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Mo., 15.09.2014

Fußball-Talkshow auf der Suche nach Erklärungen für das »Phänomen Paderborn« Breitenreiter spielt den Doppelpass

Moderator Jörg Wontorra begrüßte in André Breitenreiter den ersten SCP-Trainer im Doppelpass.

Moderator Jörg Wontorra begrüßte in André Breitenreiter den ersten SCP-Trainer im Doppelpass. Foto: Oliver Schwabe (Screenshot)

Von Matthias Reichstein

München/Paderborn (WB). Er kam erst spät zu Wort, dann aber ausführlich: Paderborns Trainer André Breitenreiter (40) hat Sonntagvormittag den Doppelpass über weite Strecken klug gespielt und die Fußball-Talkshow bei Sport 1 genutzt, das »Phänomen Paderborn« zu erklären.

Im Kempinski-Hotel Airport München waren die bekannt schlechten Rahmenbedingungen der Paderborner eines der Hauptthemen. Hier ließ auch der Coach kräftig Dampf ab: Kein Scouting, nicht mal drittklassige Trainingsbedingungen und die Umkleide in der Wohnung des Hausmeisters – das war auf die Spitze formuliert nicht falsch, Fußball-Deutschland muss eine Angst aber nicht haben: Auch in Paderborn räumt keine Familie ihr Wohnzimmer, damit sich der Erstliga-Kader auf das Training vorbereiten kann.

Trainingsbedingungen, Helmer und Bielefeld

Moderator Jörg Wontorra schlug hier ostwestfälische Hilfe vor und wollte Arminia-Aufsichtsrat und Studiogast Thomas Helmer bewegen, dem SCP zumindest im Winter ordentliche Platzbedingungen in Bielefeld zu bieten. »Er kennt die Rivalität nicht«, hielt sich Helmer zurück. Breitenreiter hatte auch Bedenken: »Das käme nicht so gut. Da werden mir dann nur schon wieder die Räder geklaut.«

Die Verpackung passt nicht, der Inhalt ist trotzdem erstklassig – die Fußball-Expertenrunde mit den beiden Europameistern Bernd Schuster und Helmer an der Spitze sah die »Provinz Paderborn« nicht nur als einen perfekten Nährboden für den Reifeprozess von Talenten, hier seien auch schon scheinbar Gescheiterte auf Kurs gekommen. Die Zweitliga-Torjäger Nick Proschwitz und Mahir Saglik oder aktuell Elias Kachunga wurden als Beispiele genannt. Das Trio rückte nach mehreren Anläufen bei anderen Klubs erst im SCP-Trikot in den Bundesliga-Blickpunkt.

Die Trainer-Talentschmiede

Viel Lob gab's auch für die Trainer-Talentschmiede und die Philosophie, frische und unverbrauchte Fußballlehrer wie Jos Luhukay, André Schubert, Roger Schmidt und jetzt André Breitenreiter auf die Bank zu setzen. Einen anderen Erklärungs-Ansatz für die Erfolgsstory lieferte Breitenreiter: »Meine Mannschaft ist gierig. Sie hat in der vergangenen Saison mehr trainiert und mehr Gas geben.« Und deshalb gab's auch diese Kampfansage: »Wir sind nicht aufgestiegen, um ein Jahr lang die Trikots zu tauschen.«

Wontorra: BVB-Filiale

Wontorra versuchte, das Erfolgsgeheimnis SCP mit dem Blick auf Borussia Dortmund zu lüften: Mit sechs Ehemaligen im Kader sei der Neuling eine BVB-Filiale. »Wenn Spielpraxis gebraucht wird, nehmen wir noch ein paar dazu«, scherzte Breitenreiter. So könne sein Klub zu einem Auffangbecken unzufriedener Spieler werden, wenn demnächst ein halbes Dutzend verletzter BVB-Stammkräfte zurückkäme.

Dämliche Satire

Sparen sollen hätte sich der Spartensender die Satire von Norman Solleder. Seine Beschreibung der Entwicklung von »Paderboring zu Partyborn« war dämlich.

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