Fr., 05.10.2018

»Schandfleck« soll abgerissen werden – Warten auf Versteigerung Bosseborner wollen »Horror-Haus« kaufen

Höxter-Bosseborn, Saatweg 6: Das »Horror-Haus« ist auch fast zweieinhalb Jahre nach Bekanntwerden der Verbrechen immer noch Ziel von Schaulustigen. Viele Bürger des Ortes wünschen sich, dass das Gebäude von 1936 bald abgerissen wird.

Höxter-Bosseborn, Saatweg 6: Das »Horror-Haus« ist auch fast zweieinhalb Jahre nach Bekanntwerden der Verbrechen immer noch Ziel von Schaulustigen. Viele Bürger des Ortes wünschen sich, dass das Gebäude von 1936 bald abgerissen wird. Foto: Michael Robrecht

Von Michael Robrecht

Höxter (WB). Im Mordprozess um das Horror-Haus von Höxter-Bosseborn wird nach fast zwei Jahren Prozessdauer an diesem Freitag ein Urteil gesprochen. Den Angeklagten Wilfried W. (48) und seiner Ex-Frau Angelika W. (49) ist erneut die Aufmerksamkeit der Medien gewiss. Die Bürger des 520-Seelendorfes hoffen unterdessen, dass sie endlich aus den Schlagzeilen verschwinden.

Bosseborns Ortsheimatpfleger Richard Niederprüm und der Vorsitzende des Heimatschützenvereins, Thomas Niederprüm, berichten dem WESTFALEN-BLATT exklusiv, dass im Ort von Bürgern erwogen werde, das »Horror-Haus« privat zu ersteigern, um es abreißen zu können. Es dürfe nicht sein, dass das Gebäude über viele Jahre das Ziel von Besuchern und Medien bleibe.

»Wir in Bosseborn wollen versuchen, genug Geld­geber zusammen zu bekommen, um bei der für Anfang 2019 geplanten Internetauktion erfolgreich mitbieten zu können.« In den Vereinen sei über die Kaufidee bereits gesprochen worden. »Wir werden das weiterverfolgen«, kündigt Thomas Niederprüm an. Die Mehrheit der Bosseborner wolle, dass der »Schandfleck« platt gemacht werde, erklärte Ortsheimatpfleger Richard Niederprüm.

Bis es zu einer Versteigerung auf der Onlineseite www.justiz-auktion.de kommen kann, muss aber erst der letzte »Horror-Haus«-Eigentümer – der wegen Betreibens einer Drogenplantage mit 1000 Cannabispflanzen verurteilte Dachdecker Dave M. – vom Land rechtskräftig enteignet und das Haus an das Land NRW als Übergangs-Eigentümer übertragen werden.

Fotosession vor dem Gebäude

Für viele Menschen im Ort sind die vielen grausamen Details aus dem »Horror-Haus«-Prozess nur schwer erträglich: Die beiden Angeklagten sollen jahrelang eine Vielzahl von Frauen in das Haus gelockt, seelisch und körperlich schwer misshandelt und finanziell ausgebeutet haben. Zwei Frauen aus Niedersachsen starben infolge der Quälereien.

Nach Angaben von Ortsheimatpfleger Niederprüm hätten aus dem Ort kaum Bürger an den Verhandlungstagen am Landgericht Paderborn teilgenommen. Im Dorf seien die grausamen Taten immer seltener Gesprächsthema: Man habe zur Normalität zurückgefunden. Dennoch komme es immer wieder zu merkwürdigen Begebenheiten rund um den Saatweg 6. Auf dem Sportplatz habe eine »merkwürdige Gestalt« nach dem Haus gesucht und eine Motorradfahrer-Clique kürzlich eine Fotosession vor dem Gebäude veranstaltet. Und immer wieder hielten Schaulustige an der verwilderten Hofstelle an.

»Wir wollen weder Durchgeknallte, noch Autoren haben«

Thomas und Richard Niederprüm haben auch von den Gerüchten gehört, dass eine bekannte Krimiautorin das »Horror-Haus« ersteigern wolle. »So etwas möchten wir verhindern. Wir wollen hier weder Durchgeknallte, noch Autoren, noch Kinofilmteams haben«, sagte Richard ­Niederprüm.

Staatsanwalt und Nebenkläger fordern lebenslange Freiheits­strafen und das Feststellen der besonderen Schwere der Schuld für beide Angeklagten. Zusätzlich soll Wilfried W. in die Psychiatrie eingewiesen werden. Seine Verteidiger sprechen sich für sieben Jahre und sechs Monate Haft und Einweisung in die Psychiatrie aus. Die Verteidiger von Angelika W. fordern für sie einen Freispruch. Sollte das Gericht dem nicht folgen, schlagen ihre Anwälte eine Kronzeugenregelung vor. Dann soll sie zwölf Jahre ins Gefängnis.

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