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Mo., 27.05.2019

Landtagsabgeordneter Sieveke will CDU-Politik besser vermitteln »Wir nehmen die jungen Wähler ernst«

Symbolbild.

Symbolbild. Foto: dpa

Von Matthias Band

Paderborn (WB). Nach der Pleite bei der Europawahl stehen bei CDU und SPD unruhige Zeiten an – auch im Kreis Paderborn. In der Paderborner Kernstadt holten die Grünen mit 29,3 Prozent sogar die Mehrheit der Stimmen. Die CDU kam dort auf 26,6 Prozent, die SPD auf 13,8 Prozent. Auch in Paderborn-Dahl holten die Grünen mit 27,7 Prozent viele Stimmen, blieben aber knapp hinter der CDU, die 32,4 Prozent erreichte. Kreisweit kam die CDU in ihrer Hochburg auf 35,9 Prozent.

»Es gibt schönere Tage«, kommentierte gestern der Paderborner CDU-Landtagsabgeordnete Daniele Sieveke das Ergebnis, zu dessen Wahlbezirk auch die Kernstadt gehört. Sieveke sprach von einer schwierigen Wahl und verwies unter anderem auf den Umgang der CDU mit dem Rezo-Youtube-Video. »Die jungen Wähler fragen sich, ob wir sie ernst nehmen. Wir nehmen sie ernst, aber wir haben das im Wahlkampf nicht vermitteln können. Die jungen Menschen möchten den Kohleausstieg sehr schnell haben. Aber wir als Volkspartei, die wir ja sein wollen, müssen die Dinge differenziert betrachten. Wir müssen auch an die Menschen in den Kohlerevieren denken«, sagte Sieveke.

Daniel Sieveke (CDU) will Social-Media-Aktivitäten ausbauen

Das Wahlergebnis müsse die CDU mit Blick auf die Kommunalwahl 2020 sehr ernst nehmen. »Wir müssen als CDU dahingehen, wo sich die jungen Menschen tummeln«, sagte Sieveke. Er will sich dafür stark machen, die Social-Media-Aktivitäten auszubauen. »Wir müssen jungen Menschen unsere Politik besser verständlich machen. Und wir müssen jetzt zeigen, warum es wichtig ist, die CDU zu wählen.« Gut an dem Wahlergebnis sei, dass die Populisten weniger Stimmen auf sich vereint hätten, als vorhergesagt worden war.

Für die SPD wiegen die Verluste im Kreis ebenfalls schwer. In einigen Ortsteilen blieb das Ergebnis einstellig. Das schlechteste Ergebnis im Kreis erzielte die SPD im Bad Wünnenberger Ortsteil Elisenhof mit 3,5 Prozent. Die CDU kam dort auf 64,9 Prozent. Ebenfalls einstellig schnitt die SPD in Büren in den Ortsteilen Eickhoff (6,8 Prozent), Harth (8,4) und Weiberg (6,3) sowie in Delbrück in Anreppen (9,0), Hagen (9,1), Lippling (7,9), Ostenland (8,3), Steinhorst (8,5) und Westenholz (9,7) ab.

Bester SPD-Wert mit 22,4 Prozent in Lichtenau-Kleinenberg

In Hövelhof blieb die SPD in Espeln mit 6,7 Prozent einstellig. Den besten Wert im Kreis erzielten die Sozialdemokraten in Lichtenau-Kleinenberg mit 22,4 Prozent. In Lichtenau holte die SPD auch das beste Gesamtergebnis auf kommunaler Ebene. Lichtenaus Bürgermeister Josef Hartmann (SPD) spricht trotzdem von einem insgesamt »dramatischen Ergebnis« für seine Partei. Auch wenn ihn die Werte in Lichtenau etwas versöhnlich stimmten. »Wir müssen als Partei wieder ein Profil finden. Es ist nicht alles schlecht in Berlin, aber wir schaffen es nicht, das zu vermitteln«, sagte Hartmann, der seit 1974 Mitglied der SPD ist.

Grüne sehen viel Potential für ihre Partei im Kreis Paderborn

Die Grünen spüren hingegen Rückenwind. Sie gewannen nach Daten von Infratest Dimap vor allem bei jungen Wählern Stimmen hinzu. In der Gruppe von 18 bis 44 sind sie stärkste Partei, von 18 bis 24 hat sie jeder Dritte gewählt. »Man erkennt an dem Ergebnis, dass für die Grünen viel Potential im Kreis Paderborn steckt«, sagte die Paderborner Grünen-Fraktionssprecherin Petra Tebbe. Die Grünen würden das Thema Klimaschutz konsequent weitertragen. »An uns werden jetzt hohe Erwartungen gestellt, die nehmen wir aber auch an.« Konkrete Überlegungen hinsichtlich einer Strategie für die Kommunalwahl und für die Frage, ob die Grünen in den Kreiskommunen überall mit einem eigenen Bürgermeisterkandidaten antreten werden, gebe es aber noch nicht.

Der Kreis ist mit dem Ablauf der Wahl sehr zufrieden. »Es lief alles glatt«, sagte Peter Stamm aus dem Büro des Kreiswahlleiters. Aufgrund der hohen Wahlbeteiligung in Paderborn-Dahl mit 80,77 Prozent habe es dort allerdings zwischenzeitlich an Stimmzetteln gemangelt. »Das Problem konnten wir dann aber schnell lösen«, sagte Stamm. Insgesamt lag die Wahlbeteiligung im Kreis bei 60,3 Prozent (2014: 50,6 Prozent).

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