>

Do., 31.01.2019

Pausenbrote-Prozess: Toxikologe berichtet von hochgefährlichen Substanzen »Schlimmer als Senfgas«

Aufgrund einer Bestellliste von Klaus O. und seinen handschrift­lichen Aufzeichnungen deute alles darauf hin, dass er große Mengen an Methylquecksilber herstellen wollte.

Aufgrund einer Bestellliste von Klaus O. und seinen handschrift­lichen Aufzeichnungen deute alles darauf hin, dass er große Mengen an Methylquecksilber herstellen wollte. Foto: Wolfgang Wotke

Von Wolfgang Wotke

Bielefeld (WB). Quecksilber ist giftig. Noch problematischer sind organische Verbindungen wie ­Methylquecksilber. Das aber ist im Giftlabor des Angeklagten Klaus O. entdeckt worden, wie gestern im Prozess um vergiftete Pausenbrote bekannt wurde. Ein Toxikologe des Landeskriminalamtes (LKA), der mehr als 140 Asservate untersucht hatte, zeichnete ein Horrorszenario: »Da hat es hochgefährliche Substanzen gegeben, die schlimmer als Senfgas sind«, sagte Dr. Hellmut Mahler.

Klaus O. (57) wird vorgeworfen, drei seiner Kollegen bei Ari Armaturen in Schloss Holte-Stukenbrock vergiftet zu haben. Im Prozess ging es gestern um Blei- und Queck­silberverbindungen, außerdem um Pilzgifte und Spuren von radio­aktiven Toxinen. Auf den sichergestellten Butterbroten seien giftige Bleiverbindungen gefunden worden, erklärte der 59-jährige Experte.

Der Fall habe eine ungewöhnliche ­Dimension angenommen.

Die gefundene Menge auf einem Brot habe den Grenzwert um das 40-Fache überstiegen. Mahler gilt als Fachmann auf diesem Gebiet beim LKA. »Während der Analyse der sichergestellten Chemikalien mussten wir in unserem Labor Sicherheitsmaßnahmen ergreifen, denn sie waren so gefährlich, dass selbst Außenstehende wie Reinigungskräfte die Räume eine Zeit lang nicht betreten durften«, sagte er vor dem Bielefelder Schwurgericht. Der Fall habe eine ungewöhnliche ­Dimension angenommen.

Der Toxikologe hat die Stoffe und die Fachliteratur untersucht, die im Haus des An­geklagten gefunden wurden. Aufgrund einer Bestellliste von Klaus O. und seinen handschrift­lichen Aufzeichnungen deute alles darauf hin, dass er große Mengen an Methylquecksilber herstellen wollte . Es hätte wohl ausgereicht, um eine ganze Stadt auszulöschen. Mahler: »Das ist zu vergleichen mit einem Kontaktgift.« Er berichtete, dass vor einigen Jahren eine Wissenschaftlerin damit experimentiert habe. »Sie hat nur drei Tropfen davon aus Versehen auf ihren Handschuh bekommen. Einige Wochen später war sie tot.«

Anleitungen aus dem Internet

Die Rede war auch von Americium, einer Substanz, die durch Atmung oder Hautkontakt in den menschlichen Körper gelangen kann. »Die Strahlung, die von dem aufgenommenen Americium ausgeht, ist die Hauptursache für gesundheitliche Probleme.« Americium bewege sich schnell im Körper fort und werde in den Knochen für eine lange Zeit konzentriert und führe zu einer Veränderung des genetischen Materials. Klaus O. soll sich die Vorprodukte für seine Giftmischerei und auch die Anleitungen dafür aus dem Internet besorgt haben.

»Wenn diese chemischen Stoffe, mit denen der Angeklagte hantiert hat, so brandgefährlich sind, warum sitzt er noch so quicklebendig auf der Anklagebank?«, wollte Staatsanwalt Veit Walter wissen. »Davor kann man sich schützen, beispielsweise durch Belüftungsanlagen oder eine Atemmaske«, sagte Mahler. Der Prozess wird am Freitag, 8. Februar, fortgesetzt.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6393585?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F6393203%2F