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Mi., 14.09.2016

Wilfried Finkes Analyse: Der SC Paderborn ist so nicht lebensfähig »Keiner weiß, wo der Verein hin will«

Ex-Präsident Wilfried Finke bricht sein Schweigen und analysiert die Situation: Der 65-Jährige sitzt als Sponsor noch mit einem siebenstelligen Betrag im SCP-Boot.

Ex-Präsident Wilfried Finke bricht sein Schweigen und analysiert die Situation: Der 65-Jährige sitzt als Sponsor noch mit einem siebenstelligen Betrag im SCP-Boot. Foto: Besim Mazhiqi

Von Matthias Reichstein

Paderborn (WB). Seit Paderborns Abstieg in die 3. Liga hat sich Wilfried Finke rar gemacht. Der Mann, der 19 Jahre lang die Politik des Vereins bestimmte und maßgeblich am sportlichen wie auch wirtschaftlichen Aufstieg beteiligt war, hat seit dem 15. Mai kein Spiel des SCP mehr vor Ort verfolgt.

Auch verbal hielt sich der 65-Jährige lange zurück. Jetzt meldet sich Ex-Präsident, der immer noch einer der größten SCP-Sponsoren ist, zurück. Der Anlass ist allerdings kein guter: Finke ist in größter Sorge. Zu neun Punkten bezog er nun Stellung.

Kein Stadionbesuch

Daran wird sich auch in den nächsten Monaten nichts ändern. Ich möchte den Akteuren, die jetzt die Geschicke des Vereins bestimmen, die entsprechenden Freiräume geben und nicht wieder alle Aufmerksamkeit auf mich lenken.

Der Saisonverlauf

Ein Tiefpunkt war schon das 0:3 in Magdeburg. Wenn man da mal die Vereinsbrille weglegt, muss man sagen: Da waren wir mehr als eine Klasse schlechter und mussten eigentlich 1:6 verlieren. Wir haben, so sehe ich das aus der Distanz, zurzeit ein Problem, dass viele Spieler augenscheinlich nicht an ihre Normalform kommen. Wenn man sich die aktuelle Tabelle anschaut, haben wir jetzt Glück gehabt, dass fast alle Teams unter uns auch verloren haben. Sonst könnten wir auf einem Abstiegsrang stehen. Deshalb kann ich mit dem Platz aber trotzdem nicht leben, auch wenn es im Moment noch so aussieht, als wenn wir eine Mannschaft im unteren Tabellenmittelfeld wären.

Die sportliche Entwicklung

Ich hatte schon zu Saisonbeginn Sorgen. Zum einen war das Geld knapp.  Zum anderen waren wir beim Austausch von Spielern nicht konsequent genug. Ich hätte noch mehr Profis nicht mit in die neue Saison genommen.  Deshalb hätte mein Drittligateam auch anders ausgesehen. Ich sehe in der Mannschaft viel zu wenig spielerisches Potenzial. Mir fehlt in unserem Mittelfeld die Spielmacherfigur. Wir haben viele Zerstörer, aber niemanden, der ein Spiel aufbauen kann. Ich sehe auch nicht die Profis, die den absoluten Siegeswillen verkörpern. Mir fehlt auch der Leader. Der könnte zum Beispiel ein Christian Strohdiek oder ein Tim Sebastian sein. Beide sind im Moment bei ihrer Fehlerhäufigkeit aber zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Diese Kritik steht mir zwar eigentlich gar nicht zu, aber ich möchte doch festhalten: Die aktuelle Situation stimmt mich sehr traurig und ich mache mir größte Sorgen um den SCP.

Das fehlende Saisonziel

Wir haben als Verein kein Saisonziel proklamiert. Keiner weiß, wo der Verein hin will. Wenn ich keine Ziele habe, komme ich da auch nicht hin.  Das ist eine alte Lebensregel und deshalb kann ich nicht bis zum 25. Spieltag damit warten. Die Leute wollen vielmehr sehen, dass jemand den Kopf aus dem Fenster hängt und klare Ziele formuliert. Auch wenn er sich dabei eine blutige Nase holt. Denn Fußball ist Spektakel.

Das Sponsoring

Von dem, was die Stadiongesellschaft tut, gebe ich immer 44 Prozent. Wir stellen dem Verein für die laufende Saison die Arena und das Trainingszentrum kostenlos zur Verfügung. Das hat ein Volumen von 750.000 Euro. Jetzt haben wir auch die beiden Neuzugänge finanziert. Mit meinem Unternehmen sitze ich ebenfalls noch als Sponsor im Boot, insgesamt bin ich daher nach wie vor mit einem siebenstelligen Betrag dabei. Zurzeit stecken wir mitten in der Meinungsbildung, was wir noch tun können, um wieder in die 2. Liga zu kommen. Allerdings sind wir aktuell von der 2. Liga so weit weg wie Mallorca vom Ski fahren. Da schwindet die Motivation.

Die 3. Liga

Da gibt es etwa 15 gleichwertige Mannschaften, drei werden in der Winterpause personell noch einmal erheblich nachlegen und am Ende aufsteigen. Ein technisch überragendes Team sehe ich nicht, wobei der MSV Duisburg schon sehr konstant punktet und seinen Weg gehen wird. Aber auch für den SCP dürfte diese Liga nur eine Momentaufnahme sein. Der Verein ist dort, so wie er jetzt mit der Arena und dem Trainingszentrum aufgestellt ist, auf Dauer nicht lebensfähig. Die 3. Liga ist wie ein großes Krankenlager. Und so ein Lager kostet täglich Geld.

Die eigenen Erwartungen

Die sind nicht hoch. Ich erwarte einen Platz zwischen zehn und zwölf, so wird die Saison auch zuende gehen und davon ist die Mannschaft auch nicht weit entfernt. Aber nach zwei Abstiegen in Folge wird das Paderborner Publikum so eine Platzierung nicht belohnen. Eine ausreichende Zuschauerzahl gibt es bei uns nur, wenn der SCP oben mitspielt.

Die Fans

Nach dem 3:1-Sieg über den FSV Mainz II war eine Stimmung im Stadion, als wenn wir den Europapokal gewonnen hätten. Die Bilder habe ich gesehen und daran sieht man auch, wie sensibel unsere Stammfans reagieren und wie eng sie auch am Verein dran sind. Das war ein tolles Signal und deshalb wäre ein Sieg am Sonntag gegen Kiel auch so wichtig gewesen. Das war mein Herzenswunsch. Auch, um den Drive nach dem Erfolg in Wiesbaden mit in die kommenden Spiele zu tragen. Jetzt steht eine weitere Niederlage und die war nicht einmal knapp, sondern hätte auch noch viel höher ausfallen können. Deshalb war das 1:3 für die Atmosphäre rund um den SCP eine Katastrophe.

Die Lösung

Die zu finden, ist im Moment nicht meine Aufgabe. Dafür haben wir ein Präsidium und einen Aufsichtsrat. Sie haben die Verantwortung und müssen nun Entscheidungen treffen, um den Hauptfinanzier, das ist die Paderborner Stadiongesellschaft, bei Laune zu halten.

Kommentare

Man muß wahrlich kein Profi sein, um zu dem Schluß zu kommen: Entweder man steigt schleunigst auf oder es folgt die Pleite.
Dementsprechend ist es eigentlich einfach: Entweder man ersetzt jetzt die unmotivierten und unfähigen Personen und schafft sich jemanden heran, der ganz schnell ausmistet. Oder man ignoriert weiter das Gebot der Stunde, spielt am Ende der Saison vor einer maximal dreistelligen Zahl an Zuschauern und darf zuschauen, wie ein Insolvenzverwalter die Schritte unternimmt, die man nun aus Faul- oder Feigheit, vielleicht auch Eitelkeit, nicht zu gehen bereit ist.

Das hat ja letztes Jahr super geklappt mit dem Ziel. Nur weil Funktionäre ein Ziel propagieren heißt das gar nichts. Die Mannschaft muss es wollen und das gemeinsame Ziel vor Augen haben, ansonsten passiert das gleich wie letztes Jahr. Breitenreiter hat es damals geschafft die Mannschaft dementsprechend zu motivieren.

2 Kommentare

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