Sa., 24.11.2018

Jan Olly lag die ersten 15 Monate nach der Geburt im Krankenhaus Schwerer Start ins Leben

Lisa Schwiontek ist Jan Ollys Bezugspflegerin. Der mehrfach behinderte Junge aus Paderborn lebt im Wittekindshof in Bad Oeynhausen, weil er keine Familie hat, die sich um ihn kümmern könnte. Jan Olly war 15 Wochen zu früh auf die Welt gekommen.

Lisa Schwiontek ist Jan Ollys Bezugspflegerin. Der mehrfach behinderte Junge aus Paderborn lebt im Wittekindshof in Bad Oeynhausen, weil er keine Familie hat, die sich um ihn kümmern könnte. Jan Olly war 15 Wochen zu früh auf die Welt gekommen. Foto: Oliver Schwabe

Von Christian Althoff

Bad Oeynhausen(WB). Das Erste, was an Jan Olly auffällt, ist sein flacher Hinterkopf. Weil der Junge die ersten 15 Monate seines Lebens in der Kinderklinik Bethel auf dem Rücken liegen musste, konnte sich der Kopf nicht ausformen.

Jan Olly kam 2015 in Paderborn zur Welt – 15 Wochen zu früh und deshalb mit schweren Hirnblutungen. Er wurde in die Kinderklinik Bethel verlegt, wo er mehrfach operiert wurde und es lange Zeit um Leben und Tod ging. Doch der Junge kämpfte sich durch, wenn auch mit Mühe. Weil überschüssiges Hirnwasser nicht ablief, legten die Ärzte dem Baby unter der Haut einen dünnen Schlauch vom Kopf bis in den Bauch. Dieser Katheter sorgt bis heute dafür, dass Jan Ollys Hirndruck nicht gefährlich ansteigt.

Jugendamt übernimmt Obhut

Weihnachtsspendenaktion

Die Weihnachtsspendenaktion unterstützt in diesem Jahr geistig behinderte Jungen und Mädchen, die vom Wittekindshof Bad Oeynhausen betreut werden. Wenn Sie helfen möchten, nutzen Sie bitte das unten aufgeführte Konto.

Als der geistig behinderte Junge schließlich aus dem Krankenhaus entlassen wurde, war niemand von seiner Familie da, um ihn aufzunehmen. Schon kurz nach der Geburt hatte das Jugendamt Jan Olly in Obhut genommen, weil die Mutter psychisch krank ist, und andere Verwandte nicht in Sicht waren. Jan Ollys einzige Bezugsperson in den ersten 15 Lebensmonaten war eine Kinderkrankenschwester in Bethel, die den Jungen in ihr Herz geschlossen hatte. »Sie besucht Jan Olly regelmäßig«, sagt Lisa Schwiontek, die als Bezugspflegerin im Wittekindshof Bad Oeynhausen arbeitet.

Dort lebt der Junge heute. »Der Wittekindshof ist die einzige Einrichtung in Ostwestfalen-Lippe, die geistig behinderte Babys aufnimmt und eine Versorgung bis hin zur Beatmungspflege anbietet«, sagt Sprecherin Anke Marholdt. Deshalb habe das Paderborner Jugendamt den Jungen damals nach Bad Oeynhausen vermittelt.

Im Kindergarten mittendrin

Jan Olly sei ein Frühaufsteher, erzählt Lisa Schwiontek, die sich liebevoll und einfühlsam um den Jungen kümmert. »Um 6 Uhr macht er auf sich aufmerksam. Dann wird er gewaschen, gewindelt und noch einmal hingelegt, bevor es in den Kindergarten geht.« Gefrühstückt hat der Junge längst: Eine automatische Pumpe drückt ihm um 5 Uhr, um 13 Uhr und um 18 Uhr Fertignahrung durch eine Sonde in den Magen, denn Kauen und Schlucken bekommt Jan Olly nicht koordiniert.

Im Kindergarten »Spatzennest«, der behinderten Kindern und anderen offensteht, ist Jan Olly mittendrin, wenn gesungen, gebastelt und gemalt wird. An seiner Seite ist ständig eine Integrationshelferin, denn der Dreijährige kann nicht krabbeln, stehen oder gehen, sein Sehen ist eingeschränkt, er kann wegen einer leichten Lähmung nur mit Links greifen, und ob er etwas von dem versteht, was die Menschen um ihn herum sagen – wer weiß das schon?

Regelmäßig Besuch vom Vormund

Zwischendurch kommt Jan Olly in einen Stehtrainer – ein Rollgestell, auf dem er stehend angeschnallt wird, damit Knochen und Muskeln belastet und gestärkt werden. Auch Krankengymnastik und Sehförderung bekommt der Junge.

Mindestens einmal im Monat besucht Heike Jürgensmeyer das Kind. Sie gehört dem Betreuungsverein Bad Oeynhausen an und wurde vom Amtsgericht zum Vormund bestellt. Sie überzeugt sich, dass es dem Dreijährigen gut geht, und schreibt Anträge an die Krankenkasse oder Ämter. Sie tut das, was sonst Eltern tun. »Ich bin gerne bei Jan Olly«, sagt Heike Jürgensmeyer. »Er ist ein fröhliches, zufriedenes Kind.«

Aktionen von Spenden abhängig

Nicht alles, was ein Vormund beantragt, wird von den Kostenträgern übernommen. »Mal ein paar Tage in einer anderen Umgebung verbringen – das können unsere Kinder nur, wenn sich ein Spender findet«, sagt Matthias Mank, Bereichsleiter im Wittekindshof. So habe Möbelunternehmer Hermann Gärtner im letzten Jahr von Jan Ollys Schicksal erfahren und ihm eine Woche begleiteten Urlaub in Cuxhaven bezahlt. »Die langen Spazierfahrten mit dem Rollstuhl am Strand und das Spielen im Sand – das ist für die Kinder wirklich klasse.«

Der Tag endet für Jan Olly oft auf dem Schoß von Lisa Schwiontek. »Er kuschelt gerne, wenn ich ihm eine Geschichte vorlese oder ihm etwas vorsinge. Jan Olly entspannt sich, und dann geht’s ab ins Bett.« So wird es auch noch in vielen Jahren sein, denn Jan Ollys Zustand wird sich nicht mehr verbessern.

Hier geht es zur Themenseite unserer Weihnachtsspendenaktion.

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