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Fr., 08.02.2019

Prozess um Pausenbrote: Massive Kritik an der Arbeit der Spurensicherung Giftspuren auch bei Angehörigen

Klaus O. steht wegen versuchter Morde vor Gericht.

Klaus O. steht wegen versuchter Morde vor Gericht.

Von Wolfgang Wotke

Bielefeld  (WB). Wahrscheinlich hat der mutmaßliche Pausenbrotvergifter Klaus O. (47) nicht nur seine drei Arbeitskollegen, sondern auch seine eigene Familie vergiftet. Zumindest können sie Leidtragende seiner Giftmischerei geworden sein. Denn: nach WESTFALEN-BLATT-Informationen wurden bei seiner Ehefrau und seinen zwei Kindern erhöhte Quecksilberkonzentrationen in Blut und Haaren festgestellt.

Der Vorsitzende Richter der Schwurgerichtskammer am Landgericht Bielefeld, Dr. Georg Zimmermann, konnte am Freitag ein Gutachten des Landeskriminalamtes (LKA) Bayern nur teilweise verlesen. Haar-, Fingernägel- und Blutproben waren auf Anordnung der Staatsanwaltschaft von drei Nebenklägern sowie von 16 Personen aus dem engeren Umfeld des Angeklagten genommen und auf Schwermetalle wie Blei und Quecksilber untersucht worden.

Mehrere Pannen

Bei der Asservierung dieser Proben hat es offensichtlich mehrere Pannen gegeben. Laut Gutachten seien die gesicherten Haare in einem »sehr schlechten Zustand« zur Toxikologie des Kriminaltechnischen Instituts nach München gekommen. »Hätten die Spurensicherer sich an die Vorgaben gehalten und die Haare nicht mithilfe von Klebebändern entnommen, wäre es für uns viel einfacher gewesen, sie zu untersuchen«, zitierte Zimmermann aus der Expertise.

So aber habe man jedes einzelne Haar mit einer Pinzette in tagelanger Arbeit von Klebstoff reinigen und herrichten müssen. Das Gutachten soll auch deshalb rund 20.000 Euro gekostet haben. Außerdem wurden die Personen zum Zeitpunkt der Entnahmen rechtlich nicht belehrt. Dr. Georg Zimmermann: »Deshalb kann ich heute nur die Ergebnisse der drei Nebenkläger öffentlich machen, nicht die der anderen.«

750 Mikrogramm Blei

Bei dem im Koma liegenden Nick N. habe es keine Hinweise auf Vergiftungen gegeben. Der Grund: durch die Dialyse sind wohl die Giftstoffe herausgespült worden. Anders sieht es bei Udo B. aus, bei dem in seinen Haaren als auch im Blut insgesamt 750 Mikrogramm Blei festgestellt wurden.

Beim dritten Opfer, Simon R., waren es 130 Mikrogramm Blei in seinem Blut, das sich allerdings zum Zeitpunkt der Entnahme noch nicht in seinen Haaren abgelagert hatte. Der Prozess wird am Freitag, 15. Februar, fortgesetzt.

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