Viele hundert Zettel sind Schwerpunkt am zehnten Verhandlungstag
Angelika W.: »Es war noch schlimmer«

Mittwoch, 08.02.2017, 15:32 Uhr aktualisiert: 08.02.2017, 15:40 Uhr
Angelika W. belastete sich wieder. Foto: Schwabe
Angelika W. belastete sich wieder. Foto: Schwabe

Wilfried W. (46) und seine Ex-Frau Angelika (48) sollen zwei Frauen misshandelt haben, bis diese 2014 und 2016 starben. Ein Schwerpunkt am zehnten Verhandlungstag waren die vielen hundert Zettel , die von Opfern unterschrieben waren und die die Mordkommission im Haus gefunden hatte.

Am 7. April 2016, zwei Wochen vor ihrem Tod, unterschrieb die misshandelte Susanne F. folgenden Text: »Angelika hat mich, Susanne, in die Badewanne gestoßen. Sie hat mit meiner Zahnbürste die Toilette saubergemacht und sie mir dann in den Mund gesteckt. Außerdem hat sie mir aus einer Tube Salbe in die Nase gedrückt, bis ich Nasenbluten hatte.«

»Ich wollte Susanne erniedrigen«

Der Vorsitzende Richter wollte von der Angeklagten wissen, ob es die Misshandlungen so gegeben habe. »Ja«, antwortete Angelika W. »Es war sogar noch schlimmer...« »Warum haben Sie das getan?«, wollte Bernd Emminghaus wissen. »Ich wollte Susanne erniedrigen, weil sie mich so genervt hat. Sie war so langsam, und wir wollten doch aus dem Haus«, sagte die Angeklagte. Wilfried W. habe danebengestanden und zugesehen. Diese Aussage ließ ihren Ex-Mann aufbrausen. »Das ist gelogen, das stimmt nicht!«, raunte er seinem Verteidiger Dr. Detlev Binder zu – so laut, dass es viele im Saal mitbekamen, auch Oberstaatsanwalt Ralf Meyer. »Darf ich das als Aussage werten?«, fragte er, aber Binder winkte ab. Die Verteidiger haben immer noch nicht entschieden, wann ihr Mandant sein Schweigen bricht. Binder sagte, möglicherweise werde sich Wilfried W. am 21. Februar erstmals äußern.

Nach dem Zweck der Zettel gefragt sagte die Angeklagte, sie sollten Wilfried im Ernstfall schützen. In den meisten Fällen habe sie die Texte »nach stundenlangen Diskussionen mit Wilfried« geschrieben, und die Frauen hätten sie unterzeichnen müssen. Der Prozess wird am kommenden Dienstag fortgesetzt.

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