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Mi., 18.03.2015

Neues Trainingszentrum kostet acht Millionen Euro – Entscheidung am 26. März im Rat Stadt will sich mit dem SCP die Baukosten teilen

So soll das neue Trainingszentrum des SC Paderborn aussehen. Das zweistöckige Vereinshaus baut die Paderborner Stadiongesellschaft. Der Fußball-Bundesligist wird Mieter. Das Multifunktionsgebäude wird in einen Profi- und Nachwuchsbereich unterteilt.

So soll das neue Trainingszentrum des SC Paderborn aussehen. Das zweistöckige Vereinshaus baut die Paderborner Stadiongesellschaft. Der Fußball-Bundesligist wird Mieter. Das Multifunktionsgebäude wird in einen Profi- und Nachwuchsbereich unterteilt.

Von Karl Pickhardt

Paderborn  (WB). Der Verhandlungspoker um den geplanten Bau eines Trainings- und Nachwuchsleistungszentrums für den Fußball-Bundesligisten SC Paderborn steht vor dem Durchbruch. Die Stadt will sich mit vier Millionen Euro beteiligen. Der Haupt- und Finanzausschuss hat gestern Abend diese Summe in den bis zu 25 Millionen Euro defizitären Etat eingebracht.

Nach monatelangen Verhandlungen zwischen Stadt, SCP und Stadiongesellschaft liegt ein Vertragswerk zum Bau der acht Millionen Euro teuren Anlage in der Nähe des Stadions und des Ahorn-Sportparks vor. Das Sportzentrum solle noch 2015 vollendet werden, sagt Bürgermeister Michael Dreier, der kürzlich nach Querelen mit SCP-Präsident Wilfried Finke eine Fertigstellung bis Silvester in Frage gestellt hatte (wir berichteten).

Bauherren des Trainingszentrums sind nach diesem Konzept, dem der SCP noch zustimmen müsste, sowohl Stadt als auch Stadiongesellschaft. Die Stadt Paderborn baut drei Rasenplätze und einen Kunstrasenplatz sowie eine Athletikfläche. Zwei Rasenplätze (davon eine mit Rasenheizung) sind den Profis vorbehalten. Der dritte Rasenplatz sowie der Kunstrasenplatz (mit Heizung) sind für die SCP-Amateurmannschaften sowie den SCP-Nachwuchs bestimmt. Die U 17 spielt in der Bundesliga. Die Stadt Paderborn baut außerdem ein Technikgebäude, Flutlicht- und Zaunanlagen.

Die Profiplätze verpachtet die Stadt für jährlich fast 130 000 Euro an den SC Paderborn, der sämtliche Unterhaltungs-, Pflege- und Energiekosten trägt. Der Pachtvertrag läuft 20 Jahre. Die Pacht soll die Investitionskosten für die Profiplätze in Höhe von etwa zwei Millionen Euro in zwei Jahrzehnten wieder in die Stadtkasse spülen. Die Stadt macht demzufolge mit der Pacht keinen Gewinn. Dies hatte zuletzt SCP-Präsident Wilfried Finke dem Bürgermeister vorgeworfen und daher eine Unterschrift zunächst verweigert. Offenbar ist dieser Streitpunkt mit der Senkung der Pachthöhe vom Tisch.

Nachwuchs- und Amateurplätze gehen auf das Konto der Kommune

Die beiden Plätze für Nachwuchs und Amateure gehen auf das Konto der Kommune, die auch andere Klubs im Stadtgebiet unterstützt. So verfügen TuRa Elsen, SV Marienloh oder SV Heide über jeweils drei Plätze, während der SCP ohne eigene Plätze mit seinen Jugend- und Amateurmannschaften auf sechs verschiedenen Sportanlagen spielt und trainiert. Für die Pflege der Amateurplätze bekommt der Bundesligist aus der Stadtkasse eine Vergütung.

Die Stadiongesellschaft kauft von der Stadt ein angrenzendes Grundstück und baut ein zweigeschossiges Sporthaus mit einer Gesamtfläche von 2600 Quadratmetern – unterteilt in einen Profi- und Nachwuchsbereich. Zu diesem Multifunktionsgebäude, das an den SCP vermietet wird, gehören Räume für Physiotherapie, Umkleiden, Krafttraining, Besprechungen und Büroräume für Betreuer und Trainer. Die Stadiongesellschaft baut auch 100 Parkplätze und Fahrradabstellplätze. Das Sporthaus ist über die neue Luise-Meitner-Straße erreichbar, die künftig die am Stadion entlangführende Paderborner Straße und die Ahornallee verbindet.

Beim Vertragswerk muss noch geprüft werden, ob es dem Beihilferecht der EU entspricht. Erst danach kann alles unterzeichnet werden. Die vier Millionen Euro aus der Stadtkasse bedürfen auch noch der Zustimmung des Stadtrates am 26. März bei der Verabschiedung des Haushaltes. Bürgermeister und CDU-Mehrheit machten dem SCP gestern Abend deutlich, dass es »kein Mehr« gebe und die vier Millionen Euro »absolute Schmerzgrenze« seien.

Kommentare

Aua, Aua, Auuaaa!

"Vorsätzlicher finanzieller Abusus" würde ich sagen und nicht "Schmerzgrenze". Und wer da Kunstrasen will, der will womöglich auch Wälder aus Plastik. Da kann man den Müll auch gleich auf die Straße werfen, verzeihung "verlegen", statt ihn in den gelben Säcken zu verpacken. Ein kunterbunter Kunstrasen eben. Wer regt sich da noch über Plastiktüten auf?

Wenigstens korrekte Zahlen nennen!

Ich frage mich natürlich, wie man darauf kommt, dass die Stadt nichts daran verdient.

Nochmal: die zwei Plätze für die Jugend ersetzen die sechs Plätze, die der SCP bisher nutzt. Das ist also Gewinn für die Stadt und alle anderen Vereine, da neue Plätze und Mangel nun kein Thema mehr sind. Die Stadt hätte sonst ohnehin bauen müssen.

Dazu nutzen andere Vereine nun die Plätze UND das Gebäude des SCP mit. Das Gebäude und 100 (!!!) Parkplätze baut der SCP - und darf das nicht mal exklusiv nutzen!

Und nun zum Gewinn der Stadt: die zwei Profiplätze für zwei Million Euro lässt sich die Stadt mit 130.000,- über 20 Jahre vergüten. Schnell im Kopf gerechnet sind das also 2,6 Million. 600.000,- würde ich durchaus als Gewinn bezeichnen!

Ja, man muss Europarecht beachten, auch wenn ich mit Blick auf andere Städte von klarer Wettbewerbsverzerrung spreche. Da sollten die Wettbewerbshüter dann auch mal nachschauen! Aber man muss die wahren Zahlen schon noch nennen! Und schließlich profitiert die Stadt und damit die Bürger nach wie vor von Steuern, Abgaben, Pachten, kommunalen Aufträgen, Arbeitsplätzen, Werbung, Tourismus, Attraktivität für Wirtschaft und Studenten etc. etc. unermesslich vom SCP, dessen Erfolg der Stadt schon etwas wert sein sollte!

Man darf schließlich auch nicht vergessen, dass Trainingsbedingungen auch Argumente für Trainer und Spieler sind, die man halten oder holen will! Dazu haben wir ja auch im Winter 12/13 erlebt, was passiert, wenn man nur eingeschränkt trainieren kann.

2 Kommentare

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