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Mo., 04.05.2015

Damit Paderborn vom Wunder Teil zwei träumen darf, muss der Trainer erst laut werden Die Rettung rückt näher

Die Entscheidung im Schwarzwald-Stadion: Lukas Rupp erzielt in der 80. Minute den Siegtreffer beim SC Freiburg.

Die Entscheidung im Schwarzwald-Stadion: Lukas Rupp erzielt in der 80. Minute den Siegtreffer beim SC Freiburg. Foto: Oliver Schwabe

Von Friedrich-Wilhelm Kröger

Freiburg (WB). Als es nach 94 Minuten endlich überstanden war, da sanken die meisten Spieler des SC Paderborn erschöpft und überglücklich zu Boden. Ostwestfalens Fußball-Wunder Teil zwei zeichnet sich ab: Nach dem 2:1 beim SC Freiburg hat der Aufsteiger den Bundesliga-Klassenerhalt dicht vor Augen.

Alle Komponenten, die es braucht, um drin zu bleiben, fügten sich auf einmal zusammen. »Spiel gedreht, auswärts gegen einen direkten Konkurrenten gewonnen, und das auch noch im Endspurt«, fasste Mittelfeldspieler Moritz Stoppelkamp die denkwürdigen Details zusammen.

Die Rettung ist zum Greifen nah, auch wenn die Sieger den Ball nach dem bahnbrechenden Erfolg im Breisgau lieber flach halten wollten. Allen voran der Trainer. »Das ist nur der erste Schritt«, sagte André Breitenreiter. »Das kann nächste Woche schon wieder ganz anders aussehen.« Sonntag kommt Wolfsburg, anschließend muss Paderborn zum FC Schalke 04. Nicht eben Aufgaben aus der leichteren Liga-Gewichtsklasse, und doch ist die Hoffnung, es tatsächlich schaffen zu können nun mindestens genauso groß wie nach dem formidablen Saisonstart.

»Das Kribbeln ist wieder da«

Da eilten die unbefangenen Neulinge wochenlang putzmunter von Punkt zu Punkt. Es kam ein Loch, das noch bis zur 70. Minute an diesem 31. Spieltag bis hinunter auf Platz 18 reichte. Doch schließlich erhob sich der SCP auf eine Weise, die Stoppelkamp an die Anfänge erinnerte: »Das Kribbeln ist wieder da.« Ausgelöst wohl zu einem erheblichen Teil vom Trainer. Nach einem ordentlichen Start hatte sich Paderborn vom Sport-Club so bedrängen und einschüchtern lassen, dass es ein außerordentlicher Segen war, zur Halbzeit nach einem Treffer von Nils Petersen nur 0:1 zurückzuliegen. Breitenreiter muss in der Kabine die Hutschnur geplatzt sein, so sehr hatte ihn die Leistung aufgeregt. Ohrenzeuge Stoppelkamp: »Der Trainer wurde etwas lauter. Lauter als sonst. Vielleicht musste das auch mal sein. Er hatte ja Recht.«

Zwar wollte Breitenreiter zur Phonstärke seiner Ansprache keine genaueren Angaben machen, »aber ich war heiser«. Worüber er entsetzt war, konnte auch jeder halbwegs begabte Hobby-Coach erkennen. Der SCP verteidigte großzügig auf Lücke. »Wir waren zweikampfschwach und haben Freiburg Räume gegeben«, maulte der Trainer über eine Phase, in der erst seine Spieler wackelten – und dann die Wände. Es sei »klar und deutlich angesprochen worden, dass wir so kein zweites Jahr in der Bundesliga erleben werden«. Breitenreiter brachte Jens Wemmer für Süleyman Koc und sollte 20 Minuten später einen zweiten Wechsel vornehmen, der sich als absoluter Volltreffer erwies. Lukas Rupp kam, sah und drehte die Dinge gekonnt zum Guten.

Davon konnte beim SC Freiburg längst nicht mehr die Rede sein. Mit Mike Frantz, Oliver Sorg und Torschütze Petersen musste Christian Streich zwischen der 34. und 71. Minute gleich drei Profis verletzt austauschen. Wie der Fußball-Lehrer soviel Pech auf einmal fand, kann sich jeder denken: »Wahnsinnig bitter.« Am Ende stand beim Schuss von Christian Günter auch noch der Pfosten im Weg. Und die Paderborner nahmen gern drei Punkte mit in die Chartermaschine, die auf dem kleinen Airport von Lahr auf sie wartete, um sie und ihre Beute sicher nach Hause zu fliegen.

Es hätte der Tag sein können, an dem der SCP fast schon aus der Bundesliga hätte fliegen können. Es wurde der Tag des Aufbäumens, der Kabinenpredigt, des Trainerhändchens, eines Jokers und einer Spielwende. Ein bisschen frohlockte Breitenreiter im Abstiegskampf daher doch: »Manche haben uns nicht einmal mehr für einen Kandidaten gehalten.«

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