So., 23.06.2019

7:6, 6:1 gegen David Goffin: Schweizer holt in Halle seinen zehnten Titel Roger Federer Open

Roger Federer und sein Pokal.

Roger Federer und sein Pokal. Foto: Thomas F. Starke

Von Dirk Schuster

Halle (WB). Noch steht in den Sternen, wie das Rasentennisturnier im ostwestfälischen Halle im kommenden Jahr heißen wird. Turnierdirektor Ralf Weber ist noch auf der Suche nach dem passenden Namensgeber. Vielleicht sollte er es mal mit Roger Federer Open versuchen.

Zum zehnten Mal im 17. Anlauf hat der Maestro am Sonntag den Pokal in Halle gewonnen. Zehn Siege bei einem Turnier – das ist Federer noch nirgendwo anders auf der Welt gelungen. Auch darum ist sein insgesamt 102. Einzeltitel für ihn ein besonderer. »Das ist ein ganz spezieller Moment«, sagte der 37-Jährige: »Als ich 2003 hier das erste Mal stand, hätte ich nie gedacht, dass ich zehn Mal gewinnen würde.« Federer richtete sich ans Publikum: »Herzlichen Dank für alles!«

Einen Satz lang musste der Schweizer richtig ackern, im zweiten flogen ihm die Spielgewinne dann nur noch so zu.

Und Goffin? Nach dem 2:7 im Tiebreak des ersten Durchgangs und dem Break gegen ihn gleich zum Auftakt des zweiten war sein Widerstand im Grunde schon gebrochen. Der 28-Jährige fabrizierte drei Doppelfehler. Als das Spiel futsch war, flog sein Schläger.

Federer dagegen wurde immer sicherer. Als ihm ein unfreiwilliger Stopp, der Goffin erkennbar Nerven kostete, wenig später noch zum zweiten Break im zweiten Satz verhalf, war jedem auf dem ausverkauften Centre Court klar: In diesem Spiel kann es nur einen Sieger geben – Roger Federer.

Der Schweizer servierte anschließend zum 5:1. Federer war nun megalocker. Den Ballkindern nahm er die Arbeit ab. Der Weltranglistendritte sammelte die Filzkugeln ein, spielte sie den Mädchen und Jungen zu. Goffin fand nicht mehr zu seinem Spiel, am Ende hieß es 1:6 aus Sicht des wackeren Wallonen, der im ersten Durchgang doch so dicht dran gewesen war an einem Break. 2:2, 0:40 hieß es aus Sicht von Federer, als der gebürtige Baseler einmal mehr seine Nervenstärke ausspielte. Federer hielt den Aufschlag. »Roger war bei den wichtigen Punkten wieder einmal zur Stelle«, sagte Goffin.

Vollends zufrieden war er mit seinem Spiel aber nicht. Nach einem vermeidbaren Fehler beim Stand von 4:4 zeigte der Maestro einen seiner seltenen kleinen Gefühlsausbrüche. Nach 52 Minuten hatte er Durchgang eins dann aber in der Tasche.

Bis zum Start der Vorbereitung auf das Grand-Slam-Turnier in Wimbledon (1. bis 14. Juli) wolle der Champion nun »ein bisschen relaxen«. Der zweite Durchgang erweckte den Eindruck, als habe Federer am Sonntag in Halle schon mal damit angefangen.

Goffin trug die Niederlage mit Fassung. Laut der Spielerorganisation ATP wird er in der neuen, am Montag veröffentlichten Weltrangliste wieder unter die Top 25 aufrücken. Der Unterlegene meinte über Federer: »Er ist einfach unfassbar gut auf Gras – der beste Rasenspieler, den es je gegeben hat.« Ob das deutliche 1:6 vor allem »Kopfsache« gewesen sei, wurde Goffin gefragt. »Na ja, ein bisschen Talent war schon auch mit dabei«, lobte der Belgier seinen Bezwinger, der tags zuvor sein Halbfinale gegen den Franzosen Pierre-Hugues Herbert ebenfalls in zwei Sätzen gewonnen hatte (6:3, 6:3). Goffin hatte derweil etwas überraschend den Geheimfavoriten Matteo Berrettini (Italien) ausgeschaltet (7:6, 6:3).

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet gratulierte bei der Siegerehrung beiden Finalisten zu einem »beeindruckenden, hochklassigen Spiel«.

17 Mal ist Federer bislang in Halle angetreten, 13 Mal stand er im Endspiel, zehn Mal schnappte er sich den Pokal. Nebenbei durfte er sich über 500 Ranglistenpunkte und ein Preisgeld in Höhe von 429.955 Euro freuen. Goffin bleiben als Trostpreis immerhin noch stolze 300 Punkte und 215.940 Euro. Insgesamt war das 27. Haller Rasentennisturnier mit 2.081.830 Euro dotiert.

Stolze Summen – Federer allerdings versicherte, gar nicht genau zu wissen, »wie viel Geld der Sieger bekommt«. Ihm war es wichtiger, den zehnten Titel perfekt zu machen und seiner Rolle als Unterhalter gerecht zu werden: »Tennis ist auch Entertainment. Das war mir in den ersten Jahren meiner Karriere nicht so klar. Aber heute ist es sehr wichtig für mich, dass die Leute mit einem guten Gefühl nach Hause gehen.« Auftrag erfüllt.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6716153?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F6613939%2F6613941%2F