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Do., 14.03.2019

Innenausschuss des NRW-Landtags – 34 Opfer ermittelt – Ermittelnder Beamter nicht mehr im Dienst Zahl der Opfer in Missbrauchsfall Lügde gestiegen

Ein Polizeiauto steht auf dem Campingplatz Eichwald.

Ein Polizeiauto steht auf dem Campingplatz Eichwald. Foto: dpa

Von Hilmar Riemenschneider

Lügde/Düsseldorf (dpa). Der Missbrauchsfall von Lügde nimmt immer größere Dimensionen an. Inzwischen geht die Polizei von mindestens 34 Opfern aus, berichtete Innenminister Herbert Reul (CDU) am Donnerstag im Innenausschuss des Landtags.

Hinweise auf drei neue Opfer seien bestätigt. Bislang waren die Ermittler von mindestens 31 Opfern ausgegangen.

»Zu weiteren 14 Personen besteht eine Verdachtslage«, sagte Reul, das müsse noch abschließend geklärt werden. Mit diesen potenziellen Opfern stiege die Zahl auf 48. Von ihnen sind dem Minister zufolge 34 weiblich und 14 männlich. Die Ermittlungen richten sich inzwischen gegen sieben Verdächtige.

Zugleich reißt auch die Serie von Ermittlungspannen in der Kreispolizei Lippe nicht ab. So hat Reul den früheren Leiter der Ermittlungskommission »Camping« zum Missbrauchsfall von Lügde vorläufig suspendiert, nachdem gegen den zuletzt in Bad Salzuflen eingesetzten Kriminalkommissar wegen Strafvereitelung ermittelt wird. In einem anderen Sexualdelikt sollen ebenfalls Beweismittel verschwunden sein. Zudem werde ihm in zwei Fällen Verstrickungsbruch – die Beschädigung eines Siegels – vorgeworfen: In zwei von dem Beamten geführten Ermittlungsverfahren seien 2015 und 2016 ebenfalls Asservate nicht mehr auffindbar gewesen.

Pikant: Der jetzt suspendierte Beamte war auch Tutor jenes Kommissaranwärters, der die später verschwundenen Datenträger ausgewertet hat. Mit der Dienstenthebung des Beamten ging Reul über die Maßnahmen der Kreispolizei Lippe hinaus, deren Kripochef zwar Strafanzeige gestellt hat, die aber lediglich ein Disziplinarverfahren gegen den Mann eingeleitet hat.

Die aus den Detmolder Räumen der Polizei verschwundenen 155 Datenträger wurden nach Erkenntnissen des Sonderermittlers Ingo Wünsch offenbar absichtlich entfernt. Die Staatsanwaltschaft Detmold ermittelt jetzt gegen Unbekannt wegen Diebstahls.

Kommentare

Es wissen mit Sicherheit alle bescheid!

Ich bin felsenfest davon überzeugt, das ALLE, also auch die anderen Bewohner der "Behausungen" genauestens darüber bescheid wissen, was passiert ist. Wenn die Ermittlungen nicht in diese Richtungen ebenfalls ausgeweitet und forensisch durchgeführt werden, wäre das die nächste (wahrscheinlich absichtliche) Panne. Dieser Fall wird noch ungeahnte Ausmaße annehmen, über die noch niemand nachdenken will.

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