hier gehören Laptops zum Schulalltag – Gütersloher Gymnasium macht es vor

Folge 3: »Kein Selbstzweck« – NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) will schnelle Umsetzung

 

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