Di., 24.12.2019

Weihnachtsspendenaktion: Für das herzkranke Mädchen sah es oft nicht gut aus Lotta ist eine Kämpferin

Der Papa ist zur Arbeit: Simone Müller freut sich mit ihren Töchtern Lisa (15), Lotta (9) und Lena (13) auf Weihnachten.

Der Papa ist zur Arbeit: Simone Müller freut sich mit ihren Töchtern Lisa (15), Lotta (9) und Lena (13) auf Weihnachten. Foto: Christian Althoff

Von Christian Althoff

Bad Oeynhausen (WB). Das Wohnzimmer ist weihnachtlich geschmückt, und Simone Müller (44) sitzt mit ihren Töchtern Lisa (15), Lena (13) und Lotta (9) bei selbstgebackenem Kuchen am Esstisch. „Dass wir drei Kinder haben, ist ein Wunder“, sagt sie. „Niemand hat uns Hoffnung gemacht, dass Lotta es schaffen würde.“

Die Müllers leben im niedersächsischen Geeste. Die Mutter war mit der jüngsten Tochter in der 33. Woche schwanger, als bei dem ungeborenen Mädchen ein schwerer Herzfehler festgestellt wurde – das sogenannte Hypoplastische Rechtsherzsyndrom, eine Erkrankung mit mehreren Fehlbildungen und einer Unterentwicklung der rechten Herzkammer.

„Die Prognosen waren sehr schlecht“, erzählt die Mutter. Zur Entbindung sei sie deshalb auch nicht nach Bad Oeynhausen gegangen, wo sie nahe am NRW-Herzzentrum gewesen wäre. „Wir haben uns fürs Krankenhaus Meppen entschieden, damit Lisa und Lena ihr Schwesterchen wenigstens noch einmal sehen können, wenn es zum Schlimmsten kommen sollte“, sagt die Mutter.

„Sie ist meine Heldin!“

Doch Lotta war eine Kämpferin – obwohl sie nur 1720 Gramm wog, als sie am 3. August 2010, zehn Tage vor dem errechneten Termin, per Kaiserschnitt zur Welt kam. Anschließend wurde sie mit einem Hubschrauber nach Bad Oeynhausen geflogen. Simone Müller zog ins Ronald-McDonald-Elternhaus, das nur ein paar Gehminuten von der Kinderherzklinik entfernt liegt. Und ihr Mann Michael kümmerte sich in Geeste um die anderen beiden Töchter, die tagsüber im Kindergarten betreut wurden. „Jedes Wochenende kam er mit den beiden nach Bad Oeynhausen, so dass die Familie wenigstens ein paar Tage in der Woche zusammen war.”

Lotta lag auf der Intensivstation und wurde für die anstehende Operation aufgepäppelt. Sie war nicht einmal acht Wochen als, als Kinderherzchirurgin Dr. Ute Blanz einen ersten Eingriff an dem winzigen Herzen vornahm. „Man hat uns kaum Hoffnung gemacht, dass Lotta die OP überstehen würde, aber der Eingriff war ihre einzige Chance“, erzählt die Mutter. „Dass Dr. Blanz das geschafft hat, ist unglaublich. Sie ist meine Heldin!“

2014 zum dritten Mal operiert

Die Wochen nach der Operation waren schwierig. Immer wieder geriet das Baby in Krisen. Stefanie Kruse, die Leiterin des Elternhauses: „Ich erinnere mich noch gut, dass sich alle im Haus Riesensorgen um Lotta gemacht haben. Es sah wirklich nicht gut aus.“ Doch die kleine Kämpferin meisterte einen Rückschlag nach dem anderen. Sie wuchs heran und war mit acht Monaten stabil genug, um ein zweites Mal operiert zu werden.

Spendenkonto

Die WESTFALEN-BLATT-Weihnachtsspendenaktion 2019 unterstützt das Ronald-McDonald-Haus in Bad Oeynhausen. Dort können Familien herzkranker Kinder wohnen, während ihr Kind im Herzzentrum liegt.

Wenn Sie helfen möchten, spenden Sie bitte auf das Konto des McDonald-Elternhauses

DE16 4949 0070 0000 8803 00

Stichwort: Leserspende

Für eine Spendenquittung notieren Sie bitte Ihre Adresse auf dem Überweisungsträger. Spendernamen werden nicht veröffentlicht. Bei Fragen helfen wir Ihnen unter 0521/585254 und spende@westfalen-blatt.de

Doch als sei das kranke Herz nicht schon Belastung genug, erlitt das Mädchen nur vier Monate später eine Perforation des Dickdarms und schwebte erneut in Lebensgefahr. „Die Blutvergiftung hatte bereits begonnen“, sagt Simone Müller. „Es war dramatisch, aber die Ärzte im Krankenhaus Oldenburg haben Lotta gerettet.“

2014 wurde das Mädchen zum dritten Mal in Bad Oeynhausen am Herzen operiert. „Da war Lotta gut drei Jahre alt“, sagt die Mutter. Während der letzten beiden Operationen hätten auch die beiden älteren Schwestern mit im Elternhaus gewohnt. „Die lange Zeit, die wir um Lotta bangen mussten, hat unsere Familie noch mehr zusammengeschweißt. Und sie hat Lisa und Lena selbständiger gemacht.“

Erkrankungen nicht folglos geblieben

Das Mc-Donald-Elternhaus sei in dieser Zeit ein guter Ort gewesen. „Da wurde man aufgefangen, wenn man abends von einem schweren Tag im Krankenhaus kam oder nachts auf die Intensivstation gerufen wurde, weil es plötzlich wieder so schlecht aussah. Im Elternhaus war immer jemand, mit dem wir sprechen konnten.“

Ein Bild aus schweren Zeiten: Simone Müller mit Töchterchen Lotta in der NRW-Kinderherzklinik.

Die schweren Erkrankungen mit Begleiterscheinungen wie Lungenhochdruck und schlechten Sauerstoffwerten – sie sind nicht folgenlos geblieben. „Lotta kann sich nicht so gut konzentrieren und ist nicht sonderlich belastbar“, sagt die Mutter. „Zum Glück ist sie hier im Ort aber in einer sehr kleinen Klasse mit tollen Lehrern. Sie kümmern sich darum, dass Lotta mitkommt. Und sie hat eine tolle Freundin. Ein Wirbelwind, der Lotta mitreißt.“ Um ihr Herz zu kräftigen, macht die Neunjährige außerdem Sport: „Ich gehe zum Kindertanzen und freitags zum Schwimmen.“

Demnächst steht wieder ein Kontrolltermin in Bad Oeynhausen an, nachdem der letzte abgebrochen werden musste. „Lotta lag tapfer in der CT-Röhre. Aber nach einer Stunde hat sie Panik bekommen, und wir mussten sie rausholen.“ Die nächste Untersuchung soll deshalb per Katheter und in Narkose stattfinden. Simone Müller: „Wir nehmen alles, wie es kommt. Wir leben jetzt.“

www.westfalen-blatt.de/OWL/Weihnachtsspendenaktion-2019

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