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Mi., 13.02.2019

Angeklagte aus Bad Oeynhausen wollten 45.000 Euro von Familie – Bewährungsstrafe Erpressungsversuch nach Mord in Hille

Das Herforder Amtsgericht: In Saal 309 wurden die Angeklagten wegen versuchter räuberischer Erpressung verurteilt. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig.

Das Herforder Amtsgericht: In Saal 309 wurden die Angeklagten wegen versuchter räuberischer Erpressung verurteilt. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Foto: Moritz Winde

Von Moritz Winde

Herford (WB). Sie wollten aus dem Verschwinden eines Menschen Kapital schlagen: Am Dienstag sind zwei mehrfach vorbestrafte Männer aus Bad Oeynhausen vom Herforder Schöffengericht zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Sie hatten versucht, die Familie eines Vermissten zu erpressen, ohne zu ahnen, dass dieser tot war. Er gehört zu den Hiller Mordopfern.

Die Geschichte spielt am 5. März 2018. Die beiden Angeklagten stoßen bei Facebook auf den Suchaufruf der Familie von Fadi S., von dem seit einem Tag jede Spur fehlt. Die 23-Jährigen hecken einen perfiden Plan aus oder wie Richterin Alea Blöbaum formuliert: »Es ist psychisch an krimineller Energie kaum zu übertreffen.«

Die Männer nehmen Kontakt zur Familie des Vermissten auf. Sie behaupten, Fadi S. sei in der Gewalt einer Gruppe von Albanern und werde nur freigelassen, wenn seine Schulden in Höhe von 45.000 Euro gezahlt würden – alles erfunden, um selbst finanziell von der Angelegenheit zu profitieren.

Nie mit dem Tod gedroht

»Sie hatten keine Kenntnis vom Tod des Fadi S.«, stellt Verteidiger Mario Prigge klar. Und sein Kollege Dr. Tobias Diedrich sagt: »Es war eine dämliche Idee. Die Jungs konnten nicht damit rechnet, dass er tatsächlich nicht wieder lebend auftaucht.« Die Leiche des 30-Jährigen wird Tage später von der Polizei auf einem Bauernhof in Hille gefunden.

Mordopfer Fadi S. wurde nur 30 Jahre alt. Foto: privat

Die Angeklagten – sie sind ehemalige Mitarbeiter eines Security-Dienstes – geben sich als Vermittler aus, die das Geld an die Entführer überbringen sollen. In einem Mitschnitt eines Telefongesprächs, das im Gerichtssaal verlesen wird, wird klar, wie sehr sie mit dem Hoffen und Bangen der Angehörigen spielen. Der ältere Bruder von Fadi S. fragt: »Ist er noch am Leben?« Daraufhin erwidert ein Angeklagter: »Ihr braucht Euch keine Sorgen zu machen. Ihm geht es gut. Das kannst Du Deiner Mutter sagen.«

Es kommt zwischen den Angeklagten und Familienmitgliedern von Fadi S. zu einem Treffen in einem Café im Bad Oeynhausener Shopping-Center Werre-Park. Die Familie von Fadi S. aber will nicht bezahlen ohne einen Nachweis, dass der 30-Jährige tatsächlich noch lebt. Die angeblichen Vermittler versprechen, diesen Nachweis zu erbringen – was sie natürlich nicht können. Einen Tag später stellen sich die jungen Männer der Polizei, weil ihnen offenbar die Sache zu heiß wird.

Kein Wort der Entschuldigung

Obwohl sie – anders als in der Anklage behauptet – der Familie niemals konkret mit dem Tode von Fadi S. drohen, werden sie wegen räuberischer Erpressung verurteilt.

Richterin Alea Blöbaum: »Sie haben vorgegeben, über ein Menschenleben zu verfügen und den Glauben aufrecht erhalten, dass die schlimmsten Befürchtungen eintreten können. Man konnte es gar nicht anders verstehen, als dass eine Gefahr für Leib und Leben besteht. Stellen Sie sich einmal die Qualen der Familie vor. Sie haben deren Angst ausgenutzt.«

Auch Verteidiger Tobias Diedrich räumt ein, jede Sekunde, die die Familie in Ungewissheit leben musste, sei eine Sekunde zu viel gewesen. Aus Angst vor Vergeltung und weil die Angeklagten massiv bedroht worden seien, seien sie zwischenzeitlich ins Ausland geflüchtet.

Das Herforder Schöffengericht verurteilt die Angeklagten letztlich zu einem Jahr und drei beziehungsweise sechs Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung. Außerdem müssen sie jede Menge Sozialstunden leisten und die Kosten des Verfahrens tragen. Ein Wort des Bedauerns oder der Entschuldigung äußern die jungen Männer übrigens nicht.

 

 

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