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Mo., 08.10.2018

»Horror-Haus-Prozess: Vorsitzender Richter über gefühllose Angeklagte – mit Video Bernd Emminghaus: »Das ist mir sehr nahegegangen«

60 Verhandlungstage lang führte Bernd Emminghaus den Prozess. Jetzt geht er in Pension.

60 Verhandlungstage lang führte Bernd Emminghaus den Prozess. Jetzt geht er in Pension. Foto: meierpress

Von Christian Althoff

Paderborn (WB). Dass Richter sich nach der Urteilsverkündung zu ihrem Prozess äußern, kommt eigentlich nicht vor. Dass Bernd Emminghaus (65) es trotzdem tut, mag daran liegen, dass der »Horror-Haus«-Prozess sein längster und letzter war und er zum 1. Dezember in den Ruhestand geht.

60 Tage hat das Paderborner Schwurgericht verhandelt, und doch ist dem Vorsitzenden Richter ein Tag besonders in Erinnerung geblieben – jener Tag im Januar 2017, an dem Angelika Wagener (49) detailversessen schilderte, wie sie im Keller die eingefrorene Leiche von Anika W. (33) mit einer Säge zerlegte, um die Teile im Wohnzimmer im Kaminofen verbrennen zu können.

»Das ist mir sehr nahegegangen«, sagt Emminghaus. Angelika Wagener habe minutiös beschrieben, wie sie das gemacht habe. »Ohne jede Empathie, geschäftsmäßig.« Emminghaus erinnert daran, dass Angelika Wagener ausgesagt hatte, dass das Absägen eines Armes mit einem Fuchsschwanz nicht geklappt habe.

»Aber sie war nicht erschüttert«

»Ich habe sie gefragt, ob es ihr nicht doch komisch vorgekommen sei, was sie da gemacht habe, und ob das nicht schlimm gewesen sei. Aber sie sagte, nein, sie sei nur erschrocken gewesen, weil sie ihre Aufgabe nicht habe erfüllen können.«

Später hatte Angelika Wagener ihr Werk mit einer neuen Bügelsäge vollendet. Man denke doch, dass jemand in so einer Situation erschüttert sein müsse, sagt Bernd Emminghaus. »Aber sie war nicht erschüttert.«

Zur Kritik von Zuschauern, die als Urteil lebenslange Haft erwartet hatten, sagte Emminghaus, das Gericht habe die Strafe aus mehreren Gründen mildern müssen. So hätte es den Prozess ohne die Aussagen Angelika Wageners »nie gegeben«, sagte der Richter. »Das sieht auch die Polizei so.«

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