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Sa., 17.09.2016

Paderborns Analyse vor dem Duell in Erfurt: »Das war Altherrenfußball« Scharfe Kritik des Kapitäns

Tim Sebastian geht voran: Paderborns Kapitän findet deutliche Worte und hofft auf Besserung in Erfurt.

Tim Sebastian geht voran: Paderborns Kapitän findet deutliche Worte und hofft auf Besserung in Erfurt. Foto: Besim Mazhiqi

Von Matthias Reichstein

Paderborn (WB). Beim Drittligisten SC Paderborn liegen die Nerven blank. Das belegen nicht zuletzt die Reaktionen nach der 1:3-Heimpleite gegen Holstein Kiel. Schnell helfen können nur sportliche Erfolge. Deshalb steht die Mannschaft am Samstag (14 Uhr, MDR) bei Rot-Weiß Erfurt noch mehr unter Druck.

Hoffnung macht die Fähigkeit zur Selbstkritik: Weder Trainer noch Spieler versuchen den Fehlstart mit zwei Siegen aus vier Spielen schönzureden. »Was wir bislang gezeigt haben, reicht nicht aus, um in der 3. Liga die Rolle zu spielen, die wir uns vorgenommen haben«, sagt der Trainer.

René Müller wehrt sich konsequent dagegen, Spieler auch öffentlich zu kritisieren. Intern hat es in dieser Woche dafür aber um so heftiger gekracht. »Wir haben alle Fehler analysiert und angesprochen. Das waren keine angenehmen Sitzungen«, verrät Tim Sebastian. Der Kapitän nennt keine Inhalte, wird aber trotzdem deutlich: »Was wir gegen Kiel geboten haben, war phasenweise Altherrenfußball.«

Das erinnert an Sebastians Kommentar nach dem 1:2 gegen Werder II. Die beiden Bremer Gegentore in den Schlussminuten führte er damals auf mangelnde Cleverness zurück und sagte: »Das ist A-Jugendfußball.«

»Immer einen Schritt zu spät«

Was sich zunächst wie Biertischkritik anhört, begründet Sebastian Punkt für Punkt sehr schlüssig: »Unser Kombinationsspiel gegen Kiel war nur Stückwerk. Wir haben unsere Angriffe nur inkonsequent vorgetragen. Wir waren immer einen Schritt zu spät. Unser Laufverhalten war oft traben, aber nie ein Sprint.«

Damit geht Sebastian einen Schritt weiter als sein Trainer. Der hatte nach dem zweiten verloreren Heimspiel zumindest für die Einstellung der Elf ein Lob übrig. Bei Sebastians Analyse der 90 Minuten fällt kein gutes Wort: »Die Art und Weise, wie wir Fußball gespielt haben, hat unsere Fans aufgebracht. Und das zurecht.«

Ziele nicht gefährdet

Doch Sebastian versucht auch neuen Optimismus zu verbreiten. Die augenblickliche Tendenz auf der Achterbahnfahrt des SCP sei bedenklich, aber noch seien die intern formulierten Ziele nicht gefährdet. »Wir haben in jedem Spiel gute Ansätze gezeigt, aber leider nie konstant über 90 Minuten«, sagt Sebastian. Der Abwehrchef will den Umkehrprozess nun Schritt für Schritt einleiten.

Der Auftritt im Steigerwaldstadion soll für eine starke Defensivleistung stehen: »Wir müssen endlich zu null spielen. Das ist ein ganz entscheidender Punkt, wenn man Erfolg haben will. Und der betrifft die gesamte Mannschaft.«

Das wäre ein Anfang und der Garant für mindestens einen Punkt. Ob der reicht, das nervöse Umfeld zu beruhigen? »Schwer zu sagen«, antwortet Sebastian und fügt hinzu: »Von den drei Absteigern hat Duisburg als Tabellenführer den Schritt von null auf 100 geschafft, Frankfurt hat als Letzter alles total vergeigt und wir stecken dazwischen.« Soll wohl heißen: Noch ist nichts verloren.

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