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Di., 16.08.2016

Paderborns Kapitän Tim Sebastian vermisst jegliche Cleverness »Das ist A-Jugendfußball«

Der Kapitän geht voran: Tim Sebastian stellt sich auch in unangenehmen Zeiten.

Der Kapitän geht voran: Tim Sebastian stellt sich auch in unangenehmen Zeiten. Foto: Besim Mazhiqi

Paderborn  (WB). Das 1:2 gegen Werder Bremen II ist eine Niederlage mit Langzeitwirkung. Nach zwei Abstiegen in Folge geht für den SC Paderborn auch in Liga drei der Absturz ungebremst weiter. Mit Kapitän TimSebastiansprach MatthiasReichsteinüber das Spiel, die letzten Minuten und die angespannte Situation rund um das Team.

Herr Sebastian, wie bewerten Sie mit ein bisschen Abstand das 1:2 gegen die U23 von Werder?

Tim Sebastian: Was am Samstag in den letzten drei Minuten passiert ist, geht gar nicht. Das ist A-Jugendfußball. Wir verlieren leichtfertig die Bälle, wir verhindern die Flanken nicht, uns fehlt da auch jegliche Cleverness. Wir haben noch nicht mal versucht, Zeit zu schinden. Deshalb ist so ein Nackenschlag unfassbar und ganz bitter. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich so etwas schon einmal erlebt habe.

Was sagen Sie zur Entstehung des 1:2 und damit zum Foul von Torwart Lukas Kruse?

Sebastian: Ich habe die Szene gar nicht gesehen. Stürmer versuchen immer, Torhüter zu behindern, aber dass so herum gepfiffen wird, kenne ich nicht. Das habe ich dem Schiedsrichter auch noch auf dem Feld gesagt. Selbst wenn beide in der Szene aktiv waren, muss er im Zweifel für den Torwart und damit für uns entscheiden. Bitter ist auch, dass es der Schiri selbst nicht gesehen, sondern erst auf Hinweis seines Linienrichters reagiert hat. Und wenn der wegen so einer Szene in der 93. Minute panisch winkt, ist das für mich grenzwertig.

Die entscheidende Szene spielte sich erst nach dem Abschlag ab. Im Bericht von Schiedsrichter Guido Winkmann steht, dass sich die Wege von Kruse und Werders Rafael Kazior gekreuzt haben. Kruse habe den Bremer weggestoßen. Winkmann soll sich auch dahingehend geäußert haben, dass er noch Fingerspitzengefühl gezeigt habe, weil er Kruse nicht Rot gezeigt hat.

Sebastian: Rot? Für Wegschubsen die Rote Karte? So ein Blödsinn. Rot gibt es für grobes Foulspiel, für eine Tätlichkeit oder eine Notbremse. Aber nicht, wenn man seinen Gegner schubst. Aber noch einmal: Ich habe es nicht gesehen. Insgesamt war das, was wir in den letzten Minuten gespielt haben, fahrlässig. So kann man kein Spiel herschenken, und wenn so etwas passiert, dann darf man sich nicht wundern, wenn man mit drei Punkten nach vier Spielen endgültig im Tabellenkeller der 3. Liga angekommen ist.

Ab der 75. Minute kippte das Spiel. Werder machte Druck, der SCP ließ sich immer mehr in die eigene Hälfte drängen. Warum?

Sebastian: Gefährlich wird es immer, wenn der Gegner ungestört über Außen kommen kann und Flanken reinschlägt. Diese Ursachen müssen wir als Mannschaft intensiv bekämpfen, aber da waren wir viel zu passiv, und Passivität ist Gift für das Spiel. Das ist bei jeder Mannschaft so. Wir waren nicht mehr gallig, sind nicht mehr gegen den Ball gegangen, sondern sind nur noch zurückgewichen. Es war deshalb nur noch eine Frage der Zeit, bis was passiert.

Die Mannschaft hat, so sah es aus, wie aus dem Nichts völlig den Faden verloren.

Sebastian: Ich weiß nicht, ob es Angst vor der eigenen Courage war. Ich weiß, dass wir alle gekämpft haben. Aber irgendwann muss man das alles auch mit Köpfchen machen. Wir haben das eine Spiel von 20 oder noch mehr erwischt, das in drei Minuten total gegen den Baum gegangen ist. Da müssen wir jetzt auch nicht diskutieren, was 87 Minuten davor gut oder nicht gut war.

Wie steckt eine Mannschaft so einen Start weg?

Sebastian: Das wird ein langer Prozess und geht nur über Erfolgserlebnisse. Wir dürfen in Zukunft nicht mehr panisch und passiv werden, sondern müssen souveräner weiterspielen. Diese Souveränität bekommt man durch Sicherheit, die wir uns durch harte Arbeit im Training zurückholen müssen. Vielleicht sollten wir da mal simulieren, wie es ist, wenn man eine Führung verspielt. Oder wir müssen uns immer vorstellen, dass wir zurückliegen. Dann bleiben wir zwangsläufig aktiv, genau das hat uns am Samstag in der Schlussphase gefehlt.

Platz 18 am Ende in Liga eins, Platz 18 2016 in Liga zwei und jetzt schon wieder Platz 16 in Liga drei. Wie groß sind Ihre Sorgen nach diesem Fehlstart?

Sebastian: Nach vier Spielen mache ich mir noch keine Sorgen. Wir hatten die Chance, uns in eine sorgenfreie Tabellenregion abzusetzen und gleichzeitig Bremen auf Distanz zu halten. Das ist uns nicht gelungen, trotzdem ist noch alles ganz dicht beieinander. Das 1:2 gegen Werder sollte dennoch eine Warnung sein.

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