Fr., 25.01.2019

TBV-Trainer Florian Kehrmann zum WM-Debüt des Lemgoers Tim Suton »Ein perfekter Einstieg«

Bei seinem WM-Einstand im Trikot der Nationalmannschaft nicht aufzuhalten: der Lemgoer Tim Suton.

Bei seinem WM-Einstand im Trikot der Nationalmannschaft nicht aufzuhalten: der Lemgoer Tim Suton. Foto: imago

Lemgo/Hamburg (WB). TBV-Profi Tim Suton machte gegen Spanien bei seinem Kaltstart als Ersatz für den verletzten Ex-Lemgoer Martin Strobel einen guten Eindruck in der Handball-Nationalmannschaft. TBV-Trainer Florian Kehrmann, Weltmeister von 2007, sprach mit Sportredakteur Hans Peter Tipp über das WM-Debüt des 22 Jahren alten Spielmachers.

Was beurteilt der Heimtrainer in Lemgo das WM-Debüt von Tim Suton?

Florian Kehrmann: Für mich war es keine große Überraschung. Als Tim vor einem halben Jahr mit der Nationalmannschaft auf Japan-Reise war, habe ich mir erträumt, dass er so einen Weg gehen kann. Schön, wenn man das dann erlebt. Für Tim war es ein perfekter Einstieg. Er wurde ins kalte Wasser geworfen in einem Spiel, bei dem es nicht um alles ging, aber gegen einen sehr guten Gegner. Tim hat unglaublich routiniert und abgeklärt seine Leistung auf die Platte gebracht. Genau das wollte Christian Prokop von ihm, und das hat er ihm gegeben.

 

Was hat Tim Suton besonders gut gemacht?

Kehrmann: Es ist die Selbstverständlichkeit, mit der er aufgetreten ist. Wenn jemand 365 Tage im Jahr Handball mit dieser Konsequenz und diesem Einsatzwillen lebt, dann kriegt man das auch in einem Hauptrundenspiel einer WM hin. Was ihm noch zu Gute kommt: Tim hat als Jugend- und Juniorennationalspieler schon viele große Turniere gespielt – oft als jüngerer Jahrgang. Davon profitiert er natürlich.

 

Haben wir den Beginn einer großen internationalen Karriere gesehen?

Kehrmann: Davon zu sprechen, ist zu früh. Das sollte man auch nicht. Damit tut man dem Jungen keinen Gefallen. Er hat jetzt seine Rolle erfüllt. Weil ich ihn schon länger trainiere, weiß ich genau, wie seine Entwicklung ist. Ich glaube, da sind wir noch lange nicht am Ende. Wie weit es geht, hängt von vielen Faktoren ab. Aber bei Tim müssen wir uns keine Sorgen machen, dass er abhebt oder dass ihm das zu Kopf steigt. Er wird immer auf dem Boden der Tatsachen bleiben.

 

Wie schätzen Sie das Halbfinale gegen Norwegen ein?

Kehrmann: Entscheidend wird sein, wie das Team mit der Rolle umgeht. Wir werden erstmals in diesem Turnier in einem entscheidenden Spiel Favorit sein. Gegen Frankreich und Kroatien war es so: Wenn alles perfekt läuft, können wir es schaffen. Aber favorisiert waren wir nicht. Jetzt ist es das erste Mal anders. Ich bin aber der festen Überzeugung, dass wir Norwegen schlagen können.

 

Worauf kommt es an?

Kehrmann: Gegen Norwegen darf man nie nachlassen, auch wenn man mal mit drei, vier Toren führen sollte, muss man weiter konzentriert zu Ende spielen. Denn die Norweger lauern immer und sind in der Lage, mit ihrem Tempospiel einen solchen Rückstand schnell aufzuholen.

 

Und wenn alles gutgeht? Was passiert danach?

Kehrmann: Das wird eine ganz enge Kiste. Ich halte Deutschland, Dänemark und Frankreich schon für die stärksten Mannschaften des Turniers. Frankreich hat in der Vorrunde noch mit angezogener Handbremse gespielt, und jetzt, als es darauf ankam, immer die Gegner dominiert. Gegen Kroatien haben sie vielleicht nicht das Letzte gegeben, ein paar Kräfte geschont und das Spiel ein bisschen abgeschenkt. Individuell sind die Franzosen sicher am besten besetzt. Und die Dänen leben wie wir vom Heimvorteil und der Euphorie. Da kann alles passieren. Trotzdem: Die erste Aufgabe lautet Norwegen.

 

Wie wichtig ist es für den TBV Lemgo, dass mit Suton einer auf der Platte steht, wenn ganz Deutschland zuschaut?

Kehrmann: Das ist eine tolle Bestätigung unserer Arbeit. Wir schaffen es, mit unseren für die Bundesliga bescheideneren Mitteln einen Protagonisten der Handball-WM zu stellen. Dass wir Tim dahin gebracht haben, ist eine Leistung. Das gibt einem Bestätigung und macht Freude. Wir genießen erst einmal den Moment und dass wir einen dabei haben, während dass bei vielen Bundesligateams, die über uns stehen, nicht der Fall ist. Das macht uns so stolz. Man darf auch nicht vergessen, dass wir mit Hendrik Pekeler und Finn Lemke zwei von drei Innenblockspielern ausgebildet haben. Aber wo diese Jungs jetzt angekommen sind, steht auch dafür, welche Arbeit in Lemgo geleistet wird.

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