Mi., 19.12.2018

Weihnachtsspendenaktion: Luis hat das Down-Syndrom und ist Epileptiker, aber nach einer drastischen Diät anfallsfrei Gewitter im Kopf

Luis kommuniziert mit dem Therapiepferd: Er sitzt im Rollstuhl, weil er sich sonst oft fallenlässt und nicht wieder aufsteht.

Luis kommuniziert mit dem Therapiepferd: Er sitzt im Rollstuhl, weil er sich sonst oft fallenlässt und nicht wieder aufsteht. Foto: Schwabe

Von Christian Althoff

Bad Oeynhausen (WB). Einmal in der Woche darf der dreizehnjährige Luis zum Reiten. Dann legt er sich wie ein Jockey aufs Pferd, krallt seine Hände in die Mähne des 28 Jahre alten Therapie-Trakehners »Larron Beau« und lacht laut, wenn Reittherapeutin Sylvia Niemeier das Pferd im Trab durch die Halle führt.

Luis kam im Juni 2005 mit dem Down-Syndrom zur Welt. »Kurz vor Weihnachten hatte er einen ersten epileptischen Anfall«, erzählt seine Mutter. Es war eine außergewöhnlich schwere Form der Epilepsie mit mehreren Anfällen am Tag, und in der Kinderklinik Bethel sagten die Ärzte, wenn man die Krämpfe nicht schnell unter Kontrolle bekäme, drohten schwere Schäden.

Dieser schlimmste Fall trat ein. Eineinhalb Jahre versuchten Ärzte, die Gewitter im Gehirn mit Medikamenten zu zähmen – ohne Erfolg. Das Gehirn nahm so großen Schaden, dass Luis seitdem schwerstbehindert ist und seit mehr als zehn Jahren im Wittekindshof lebt.

Alternative Therapien

Es scheint wie ein Wunder, dass Luis seit seinem fünften Lebensjahr keine epileptischen Anfälle mehr hat – ganz ohne Medikamente. Zu verdanken hat er das seiner Mutter. »Als damals nichts anschlug, habe ich mich über alternative Therapien informiert«, erzählt sie.

Die Spendenaktion

Die Weihnachtsspendenaktion unterstützt in diesem Jahr geistig behinderte Jungen und Mädchen, die vom Wittekindshof Bad Oeynhausen betreut werden. Wenn Sie helfen möchten, nutzen Sie bitte das unten aufgeführte Konto.

Gegen anfänglichen Widerstand der Ärzte habe sie erreicht, dass Luis ketogen ernährt wurde. Es handelt sich um eine Diät, die eine Umstellung des Energiestoffwechsels auslöst und bei Kindern die Häufigkeit epileptischer Anfälle senken kann. Das Essen ist kohlenhydratarm und enthält bis zu 90 Prozent Fett. Nudeln, Brot, Reis, Kartoffeln und Zucker sind tabu, Butter, fetter Fisch und Wurst erlaubt. »Ich habe Luis zum Beispiel Butter, Sahne und Leberwurst gemischt«, sagt die Mutter, und der Junge habe das ohne zu murren gegessen.

Nach Diät anfallsfrei

Später habe sie spezielle indus­trielle Pulver zu Brei verarbeitet. »In den ersten Monaten hatte Luis weiter schlimme Krampfanfälle. Dann fanden die Ärzte heraus, dass Magenschutztabletten, die er bekam, mit Zucker überzogen waren.« Sofort nach dem Austausch des Medikaments habe die Diät angeschlagen. »Luis hatte keine Anfälle mehr.« Im Wittekindshof wurde die aufwendige Diät noch drei Jahre fortgeführt und dann langsam beendet. Seit acht Jahren bekommt Luis normales Essen.

Heilerziehungspflegerin Carolin Meier: »Lachen, Weinen und seine Mimik sind die wesentlichen Möglichkeiten, mit denen Luis mitteilen kann, ob er zufrieden ist oder Hunger oder Schmerzen hat.« Er könne sich mit Spielzeug beschäftigen, sitze aber auch gerne auf dem Schoß von Mitarbeitern und schmuse.

Spenden finanzieren Reitstunden

In der Schule muss Luis Klötzchen durch ein Loch in einen Karton stecken. Das soll ihn auf eine Arbeit in einer Behindertenwerkstatt vorbereiten. Auch der Umgang mit anderen Menschen wird in der Schule geübt.

Reittherapeutin Sylvia Niemeier vom Wittekindshof führt den lachenden Luis auf dem 28 Jahre alten Therapiepferd durch die Halle. Foto: Schwabe

Höhepunkt ist aber die wöchentliche Reitstunde. Therapeut Michael Rahmöller: »Dann lebt Luis auf. Sein Gleichgewichtssinn wird geschult, und er entspannt sich. Durch den Umgang mit dem Pferd lernt er außerdem, Regeln zu beachten und Verantwortung zu übernehmen.« Der Unterhalt der speziell geschulten, ruhigen Pferde, die Reittherapie, die Pacht für die Halle – dafür kommt kein Kostenträger auf. »Wir bezahlen das alles mit Spenden«, sagt Theologin Anke Marholdt. »Deshalb sind wir für jeden Euro so dankbar.«

Um zu spenden, nutzen Sie bitte folgendes Konto:

Wittekindshof

DE 96 3506 0190 2108 3790 25

Zweck: Weihnachtsspende

Oder spenden Sie online: www.wittekindshof.de/Spenden

Hier geht es zur Themenseite unserer Weihnachtsspendenaktion.

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