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Sa., 23.02.2019

Prozess um vergiftete Pausenbrote: Urteil soll am 7. März gesprochen werden – mit Video 650.000 Euro Schmerzensgeld?

Mit einem blauen Aktendeckel hat sich der 57-jährige Klaus O. im Gerichtssaal vor den Kameras geschützt. Neben ihm stehen seine Verteidiger Christina Peterhanwahr und Henning Jansen.

Mit einem blauen Aktendeckel hat sich der 57-jährige Klaus O. im Gerichtssaal vor den Kameras geschützt. Neben ihm stehen seine Verteidiger Christina Peterhanwahr und Henning Jansen. Foto: Wolfgang Wotke/Archiv

Von Wolfgang Wotke

Bielefeld (WB). Jetzt geht es dem mutmaßlichen Pausenbrotvergifter wohl auch finanziell an den Kragen: 650.000 Euro Schmerzensgeld haben am Freitag die drei Vertreter der Nebenkläger von Klaus O. (57) gefordert. Das würde für den Beschuldigten sicherlich auch den wirtschaft­lichen Ruin bedeuten.

Es sei im Verlauf der Verhandlungstage vollständig erwiesen worden, dass Klaus O. für die Vergiftungen seiner Arbeitskollegen verantwortlich sei, sagte der Bielefelder Rechtsanwalt Ralph Niemeier, der den Geschädigten Sven Radtke vertritt. »Mein Mandant hat 80 Prozent seiner Nierenfunktion eingebüßt und wird dauerhaft psychischen Schaden davontragen«, sagte der Anwalt. Er verlangt 150.000 Euro Schmerzensgeld. Auch Rechtsanwältin Anke Reese aus Detmold schließt sich dem an und fordert 200.000 Euro für den Nebenkläger Udo B., der seit längerem Dialysepatient und mittlerweile arbeitsunfähig ist. 300.000 Euro verlangt Rechtsanwältin Gabriele Martens aus Rheda-Wiedenbrück für ihren Mandanten Nick N., der seit mehr als zwei Jahren im Koma liegt. »Sein gesundheitlicher Zustand ist unheilbar und verschlechtert sich.«

Allerdings verwies der Vorsitzende Richter Dr. Georg Zimmermann in diesen Fällen auf eine vorläufige Rechtsauffassung: »Es kann sein, dass die geltend gemachten Ansprüche nicht in die Zuständigkeit dieser Kammer fallen, sondern in die der Arbeits­gerichte.« Man müsse das in den nächsten Tagen prüfen.

Eigentlich sollte am Freitag der Leiter der Forensischen Fach­ambulanz Bethel, Dr. Carl-Ernst von Schönfeld, sein psychiatrisches Gutachten über Klaus O. verlesen, doch dazu kam es nicht mehr. Zu lange – mehr als zwei Stunden – dauerten die zum Teil sinnlosen Fragen der Verteidiger an den Toxikologen und Rechtsmediziner Prof. Thomas Daldrup . Ihre zwei anschließenden Beweisanträge (ein neues chemisch-technischen Gutachten sowie die Aussetzung des Verfahrens) schmetterte die Kammer nach Beratung kurzerhand ab. Dr. von Schönfeld wird somit erst am nächsten Verhandlungstag, kommenden Dienstag, sein Exposé vortragen.

Zuvor hatte Richter Zimmermann zwei Aktenvermerke eines Ermittlungsbeamten verlesen. Demnach hat Klaus O. vor seiner Festnahme für längere Zeit nach Informationen im Internet gesucht. Aufgerufen wurden von ihm die Stichworte »Bleiacetat herstellen«, »Polonium 210 kaufen«, »Berilium giftig kaufen«, »Aluminium im Körper« sowie auch »Kobald-Vergiftungen«.

Am Dienstag soll die Beweisaufnahme geschlossen werden, dann folgen die Plädoyers. Das Urteil soll am 7. März fallen.

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