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Mi., 08.08.2018

Wilfried W. schreibt an seine Mutter – Prozess geht voraussichtlich bald zu Ende Ein wirrer Brief

Wilfried W. schrieb seiner Mutter einen langen Brief.

Wilfried W. schrieb seiner Mutter einen langen Brief. Foto: Jörn Hannemann

Von Christian Althoff

Paderborn (WB). Nach fast zwei Jahren geht der »Horror-Haus«-Prozess vor dem Landgericht Paderborn zu Ende. Das Schwurgericht geht davon aus, dass am 5. September mit den Plädoyers begonnen wird.

Zuerst wird Oberstaatsanwalt Ralf Meyer seinen Antrag stellen, dann folgen die Nebenklageanwälte, und zum Schluss sind die vier Verteidiger dran. Voraussichtlich werden die Plädoyers zusammen mindestens zwei Tage dauern.

Nun las der Vorsitzende Richter Bernd Emminghaus mehr als 20 Minuten lang einen Brief vor, den der Angeklagte Wilfried W. (48) Ende Juli aus der Untersuchungshaft an seine Mutter geschrieben hatte – ohne Wissen seiner Verteidiger.

Oberstaatsanwalt Meyer, der die Post der Angeklagten kontrolliert, hatte den Brief mit Genehmigung des Gerichts beschlagnahmt. Meyer: »In dem Brief schildert der Angeklagte auch Details der Tat. Deshalb ist das Schreiben für den Prozess wichtig.«

Scheinbar sinnlos

In dem Brief, der in weiten Teilen aus unvollständigen Sätzen und scheinbar sinnlos dahingeworfenen Worten besteht, macht Wilfried W. gewaltige Gedankensprünge. An einer Stelle äußert er sich zur Erdbeerernte, um dann zu berichten, dass er im Fernsehen einen Film über ein brennendes Haus gesehen habe.

Er fragt seine Mutter, was das Wort »schwachsinnig« bedeute (es taucht im psychiatrischen Gutachten auf), und schimpft immer wieder über seine Mitangeklagte, die er durchgängig als »Ex Angelika« bezeichnet. »Hast Du es gut?«, fragt er seine Mutter an einer Stelle und erwähnt dann einen Schlachter, der Wurstpakete verkaufe. »Fünf und zehn Kilo.« Am 28. Juli sei Libori angefangen, schreibt Wilfried W., und dass ein Mithäftling aus Dortmund ihn gebeten habe, Reibekuchen für zwei Tage zu machen. Er habe oft Herzschmerzen gehabt »wegen der Ex«.

Brief belastet W.

Doch dann äußert sich Wilfried W. an einer Stelle zu dem Vorfall, der im April 2016 zum Tod von Susanne F. (41) geführt haben soll. Susanne F. sei dem brandverletzten Arm von Angelika W. zu nahe gekommen.

Daraufhin habe Angelika die Frau gepackt und gegen einen Küchenschrank geschubst. Susanne F. sei mit dem Kopf gegen den Schrank geprallt. Er habe sie zum Arzt oder ins Krankenhaus bringen wollen, aber Angelika W. habe gesagt, das sei nicht nötig. Einen Tag später war das Opfer an den Folgen einer Hirnblutung gestorben.

Sollte Wilfried W. die Wahrheit geschrieben haben, belastet ihn diese Schilderung. Denn seine Verteidiger hatten bisher argumentiert, wegen seiner extrem niedrigen Intelligenz sei Wilfried W. gar nicht in der Lage, die Gefahr zu erkennen, die aus einem Schlag gegen den Kopf erwachsen könne.

Kommentare

Wo haben denn die Täter die Rechte der Opfer geachtet? Weggesperrt für immer. Das gehören die. Sie hätten einfach fliehen können? Wie denn? Solche Aussagen zu tätigen. Mir wird schlecht. Hier ist das Gesetz mit solchen viel zu harmlos. Amerikaner machen das besser!

Abartiges Theater

Scheinbar haben Inhaftierte gar keine Rechte mehr, da werden Briefe an die Mutter einfach geraubt und öffentlich vorgelesen. Was uns hier als normal verkauft wird ist die brutale Entblößung und Erniedrigung eines völlig hilflosen Menschen. Und so wie ich das Überblicke haben die Frauen im "Horrorhaus" nicht in einem Hochsicherheitsgefängnis gesessen und hätten durchaus flüchten können.

2 Kommentare

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