Mo., 24.12.2018

Weihnachtsspendenaktion: Elli und Kurt Eilbracht sind 81 und kümmern sich um ihre behinderte Enkelin Auf Oma und Opa ist Verlass

Die Großeltern Elli und Kurt Eilbracht am Bett ihrer Enkelin Pia, die seit 16 Jahren im Wachkoma liegt.

Die Großeltern Elli und Kurt Eilbracht am Bett ihrer Enkelin Pia, die seit 16 Jahren im Wachkoma liegt. Foto: Oliver Schwabe

Von Christian Althoff

Bad Oeynhausen (WB). Pia war ein ganz normales Mädchen, das seine älteren Schwestern auch schon mal nervte. Bis es kurz vor seinem vierten Geburtstag einen Herzstillstand erlitt und nicht mehr aus dem Koma erwachte. Seit 16 Jahren lebt Pia jetzt schon in ihrer eigenen Welt.

Die Spendenaktion

Die Weihnachtsspendenaktion unterstützt in diesem Jahr geistig behinderte Jungen und Mädchen, die vom Wittekindshof Bad Oeynhausen betreut werden. Wenn Sie helfen möchten, nutzen Sie bitte das unten aufgeführte Konto.

Zweimal in der Woche besuchen Elli Eilbracht (81) und ihr Mann Kurt (81) ihre Enkelin im Wittekindshof Bad Oeynhausen. Jeden Mittwoch und jeden Sonntag. Dann machen sie es sich im Zimmer der 19-Jährigen gemütlich. Opa Kurt setzt sich aufs Sofa und schaltet auf seinem Handy den Internetsender »Radio Paloma« ein. »Die bringen nur deutsche Schlager. Ein tolles Programm!«, schwärmt der Senior, der seit 65 Jahren Tenorsaxophon bei der Freiwilligen Feuerwehr Werste spielt. Großmutter Elli setzt sich derweil ans Bett, streichelt Pia die Wange und spricht mit ihr. »Ich glaube, sie bekommt vieles mit. Wenn sie mich hört, lüllert sie und bewegt ihre Lippen, als wenn sie mit mir sprechen will.«

Delia Tiemann (31) denkt oft an die unbeschwerte Zeit mit ihrer zwölf Jahre jüngeren Schwester zurück. »Wir waren beide pferdeverrückt und haben trotz des Altersunterschieds viel Zeit zusammen verbracht. Auch auf dem Campingplatz in Extertal, wo unsere Großeltern einen Wohnwagen hatten. Alle Camper kannten Pia. Sie war ein richtiger Wirbelwind. Einmal hat sie mein Kratzbild zerstört, und ich war richtig sauer. Heute denke ich oft, sie dürfte alles kaputt machen, wenn sie doch nur wieder wach werden würde!«

Pias Mutter starb mit 49 Jahren

Pia war drei Jahre und zehn Monate alt, als sie 2002 wenige Tage vor Weihnachten einen Herzstillstand erlitt. Sie wurde mehrmals wiederbelebt und kam in die Kinderklinik Herford, wo eine schwere Lungenentzündung festgestellt wurde. Um den kleinen Körper zu schonen, legten Ärzte ihn in ein künstliches Koma. Doch nach Absetzen der Schlafmittel blieb Pia im Wachkoma – bis heute.

Pias alleinerziehende Mutter kümmerte sich fortan zu Hause in Löhne-Gohfeld um das schwerbehinderte, nunmehr blinde Mädchen – unterstützt von ihren beiden Töchtern und ihren Eltern Elli und Kurt Eilbracht, die nebenan eine Druckerei betrieben. Der 81-Jährige: »Unsere Tochter hat rund um die Uhr alles für Pia getan, und es war schlimm anzusehen, wie sie sich neben der Pflege ständig mit der damaligen Krankenkasse auseinandersetzen musste. Pias Billigwindeln waren zum Beispiel so dünn, dass die Kleidung bis zum Hals feucht war, wenn sie mittags aus dem Förderkindergarten nach Hause kam.«

Der zweite schwere Schicksalsschlag nach Pias Herzstillstand traf die Familie im Februar 2011, als Pias Mutter ins Krankenhaus musste. Um Pias Rund-um-die-Uhr-Versorgung sicherzustellen, brachten die beiden älteren Schwestern sie in den Wittekindshof – nur vorübergehend, wie sie glaubten. Doch Pias Mutter starb einen Monat später mit 49 Jahren.

»Ich lege mich zu ihr ins Bett, und wir kuscheln«

Pias Schwester Delia: »Wer ein Kind in den Wittekindshof gibt, braucht sich nicht zu schämen. Es war einfach unfassbar, wie meine Mutter sich aufgeopfert hat, um Pia gerecht zu werden. Mama hat sich zum Beispiel abends zum Schlafen aufs Sofa gelegt, weil sie Pia um 1.00 Uhr umlagern musste. Erst danach ist sie ins Bett gegangen. Als wir uns damals die Wohngruppe auf dem Wittekindshof angesehen und mit den Menschen gesprochen haben, wussten wir: Da müssen wir hin.«

Die 31 Jahre alte Schwester ist inzwischen vom Amtsgericht zur gesetzlichen Betreuerin bestellt und trifft Entscheidungen in Pias Namen, wenn das nötig sein sollte. Auch sie besucht Pia regelmäßig. »Ich mache es dann wie früher. Ich lege mich zu ihr ins Bett, und wir kuscheln. Ich spüre, dass sie das mag. «

Tagtäglich betreut und versorgt wird Pia im Wittekindshof von Kinderkrankenschwester Marina Hoge. »Marina gehört längst zur Familie«, sagt Kurt Eilbracht. Und vielleicht kennt sie Pia inzwischen wie kein anderer. »Pia spürt, wenn jemand bei ihr ist«, sagt die Kinderkrankenschwester. »Man muss dann mit ihr sprechen, damit sie weiß, dass es ein vertrauter Mensch ist und sie keine Angst zu haben braucht.«

Marina Hoge wäscht Pia morgens, sie windelt sie, sie sorgt für genügend Essen, das durch eine Magensonde gegeben wird, sie versorgt sie mit Medikamenten. Und wenn sie Pias lange, rotblonde Haare kämmt, merkt sie, dass das der 19-Jährigen nicht gefällt. »Es ist wie früher, als sich Pia zu Hause gegen das Haarewaschen und Kämmen wehrte«, sagt ihre Schwester und lacht.

Sauerstoffgehalt im Blut wird ständig gemessen

Pias Wirbelsäule hat sich im Laufe der Jahre verkrümmt und drückt auch auf die Lunge. Das Mädchen lebt immer in der Gefahr, eine neue Lungenentzündung zu bekommen, die für sie lebensgefährlich werden könnte. Deshalb wird der Sauerstoffgehalt in ihrem Blut ständig gemessen. Pia wird auch immer wieder anders hingelegt, um Wundliegen und Druckgeschwüre zu vermeiden. Es ist für sie entspannend, wenn sie einige Zeit außerhalb ihres Betts bäuchlings auf einem individuell angefertigten Liegekeil ruhen kann. Den hat Pia aber nur, weil der Wittekindshof ihn mit Spenden bezahlen konnte. Die Kinderkrankenschwester sagt, sie habe mehrfach einen Antrag und entsprechende medizinische Stellungnahmen an die Krankenkasse Gildemeister-Seidensticker geschickt, aber die habe die Kostenübernahme abgelehnt.

Die Besuche von Oma und Opa täten Pia gut, sagt Marina Hoge. Und auch die Großeltern sind überzeugt, dass ihre Enkelin trotz des Komas mitbekommt, wenn jemand an ihrem Bett sitzt. Kurt Eilbracht: »Unsere Enkelin lebt ohne Zeit in einer anderen Welt. Ich könnte weinen, dass sie mir nicht antworten kann, aber so ist das nun mal. Wir werden sie jedenfalls so lange besuchen, wie unsere Kräfte das zulassen.« Und zum Schluss eines jeden Besuchs, fügt Opa Kurt noch hinzu, »da beten wir mit Pia«.

Spendenkonto

Um zu spenden, nutzen Sie bitte folgendes Konto:

Wittekindshof

DE 96 3506 0190 2108 3790 25

Zweck: Weihnachtsspende

Oder spenden Sie online: www.wittekindshof.de/Spenden

Hier geht es zur Themenseite unserer Weihnachtsspendenaktion.

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