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Fr., 22.02.2019

Insgesamt 31 Kinder und Jugendliche sind Opfer geworden – eine Chronologie Missbrauch auf Campingplatz begann vor mehr als zehn Jahren

Ein Beamter des Landeskriminalamtes steht vor einem Wohnwagen auf dem Campingplatz Lügde.

Ein Beamter des Landeskriminalamtes steht vor einem Wohnwagen auf dem Campingplatz Lügde. Foto: dpa/Archiv

Lügde (dpa). Nach den bisherigen Erkenntnissen der Ermittler hat der vielfache sexuelle Missbrauch von Kindern auf einem Campingplatz in Lügde (Kreis Lippe) bereits vor mehr als zehn Jahren begonnen. Insgesamt 31 Kinder und Jugendliche sind Opfer in den Jahren bis 2018 geworden. Darunter ist ein Pflegekind, dass bei dem Hauptverdächtigen auf dem Campingplatz wohnte. Der Mann soll das Mädchen missbraucht und als Lockvogel eingesetzt haben, um an andere Kinder heranzukommen. – Eine Chronologie:

2008: Der Hauptverdächtige soll ein damals achtjähriges Mädchen auf dem Campingplatz im Kreis Lippe missbraucht haben.

August 2016: Hinweise eines Vaters an Polizei, Jugendamt und Kinderschutzbund. Die Polizei schaltet das Jugendamt ein, ermittelt aber nicht. Auch gibt es keinen Hinweis an die Staatsanwaltschaft.

November 2016: Hinweis einer Mitarbeiterin des Jobcenters Blomberg zu Äußerungen des Hauptverdächtigen, die auf sexuellen Missbrauch hindeuten könnten. Erneut reicht die Polizei den Hinweis nur an das Jugendamt weiter und verzichtet auf eigene Ermittlungen.  

November 2018: Hinweis auf sexuellen Missbrauch auf dem Campingplatz.

Dezember 2018: Festnahme des Hauptverdächtigen. Der heute 56-jährige Arbeitslose aus Lügde sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Januar 2019: Zwei Festnahmen. Ein 33-Jähriger aus Steinheim bei Höxter soll am Missbrauch direkt beteiligt gewesen sein. Im Wechsel mit dem Hauptbeschuldigten soll er gefilmt und Kinder missbraucht haben. Ein 48-Jähriger aus Stade in Niedersachsen soll Material bestellt und per Videoübertragung Missbrauch beobachtet haben.

30. Januar 2019: Polizei Lippe und Staatsanwaltschaft berichten in einer Pressekonferenz über den tausendfachen Missbrauch von Opfern im Alter zwischen 4 und 13 Jahren. Wegen der Dimension des Falles übernimmt die Polizei in Bielefeld die Ermittlungen. Weitere Beamte auch aus anderen Polizeipräsidien werden hinzugezogen.

Februar 2019: Die Staatsanwaltschaft Detmold ermittelt auch gegen Polizeibeamte und Mitarbeiter in Jugendämtern in Lippe und Hameln. Dabei geht es um die Frage, ob Hinweise missachtet wurden.

19. Februar: Der Landkreis Hameln stellt einen Mitarbeiter des Jugendamtes frei, der Akten manipuliert haben soll. In die Kritik geraten war das Jugendamt des Kreises Hameln, weil es den heutigen Hauptverdächtigen, der auf dem Campingplatz wohnte, als Pflegevater eingesetzt hat. Dies soll Wunsch der Kindesmutter gewesen sein.

22. Februar: NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) informiert über den Verlust eines Teils des Beweismaterials bei der Kreispolizei Lippe mit Sitz in Detmold. Aus einem Raum des Kriminalkommissariats seien ein Alukoffer und eine Hülle mit 155 Datenträgern verschwunden. Ob auf den CDs und DVDs mit insgesamt 0,7 Terabyte Datenvolumen auch kinderpornografisches Material war, sei nicht auszuschließen.

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