Sa., 30.11.2019

Weihnachtsspendenaktion des WESTFALEN-BLATTS: Nele war erst fünf Wochen alt, als ihr Herz operiert werden musste Schwerer Start ins Leben geglückt

Das Kuscheltier ist immer dabei: Dieses Foto haben die Eltern im September gemacht, nachdem Nele im Herzzentrum operiert worden war.

Das Kuscheltier ist immer dabei: Dieses Foto haben die Eltern im September gemacht, nachdem Nele im Herzzentrum operiert worden war.

Von Christian Althoff

Bad Oeynhausen (WB). Aufgeregt strampelt Nele in ihrem Bett und lächelt. „Sie hat alles gut weggesteckt“, sagt die Mutter und streichelt die Kleine. Nele war gerade fünf Wochen alt, als sie in Bad Oeynhausen am Herzen operiert werden musste.

Dass mit Neles Herzen etwas nicht stimmte, wussten die Eltern Stefanie Schulte (35) und Florian Lorenz (40) seit der 24. Schwangerschaftswoche. Eine Ultraschalluntersuchung hatte gezeigt, dass die linke Herzkammer zu klein und der Aortenbogen verengt war, zwei Herzklappen nicht richtig funktionierten und die Herzscheidewand Löcher hatte.

Sauerstofftherapie für Schwangere: Drei Wochen in Mannheim

„Ich glaube, jeder kann sich vorstellen, wie wir uns gefühlt haben“, sagt die Mutter. Sie erfuhr damals, dass der Fetalchirurg Prof. Thomas Kohl am Uniklinikum Mannheim eine Sauerstofftherapie für Schwangere anbietet, um das Wachstum solcher geschädigten kleinen Herzen anzuregen. „Es gab kein Risiko, und deshalb habe ich das in Absprache mit dem Herzzentrum gemacht“, sagt Stefanie Schulte.

Drei Wochen verbrachte sie in Mannheim, wo sie jeden Tag dreimal vier Stunden lang hoch dosierten Sauerstoff einatmete. Das führt nach den Erfahrungen von Prof. Kohl dazu, dass sich die Lungengefäße des ungeborenen Kindes erweitern, mehr Blut durchs Herz fließt und das Organ so zum Wachsen angeregt wird. „Auch Neles Herz hat auf diese Weise noch einmal einen Schub bekommen“, sagt die Mutter.

Auf der Intensivstation rund um die Uhr beobachtet

Als das Kind in der 36. Schwangerschaftswoche träge wurde, wollten die Ärzte kein Risiko eingehen. Die Familie, die im niedersächsischen Fürstenau lebt, fuhr zum Krankenhaus nach Bad Oeynhausen, wo am 16. August die Geburt eingeleitet wurde. „Aus dem Kreißsaal haben sie Nele sofort ins benachbarte Herzzentrum gebracht“, erzählt die Mutter.

Das Mädchen kam auf die Intensivstation und wurde in den folgenden Wochen rund um die Uhr beobachtet. Florian Lorenz: „Man wollte sehen, ob das Herz in der Lage ist, den kleinen Körper zu versorgen. Denn je später man operiert, desto besser.“ Tatsächlich sah es nach fünf Wochen so aus, als könnten die Eltern Nele erst mal mit nach Hause nehmen und dort weiter abwarten. Doch dann verschlechterte sich ihr Zustand, Beine und Arme wurden nicht mehr richtig durchblutet – eine Operation war nach Einschätzung von Prof. Peuster, Chef der Kinderkardiologie, und Prof. Sandica, Direktor der Kinderherzchirurgie, unausweichlich.

Zum Glück: Zimmer frei im Elternhaus

Zu diesem Zeitpunkt lebten die Eltern mit ihrem Sohn Mats (3) schon seit mehr als einem Monat  im McDonalds-Elternhaus unweit der Kinderherzklinik . Florian Lorenz: „Als wir wussten, dass Stefanie in Bad Oeynhausen entbinden würde und wir einige Wochen dort bleiben mussten, wollten wir uns eigentlich eine Ferienwohnung nehmen. Wir hatten zwar vom Elternhaus gehört, aber wir konnten uns nicht vorstellen, auf so viele andere Menschen zu treffen und mit ihnen eine Küche zu teilen.“ Sie hätten dann aber keine Wohnung gefunden und seien ins Elternhaus gezogen, wo glücklicherweise ein Zimmer freigewesen sei. „Heute wissen wir, dass es das Beste war, was uns passieren konnte. In einer Wohnung wäre uns einfach die Decke auf den Kopf gefallen.“

Der Vater, der damals gerade eine neue Stelle angetreten hatte, nahm sich vier Wochen unbezahlten Urlaub und hängte zwei Monate Elternzeit dran, um sich um den Sohn zu kümmern und bei seiner Familie zu sein. „Die Firma hat mir das sofort ermöglicht, wofür ich natürlich sehr dankbar bin.“

Bis abends an Neles Bett

Zwölf andere Familien seien im McDonalds-Haus gewesen, sagt Stefanie Schulte. „Den ersten Abend werden wir nie vergessen. Wir saßen mit allen anderen zusammen im Garten und haben zum ersten Mal seit langer Zeit wieder gelacht.“ Es sei eine Hilfe gewesen, andere Eltern mit einem ähnlichen Schicksal zu treffen. „Wir waren eine tolle Gemeinschaft, und zu einigen halten wir weiter Kontakt.“ Ein Höhepunkt seien die Donnerstagabende gewesen, wenn die ehrenamtlichen Helfer des Hauses gekocht hätten. „Leckerer als in jedem Restaurant!“, sagt Florian Lorenz.

Jeden Morgen verließ die Mutter das Elternhaus und setzte sich bis abends an Neles Bett. „Ich hatte Angst, dass sie sonst vielleicht keine Bindung zu mir aufbaut.“ Diese Tage seien sehr lang gewesen, sagt Stefanie Schulte. „Man kriegt auf einer Intensivstation mehr mit, als man möchte, und hat daran zu knabbern.“

Zehn Tage nach der OP nach Hause

Am 24. September wurde Neles walnussgroßes Herz operiert, mehrere Stunden lang. Prof. San­dica vergrößerte den Aortenbogen, rekonstruierte eine Herzklappe und nähte die Löcher in der Herzscheidewand zu. Schon zehn Tage danach durfte die Familie nach Hause. „Nele hat sich gut eingelebt und ist putzmunter“, sagt die Mutter. „Ich glaube, sie hat die schlimme Zeit vergessen.“

Spendenkonto

 Die WESTFALEN-BLATT-Weihnachtsspendenaktion 2019 unterstützt das Ronald-McDonald-Haus in Bad Oeynhausen. Dort können Familien herzkranker Kinder wohnen, während ihr Kind im Herzzentrum liegt.

Wenn Sie helfen möchten, spenden Sie bitte auf das Konto des McDonald-Elternhauses

DE16 4949 0070 0000 8803 00

Stichwort: Leserspende

Für eine Spendenquittung notieren Sie bitte Ihre Adresse auf dem Überweisungsträger. Spendernamen werden nicht veröffentlicht. Bei Fragen helfen wir Ihnen unter 0521/585254 und spende@westfalen-blatt. Mehr: www.mcdonalds-kinderhilfe.org/bad-oeynhausen/unser-haus/

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