>

Fr., 15.02.2019

Toxikologe: »Der Hausarzt denkt da an alles andere, aber nicht an Gift« Pausenbrot-Prozess: Gefundene Stoffe passen zu kranken Opfern

Klaus O. im Bielefelder Landgericht

Klaus O. im Bielefelder Landgericht Foto: Wolfgang Wotke

Bielefeld/Schloß Holte-Stukebrock (dpa). Im Prozess um vergiftete Pausenbrote hat ein Experte neue Indizien geliefert. Die beim Angeklagten gefundenen Giftstoffe passten zu den Krankheitsbildern der Opfer, sagte Toxikologe und Rechtsmediziner Thomas Daldrup am Freitag vor dem Landgericht Bielefeld.

Angeklagt wegen versuchten Mordes ist der 57-jähriger Klaus O. Er soll mehrere seiner Arbeitskollegen über Jahre in einem Betrieb in Schloß Holte-Stukenbrock, Ari Armaturen, mit gefährlichen Substanzen auf deren Pausenbroten vergiftet haben. Zwei von ihnen haben heute schwere Nierenschäden, ein drittes Opfer ist ein Pflegefall und wird mit einem unheilbaren Hirnschaden von seinen Eltern betreut.

Niere und Stammhirn geschädigt

Bei den gefundenen Stoffen handelt es sich vor allem um Blei-, Quecksilber- und Cadmiumverbindungen. Vergiftungen dieser Art seien heutzutage sehr selten und kämen vermehrt in unterentwickelten Ländern vor. Bei hohen Dosen reagiere der Körper mit einem Multiorganversagen. Bei geringen Mengen klagen die Opfer über Kopfschmerzen, Schwindel oder Muskelschmerzen. »Der Hausarzt denkt da an alles andere, aber nicht an Gift«, sagte der Experte.

Daldrup ordnete die von den Ermittlern im Haus des Angeklagten und auf den Lebensmitteln gefundene Stoffe den Symptomen der krank gewordenen Männer zu. In der Hauptsache geht es dabei um Blei-, Quecksilber- und Cadmiumverbindungen. Vergiftungen dieser Art seien heutzutage sehr selten und kämen vermehrt in unterentwickelten Ländern vor. Bei hohen Dosen reagiere der Körper mit einem Multiorganversagen. Bei geringen Mengen klagen die Opfer über Kopfschmerzen, Schwindel oder Muskelschmerzen. »Der Hausarzt denkt da an alles andere, aber nicht an Gift«, sagte der Experte. Niere und Stammhirn werden geschädigt, wie bei den Opfern.

Motiv bleibt rätselhaft

Daldrup erklärte, dass durch die Giftstoffe grundsätzlich alle Organe im Körper betroffen seien. »Einige Organe kommen damit besser klar. Eine Erkrankung zu erkennen ist sehr schwer. Der Arzt denkt, dass ein Organ erkrankt ist, zum Beispiel durch einen Virus«, sagte der Gutachter.

Die Opfer oder deren Angehörige hatten als Zeugen im Prozess von Muskelstörungen berichtet, Taubheitsgefühlen oder extremer Schwäche. Alle Punkte hatte Daldrup als Folgen der Vergiftung mit den gefundenen Stoffen aufgelistet. Einschränkungen musste der Experte allerdings bei den aktuellen Befunden machen. Bei neuen Haar- oder Blutproben konnten überhöhte Werte der Gifte nicht mehr nachgewiesen werden. Sein Gutachten stützt sich zum Teil auf die Krankenakten der Opfer aus den zurückliegenden Jahren, in denen die Werte noch auffällig waren.

Der Angeklagte hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert. Daher ist sein Motiv rätselhaft. Die Staatsanwaltschaft vermutet in der Anklage, dass Klaus O. über Jahre den körperlichen Verfall seiner Kollegen beobachten wollte. Im Kreis der Kollegen galt der Betriebsschlosser als fachlich kompetenter Einzelgänger.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6393369?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F6393203%2F