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Mi., 27.04.2016

Paderborns Trainer René Müller über den Abstiegskrimi in der 2. Liga und die Chancen des SCP »Das könnte ein Bestseller werden«

Wo spielt der SC Paderborn in der neuen Saison? Bleibt er der Trainer? René Müller blickt in eine ungewisse Zukunft.

Wo spielt der SC Paderborn in der neuen Saison? Bleibt er der Trainer? René Müller blickt in eine ungewisse Zukunft. Foto: Besim Mazhiqi

Paderborn (WB). Noch drei Spieltage stehen in der 2. Bundesliga auf dem Programm und wäre die Saison jetzt beendet, würde der SC Paderborn zum zweiten Mal in Folge absteigen. Über die Aussichten im Kampf um den Ligaverbleib und die Folgen eines Abstiegs sprach Petermit Trainer René(41).

Herr Müller, wie groß war der Schock bei Ihnen, als Rubin Okotie den TSV 1860 München am Sonntag in der 87. Minute zum Sieg gegen Braunschweig schoss und der SCP zurück auf einen direkten Abstiegsplatz fiel?

René Müller: Ich habe das zur Kenntnis genommen. In der Endphase der Saison muss man einfach damit rechnen, dass Mannschaften in der unteren Tabellenregion verstärkt punkten. Jetzt ist es eben noch enger, als es ohnehin schon war. Respekt vor dem, der das Drehbuch zu diesem Abstiegskampf geschrieben hat. Dieser Krimi könnte ein Bestseller werden.

Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation im Abstiegskampf?

Müller: An unserer Ausgangslage hat sich nichts verändert, wir können es weiter aus eigener Kraft schaffen. Wir sind sehr gut beraten, auf uns zu schauen, denn auf alles andere haben wir keinen Einfluss. Wir haben noch drei Spiele und sind uns der Aufgabe bewusst. Wir werden alles, was uns zur Verfügung steht, reinwerfen.

Am Freitag kommt Tabellenführer SC Freiburg. Hätten Sie sich gewünscht, dass Freiburg bereits aufgestiegen ist und die Rückkehr in die 1. Liga nicht ausgerechnet in Paderborn klarmachen kann?

Müller: Auch darüber mache ich mir keine großartigen Gedanken. Ich kann mich noch an die Saison 1999/2000 erinnern, als wir mit dem VfL Bochum schon aufgestiegen waren und danach bei Hannover 96 noch ein sehr gutes Spiel gemacht haben. Vielleicht ist es sogar ein Vorteil für uns, dass Freiburg noch punkten muss. Sonst hätten sie vielleicht Spieler aufgeboten, die nicht so viele Einsätze hatten und die sich dann hätten beweisen wollen. Aber das ist alles Spekulation. Unabhängig von der Konstellation wissen wir, dass Freibug eine gute Mannschaft hat und wir eine gute Leistung brauchen, um erfolgreich zu sein.

Wie viele Punkte reichen zum Klassenerhalt?

Müller: Ich bin kein Freund davon zu rechnen, weil es nichts bringt. Restprogramm, direkte Duelle: Das alles kann man vorher nicht einschätzen. Es kann einfach zu viel passieren. Ich weiß nicht, wie meine Spieler denken, aber ich kann ihnen nur empfehlen, sich nicht damit zu beschäftigen. Erstens hilft es uns nicht weiter, zweitens kostet es Kraft und Energie. Könnte, wäre, hätte: Das sind mir zu viele Konjunktive. Ich vertraue lieber unseren Stärken. Wir müssen unseren Job machen, jeder muss für den anderen einstehen. Alles andere tritt in den Hintergrund. Wir werden so viele Punkte holen, wie wir benötigen.

Wären Sie als aktueller Tabellenvorletzter und in Anbetracht der Tatsache, wie turbulent die Saison für den SCP verlaufen ist, mit der Relegation zufrieden?

Müller: Fakt ist, dass wir jede Chance nutzen wollen, um die Klasse zu halten. Es ist alles möglich. Jetzt zu sagen, was am Ende rauskommt, ist unfassbar schwierig. Ich bin aber davon überzeugt, dass wir es sogar auf direktem Weg schaffen können. Unser Vorteil ist, dass wir die Drucksituation schon seit Wochen kennen und wissen, wie wir damit umgehen müssen. Für uns wäre die Relegation keine Strafe, sondern eine weitere Chance, um unser Ziel zu erreichen.

Ein Sieg in Heidenheim hätte zum ersten Mal in diesem Jahr den Sprung auf einen Nichtabstiegsplatz bedeutet. Dennoch haben Sie ohne zentralen Stürmer gespielt. Mahir Saglik blieb zuhause, Jakub Sylvestr hat unter Ihnen noch gar nicht gespielt, Niklas Helenius ist nach starkem Beginn auch nur noch Reservist und wurde am Samstag erst in der 90. Minute eingewechselt. Warum nicht mehr Risiko?

Müller: Weil ich immer das Gefühl hatte, dass eine Aktion möglich ist, mit der wir das Spiel für uns entscheiden können. Wir haben ja durch ein, zwei Korrekturen aus dem Spiel heraus das Risiko erhöht, nur nicht personell. Unsere Ausrichtung war mit drei Stürmern sehr offensiv. Wir hatten genügend Chancen und haben uns den Punkt sicher nicht ermauert. Und zum Stürmerthema allgemein muss ich sagen, dass es keine Entscheidung gegen Mahir, Jakub oder Nicklas war. Ich möchte diese drei überhaupt nicht negativ bewerten. In Frankfurt und Heidenheim waren wir der Meinung, dass die Mannschaft so am besten passt, das kann am Freitag gegen Freiburg schon wieder ganz anders aussehen. Entscheidend ist immer, dass wir die Position besetzen, nicht, wer es tut.

Die Liga steht noch nicht fest, der Trainer ebenso nicht wie der Sportliche Leiter, beim Abstieg wären nur noch drei Spieler vertraglich an den SCP gebunden. Wie sehen die Planungen für die neue Saison aus und wer treibt diese voran?

Müller: Ich stehe da in engem Austausch mit dem Präsidium. Beide Szenarien, sowohl Klassenerhalt als auch Abstieg, sind vorbereitet. Ich spreche mit Spielern, intern und extern, und bereite Vertragsgespräche vor. Die Details übernimmt das Präsidium, ich bin ja nicht in Doppelfunktion tätig.

Die Fans müssen sich also keine Sorgen machen, dass der SC Paderborn bei einem Abstieg das Fußballspielen einstellt?

Müller: Absolut nicht. Wir legen die Hände keinesfalls in den Schoß und haben schon seit längerem ein Konzept für die 3. Liga, auch wenn ich versuche, diesen Gedanken so weit wie möglich wegzuschieben. Weil wir nicht wissen, in welcher Liga wir in der neuen Saison spielen, sind die Planungen nicht einfach. Aber es ist nicht so, dass wir ideenlos, kopflos oder planlos sind.

In welcher Liga ist es wahrscheinlicher, dass Sie Trainer bleiben?

Müller: Diese Frage können andere besser beantworten. Ich habe Vertrag bis 2019, in welcher Funktion ich tätig sein werde, wird man sehen. Nach dem letzten Spiel werden wir uns an einen Tisch setzen, einen Strich unter die Saison ziehen und eine Entscheidung treffen. So ist es besprochen.

Was würde ein Abstieg auch für Ihre Funktion als Leiter des Nachwuchsleistungszentrums bedeuten? Es gibt beispielsweise das Gerücht, dass die U 23 bei Abstieg abgemeldet werden soll.

Müller: Dazu kann ich momentan nichts sagen. Das Einzige, was ich sagen kann, ist, dass bei einem Abstieg Einschnitte auf allen Ebenen gemacht werden müssen. Doch da ist noch vieles völlig unausgegoren, da kann ich nichts bestätigen oder ausschließen. Für den Nachwuchs gilt: Egal ob die Profis absteigen oder nicht, dass wir grundsätzlich unseren Weg weitergehen wollen.

Glauben Sie, dass Wilfried Finke Präsident bleibt und welche Folgen hätte sein Rücktritt?

Müller: Jeder weiß, was Wilfried Finke für den Verein geleistet hat und immer noch leistet. Ich kenne seine Gedanken diesbezüglich nicht, und diese Entscheidung kann nur er alleine treffen. Ein Kommentar dazu steht mir, egal was er macht, nicht zu.

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