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Sa., 28.11.2015

Nach 3:1-Führung muss die Effenberg-Elf froh über ein 4:4 gegen 1860 München sein Zitterpartie mit acht Toren

Paderborns Süleyman Koc im Zweikampf gegen Münchens Gary Kagelmacher.

Paderborns Süleyman Koc im Zweikampf gegen Münchens Gary Kagelmacher. Foto: Oliver Schwabe

Von Matthias Reichstein

Paderborn (WB). Der SC Paderborn steckt in der Ergebniskrise. In Überzahl kam die Elf von Trainer Stefan Effenberg am Nachmittag in der Benteler-Arena gegen den TSV 1860 München nicht über ein 4:4 (1:0). Das war das fünfte Pflichtspiel in Folge ohne Sieg.

Wie gewohnt hatte Trainer Stefan Effenberg seine Startelf wieder kräftig durcheinandergewirbelt. Für den gesperrten Marvin Bakalorz spielte Dominik Wydra. Neu ins Team kamen auch Michael Heinloth (für Khaled Narey), Mahir Saglik (für Kevin Stöger) und Srdjan Lakic. Paderborns Nummer 9 ersetzte Nick Proschitz, der heute 29 Jahre alt wird.

Die erste Chance zur Führung hatten die Gäste. Nach einem Eckball von Daniel Adlung kam Christopher Schindler (7.) frei zum Kopfball, doch Lukas Kruse im SCP-Kasten konnte den Ball mit einer Blitzreaktion noch um den Pfosten lenken. Richard Neudecker (7.) auf Seiten der 1860er und Michael Heinloth (10.) verfehlten in der Folgezeit mit ihren Distanzschüssen das Tor. Das machte Moritz Stoppelkamp (17.) aus kürzester Distanz sehr viel besser. Nach einer Flanke von Oliver Kirch konnte Vitus Eichler im Tor der Löwen den Lakic-Kopfball zwar abwehren, doch dann staubte Stoppelkamp ab und drückte den Ball aus zwei Metern zur 1:0-Führung über die Linie.

Die eine Chance gut genutzt

Vier Minuten später hätte Lakic auf 2:0 erhöhen können, sein Hackentrick nach einer Hereingabe von Süleyman Koc misslang aber. Danach wurde die Partie bis zur Pause immer schlechter. Torraumszenen gab es keine. Die Gäste fanden gar nicht zu ihrem Spiel, der SC Paderborn verwaltete nur die Führung. Zumindest in einem Punkt konnte Effenberg zufrieden sein: Seine Elf nutzte die eine richtig gute Chance konsequent.

Nach dem Wechsel gelang Paderborn ein Start nach Maß. Nach einem Eckball von Stoppelkamp (50.), den Niklas Hoheneder verlängerte, zwang Saglik den Münchner Schlussmann Eicher zunächst mit einem Fallrückzieher zu einer Glanztat, den Abpraller schnappte sich Hauke Wahl, der umkurvte noch Schindler und traf zum 2:0.

Paderborn spielte jetzt besser, hatte durch Koc (53.), Hoheneder (54.) und Brückner (55.) Möglichkeiten im Minutentakt. Doch dann überschlugen sich die Ereignisse.

Von der 57. Minute an wurde es turbulent

Erst verkürzten die Gäste in Person von Gary Kagelmacher (57.) auf 1:2, dann sah Neudecker (59.) nach einer Schwalbe die zweite gelbe Karte und musste mit Gelb-Rot vom Feld. In Überzahl schien die Partie gelaufen zu sein, zumal Mahir Saglik (60.) mit einem wunderschönen Distanzschuss aus 25 Metern auch noch auf 3:1 erhöhen konnte.

Doch die Löwen wurden nun bissig und schnappten weiter zu: Nach einer Flanke von Adlung schaute Wahl nur zu, Rubin Okotie (62.) köpfte und verkürzte auf 2:3. Doch es kam noch schlimmer, denn Okotie (73.) konnte für die nur noch mit neun Feldspielern agierenden Bayern auch noch zum 3:3 ausgleichen. Fejsal Mulic hatte zuvor Thomas Bertels den Ball abgeluchst, dann Hoheneder ausgespielt und schließlich für Okotie aufgelegt.

Damit war das Torfestival aber noch nicht beendet: Okotie (88.) gewann nach einem Ballverlust von Marcel Ndjeng auch das Laufduell gegen Hoheneder und schoss die Gäste mit 4:3 in Führung. Doch das Geburtstagskind konnte wenigstens einen Punkt retten. Der Kopfball von Nick Proschwitz in der Schlussminute nach Ndjeng-Flanke war der endgültige Schlusspuinkt einer turbulenten zweiten Hälfte.

Statistik

Paderborn: Kruse - Heinloth, Hoheneder, Wahl, Brückner - Kirch (53. Bertels), Wydra (62. Ndjeng) - Koc (78. Proschwitz), Saglik - Stoppelkamp - Lakic

1860 München: Eicher - Kagelmacher, Schindler, Yegenoglu, Neudecker - Degenek - Claasen, Adlung, Liendl (85. Mvibudulu), Vollmann (39. Mulic) - Okotie (89. Mugosa)

Schiedsrichter: Patrick Alt (Heusweiler)

Tore: 1:0 Stoppelkamp (17.), 2:0 Wahl (50.), 2:1 Kagelmacher (57.), 3:1 Saglik (60.), 3:2 Okotie (62.), 3:3 Okotie (73.), 3:4 Okotie, 4:4 Proschwitz (90.)

Gelbe Karten: Bertels, Brückner / Adlung, Degeneck, Mulic

Gelb-Rote Karte: Neudecker (59.)

Zuschauer: 10.225

Kommentare

Erfolg wird ausgewechselt und rausrotiert

Ich habe es oft am Beispiel BVB beschrieben: als die die meiste Kohle hatten (Börsengang) sind sie fast in die Insolvenz gegangen, weil sie unsinnige "Investitionen" tätigten. Als sie mit jungen, hungrigen Spielern arbeiteten, wurden sie 2x Deutscher Meister, Pokalsieger und standen im CL-Finale. Dann wurden wieder Geld rausgeworfen (Immobile & Co.) und man fand sich vor einem Jahr auf dem letzten Platz wieder. Dann hat man aber den Trainer behalten und die Wende geschafft!

Die Beispiele MSV (Pokalfinale mit zig Millionen Einnahmen, Größenwahn und Fast-Insolvenz) oder HSV (jedes Jahr unter den Top-Clubs bei "Investitionen" und jedes Jahr Relegation) sind ebenfalls gute Beispiele. Aachen (Europapokal und Fast-Insolvenz), Essen, Rostock, Osna etc. haben ähnlich dumm wie Unternehmensberater gehandelt, weil der Fußballsachverstand fehlte und nur "Investitionen" in Glasfassaden oder andere Dummheiten gesehen wurden!

Man darf mal schätzen, wie viele Unternehmen in Deutschland pleite gehen, obwohl sie Unternehmensberater im Haus haben, die mit tollen Modellen verbrannte Erde hinterlassen aber dafür kräftig abkassieren! Finger weg von solchen Schalatanen! Das sind Leute, für die es zum Steuerberater nicht gereicht hat.

Dass am Ende die Probleme psychologischer Natur sind und dass Fußball zu 50 % aus Psychologie besteht, habe ich schon vor Monaten gesagt. Aber da wurde ja noch weiß gemacht: teure Spieler und Trainerwechsel seien das Allheilmittel! Statt dessen geht es um Mannschaftsgefüge, Hierarchie, Disziplin und Wille! Und dafür braucht es Spieler von Wahl bis Baka statt Brückner, Proschwitz, Kirch oder Stöger!

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