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Mi., 24.08.2016

SCP-Präsident Hornberger steht zum Trainer und erhöht das Risiko Alles auf Anfang

SCP-Trainer René Müller muntert am Spielfeldrand sein Team auf. Geholfen hat am Ende auch das nicht.

SCP-Trainer René Müller muntert am Spielfeldrand sein Team auf. Geholfen hat am Ende auch das nicht. Foto: Oliver Schwabe

Von Matthias Reichstein

Paderborn (WB). Am Dienstag war Präsident Martin Hornberger genau 100 Tage im Amt. Nach dem Stolper-Start in die neue Saison mit vier Niederlagen in fünf Pflichtspielen gab es für eine Gute-Laune-Stimmung beim Drittligisten SC Paderborn allerdings keinen Grund. ARD-Experte Mehmet Scholl beschrieb die Situation beim Ex-Erstligisten nach dem 1:2 im Pokal gegen den SV Sandhausen am Montagabend so: »Die Entwicklung in Paderborn wirkt trostlos und war nicht zu erwarten. Ich habe keinen Einblick, aber von Außen sieht es furchtbar aus.«

Hornberger war am dienstag bemüht, alles auf Anfang zu stellen. Das versuchte der 54-Jährige auch mit einem klaren Bekenntnis zum Trainer. Auf Nachfrage sagte Hornberger wörtlich: »Rene Müller arbeitet sehr engagiert. Ich sehe überhaupt keinen Grund, hier irgendetwas zu ändern.« Die 21 Abgänge und nur 14 Zugänge hätten seine Aufgabe zusätzlich erschwert, deshalb solle Müllers nur 17 gestandene Profis umfassender Mini-Kader verstärkt werden.

Die Neuen werden aus der 1. oder 2. Liga kommen, entweder ausgeliehen oder langfristig verpflichtet und sollen besonders das Offensivspiel verbessern. Regionalliga-Torschützenkönig Dino Medjedovic scheint das (noch) nicht zu schaffen. Müllers Urteil über den Ex-Wolfsburger ist deutlich: »Er ist ein klasse Fußballer, aber er muss mehr tun.«

Verstärkungen aus wirtschaftlichen Gründen nicht einfach

Nach dem verpassten Einzug in die 2. Runde wird eine Verstärkung des Aufgebots aber schon aus wirtschaftlichen Gründen nicht einfach. Die gerade für kleine Clubs sehr lukrative Geldquelle DFB-Pokal ist versiegt, Hornberger muss nun ins Risiko gehen. Ohne Details zu nennen, sagte er: »Wenn der Etat nicht reicht, müssen wir unsere wirtschaftliche Situation verbessern.« Das heißt im Umkehrschluss: Entweder gibt es für zusätzliche Transfers noch Gönner, die frisches Geld zur Verfügung stellen. Oder der SCP muss zum ersten Mal seit 2014 wieder einen Kredit aufnehmen.

Egal welchen Weg der Verein einschlägt, mit dem verstärkten Kader muss der Sinkflug gestoppt werden. Versprechungen gab’s schon viele, Müller sagt über seinen ersten Lösungsansatz: »Eigene Effizienz erhöhen, Standards besser verteidigen.« Das hätte am Montag gereicht. Der SCP ließ gegen Sandhausen erneut gute Möglichkeiten aus, das entscheidende 1:2 fiel nach einem Freistoß.

Über Schiedsrichter Martin Petersen (Stuttgart) wollten dagegen weder Hornberger noch Müller viele Worte verlieren. Der SCP-Chef meinte nur: »Der hatte nicht seinen Sonnentag, das hat jeder gesehen.« Etwas weiter holte Müller aus: »Fehlentscheidungen passieren im Fußball. Aber das darf kein Alibi für unser Pokal-Aus sein. Ich wünsche mir für die Zukunft nur ein bisschen Matchglück.« Das hatte der SCP in dieser Saison noch gar nicht.

Kommentare

falsche Analyse

Diese Analyse ist völlig falsch.

1. Mit jungen Trainer wie Roger Schmidt, Pavel Dotchev, André Schubert und Breitenreiter hatten wir maximalen Erfolg - auch in Zeiten von Umbrüchen!

2. Trainer Gellhaus war nicht einmal ein Drittel der Saison im Amt. Ihm den Abstieg anzulasten, ist wohlfeil.

3. Weder Gellhaus noch Müller sind unerfahren. Gellhaus ist seit fast 2 Jahrzehnten Trainer - auch im Profibereich. Müller war bereits zweimal Interimstrainer bei uns mit Erfolg und hat das NLZ optimal geführt.

SCP- Unbelehrbar?

Aus Fehlern lernen ist eine Binsenweisheit.Allerdings nicht beim SCP.Wohin es geführt hat,wenn es
versucht wird mit jungen unerfahrenen Trainer einen Umbruch zu meistern,hat im letzten Jahr zum
Abstieg geführt.Hier gehört ein erfahrener Fußballlehrer hin der mit so einem schwierigen Neuaufbau
umzugehen weiß.Sind die Verantwortlichen weiterhin so blauäugig ist der Abstieg kaum zu vermeiden.
Gegen Sandhausen war doch erkennbar woran es fehlt,keine Laufbereitschaft,kein System erkennbar
und nur mit langen Bällen kann man keine Abwehr in Verlegenheit bringen.

Müller muss bleiben

Dass ich von Trainerwechseln nichts halte, habe ich stets betont: den Spielern wird ein Alibi gegeben, ein Wechsel kostet Geld (das wir nicht haben) und der Markt muss eine bessere Lösung bieten.

Dazu reißt man immer das ein, was zuvor aufgebaut wurde. Ein Trainerwechsel kann ein Strohfeuer entfachen wie es bei Effe in den ersten beiden Spielen war. Mehr passiert MEISTENS nicht. Natürlich kann man auch immer einen Glücksgriff machen. Aber Personen werden da überbewertet. Kein Mensch/Trainer ist zu jeder Zeit und an jedem Ort gleich erfolgreich. Oft kann man ja doch nur immer wieder kurzfristig auf Situationen reagieren. Wer ist verletzt? Wer bietet sich im Training an? Wer hat den Kopf nicht frei? etc. etc.

Ein neuer Trainer muss zudem immer das Personal übernehmen, das andere ausgewählt haben.

Nein, Trainerwechsel gelten als das Allheilmittel, wenn man unter Druck ist. Aber manchmal ist Handeln schlimmer als Nichthandeln!

Der HSV hat es vorgemacht mit seinen jahrelangen Trainerwechseln bis zu 5x pro Jahr. Nur die bekommen eben notfalls von irgendwo her 30 Mio.€ und können sich das leisten.

Anders herum haben Bremen und Freiburg über Jahrzehnte bewiesen, dass Kontinuität zu den größten Erfolgen geführt hat.

Drei Trainerwechsel bei uns in 14 Monaten sind jedenfalls viel zu viel!!!

3 Kommentare

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