Sa., 07.12.2019

Weihnachtsspendenaktion des WESTFALEN-BLATTS: Carolins Herzfehler blieb unentdeckt, bis sie ein Spenderherz brauchte „Das Atmen macht wieder Spaß“

Kinderkardiologe Dr. Edzard zu Knyphausen untersucht Carolin (19), die seit fast sieben Jahren mit einem Spenderherzen lebt.

Kinderkardiologe Dr. Edzard zu Knyphausen untersucht Carolin (19), die seit fast sieben Jahren mit einem Spenderherzen lebt. Foto: Christian Althoff

Von Christian Althoff

Bad Oeynhausen (WB). Es war ein paar Minuten vor ihrer mündlichen Abiturprüfung, als Carolin Foerster merkte, dass mit ihr etwas nicht stimmte. „Ich habe noch schnell aufgeschrieben, welche Medikamente ich nehme, und bin dann bewusstlos geworden.“

Wiedersehen: Elternhaus-Leiterin Stefanie Kruse sitzt mit Anja ­Foerster und ihrer Tochter Carolin in einem der Appartements. Foto: Althoff

Als Elfjährige immer schneller aus der Puste

Carolin war elf Jahre alt, als sie immer schneller aus der Puste war. „Das Treppensteigen fiel mir schwer, und an Sportunterricht war überhaupt nicht mehr zu denken“, erzählt die 19-Jährige, die aus Roetgen in der Eifel stammt. Ihre Mutter Anja Foerster sagt, sie sei damals mit ihrer Tochter ein halbes Jahr lang von einem Arzt zum nächsten gegangen. „Alle wollten mich beruhigen. Sie sagten, Carolin sei eben ein schwaches Kind, und ich musste mir anhören, ich sei hysterisch.“ Schließlich bestand die Mutter darauf, das Mädchen im Krankenhaus untersuchen zu lassen. „In der Uniklinik Aachen fanden sie heraus, dass mein Herz schwer geschädigt war“, sagt die 19-Jährige. Das Mädchen litt an einer restriktiven Myopathie – einer angeborenen Herzkrankheit, bei der sich Bindegewebe im Herzmuskelgewebe breitmacht und so die Pumpwirkung herabgesetzt wird.

Jede Anstrengung zu gefährlich

„In Aachen sagten sie, Carolin benötige ein  Spenderherz , und empfahlen uns das Herzentrum in Bad Oeynhausen“, erzählt die Mutter. Im Sommer 2012 kam Carolin Foerster auf die Warteliste für eine Organspende. Die Ärzte in Oeynhausen gaben ihr herzstärkende und blutdrucksenkende Medikamente und entließen das Mädchen nach Hause, wo es auf ein Spenderherz warten sollte. „Ich durfte nicht mehr zur Schule gehen. Ich musste den ganzen Tag im Rollstuhl sitzen, weil jede Anstrengung gefährlich war.“ Ein Schuljahr zu wiederholen kam für Carolin allerdings nicht in Frage. „Ich hatte so tolle Freundinnen in der Klasse, dass ich unbedingt dort bleiben wollte.“ Lehrer aus ihrer Schule unterrichteten sie deshalb zu Hause in Latein, Englisch und Mathematik. Und den Stoff der übrigen Fächer brachte sich das Mädchen selbst bei.

An ein „Berlin Heart“ angeschlossen

Doch nach einem halben Jahr half alles Schonen nicht mehr. Im Januar 2013 war Carolin so schwach, dass sie in Bad Oeynhausen an ein „Berlin Heart“ angeschlossen werden musste – eine waschmaschinengroße Pumpe, die mit Schläuchen durch die Bauchdecke hindurch mit dem kranken Herzen verbunden ist. Die Mutter: „Carolins Herz war so schwach, dass ihre Extremitäten nicht mehr durchblutet wurden und sie in der Embryostellung schlief, um sich zu wärmen.“

Carolins Vater blieb damals zu Hause bei der drei Jahre jüngeren Tochter, während die Mutter in Bad Oeynhausen ins  Ronald-McDonald-Elternhaus zog. „Eine ganz tolle Einrichtung“, sagt Anja Foerster. „Man kann sich in sein Zimmer zurückziehen, man kann sich aber auch mit anderen Eltern austauschen. Es war immer jemand da, mit dem man sprechen konnte. Und dann einmal in der Woche dieses tolle Frühstück, das die ehrenamtlichen Helfer zaubern....“

Ärztin rief: „Nichts mehr essen! Wir haben ein Herz ...“

Im Elternhaus lernte Anja Foer­ster auch  andere Eltern kennen, die für ihre Kinder auf ein Spenderherz warteten . „Eine seit 600 Tagen, die andere seit zweieinhalb Jahren.“ Deshalb sei es fast ein Wunder gewesen, dass Carolin noch keine Woche mit dem Kunstherzen gelebt habe, als eine Ärztin ins Patientenzimmer gestürzt sei und gerufen habe: „Nichts mehr essen! Wir haben ein Herz angeboten bekommen!“ Anja Foerster: „Da war es plötzlich ganz still im Raum. Es war der emotionalste Augenblick in meinem Leben. Wir wussten beide nicht, ob wir uns freuen oder Angst haben sollten. Eine Transplantation ist ja eine Riesen-OP. Da haben wir uns schon gefragt, ob das jetzt unsere letzten gemeinsamen Stunden sind.“

Die Operation glückte. „Es war unbeschreiblich! Ich spürte meine Finger und Zehen plötzlich wieder, und das Atmen hat wieder Spaß gemacht!" Mitschülerinnen schickten Karten, Kuscheltiere und Süßigkeiten ins Herzzentrum, und alles schien gut. Doch etwa sechs Tage später kam es zu einer Krise. Die Schülerin hatte schlimme Kopfschmerzen, die anfangs nicht ernst genug genommen wurden. „Dann stellte sich heraus, dass ich eine schwere Hirnblutung hatte. Meine linke Seite war gelähmt“, sagt Carolin Foerster. Ihre Mutter: „Damals sagte Carolin: ‚Warum hat der liebe Gott alle Kinder lieb, nur mich nicht?‘“ Das Mädchen wurde für einige Tage in die Neurochirurgie des Krankenhauses Minden verlegt und dort mit einer Operation gerettet.

Im März 2012 beginnt ein neues Leben

Im März 2012 durfte Carolin endlich nach Hause – und in ihre alte Klasse. „Mit dem neuen Herzen begann für mich ein neues Leben“, sagt die 19-Jährige. Alles lief gut – bis zur mündlichen Abiturprüfung im Juni dieses Jahres. „Nach meinem Zusammenbruch wurde ich in die Uniklinik Aachen gebracht. Dort sagten sie, mein EKG sehe nicht so gut aus.“

Aber drei Tage später war Abi­ball, und das Kleid hing zu Hause und wartete darauf, getragen zu werden. „Deshalb habe ich mich selbst aus dem Krankenhaus entlassen“, sagt Carolin Foerster und lacht. Ihre Mutter: „Als Eltern wird man natürlich fast wahnsinnig vor Sorge. Aber andererseits hatte Carolin so schwere Zeiten hinter sich, dass wir verstehen konnten, dass sie unbedingt zum Abi­ball wollte.“

Kontrolle in Bad Oeynhausen: Alles gut!

Alles ging gut, und die  19-Jährige ließ sich ein paar Tage nach der Feier im Herzzentrum untersuchen. „Mein Körper war dabei, das Spenderherz abzustoßen. Es gab Probleme mit den Medikamenten, die meine Immunabwehr herunterfahren sollten. Aber das haben die Ärzte in den Griff bekommen.“

Erst vor ein paar Tagen war Carolin Foerster wieder zur Kontrolle in Bad Oeynhausen. „Alles sieht gut aus“, sagte Kinderkardiologe Dr. Edzard zu Knyphausen. Carolin kann jetzt nach vorne schauen. Sie möchte Justizfachangestellte werden, und hatte schon einen Ausbildungsvertrag in der Tasche. „Aber dann kam die Abstoßung dazwischen.“ Jetzt nimmt die 19-Jährige einen zweiten Anlauf.

Spendenkonto

 Die WESTFALEN-BLATT-Weihnachtsspendenaktion 2019 unterstützt das Ronald-McDonald-Haus in Bad Oeynhausen. Dort können Familien herzkranker Kinder wohnen, während ihr Kind im Herzzentrum liegt.

Wenn Sie helfen möchten, spenden Sie bitte auf das Konto des McDonald-Elternhauses

DE16 4949 0070 0000 8803 00

Stichwort: Leserspende

Für eine Spendenquittung notieren Sie bitte Ihre Adresse auf dem Überweisungsträger. Spendernamen werden nicht veröffentlicht. Bei Fragen helfen wir Ihnen unter 0521/585254 und spende@westfalen-blatt. Mehr: www.mcdonalds-kinderhilfe.org/bad-oeynhausen/unser-haus/

Kommentare

Dr. zu Knyphausen

Hallo,
eine kleine Anmerkung: der Kinderkardiologe heißt Dr. zu Knyphausen, nicht Dr. von Knyphausen. Er hat auch mich eine lange Zeit begleitet. Der Artikel ist sehr interessant und es war schön ein Bild von meinem Kinderkardiologen in der Zeitung zu sehen. Ich werde auch für das Ronald-McDonald- Haus spenden, da ich weiß wie wichtig die Eltern in so einer schweren Zeit sind.

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