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Mo., 07.11.2016

SC Paderborn: unterschiedliche Reaktionen auf Müllers Fanattacke Ein Vorstand, zwei Meinungen

Leere Tribüne: Die Stimmung beim SC Paderborn ist bei Fans, Spielern, Trainer und Entscheidern im Keller.

Leere Tribüne: Die Stimmung beim SC Paderborn ist bei Fans, Spielern, Trainer und Entscheidern im Keller. Foto: Besim Mazhiqi

Von Matthias Reichstein

Paderborn (WB). Die Brandrede von Cheftrainer René Müller nach dem 0:0 gegen VfR Aalen bringt die Führungsspitze des Drittligisten SC Paderborn in arge Bedrängnis. Denn bei der Bewertung von Müllers zweieinhalbminütigem Monolog war sich das Präsidium am Tag danach nicht einig.

Spielanalyse, Verletzung von Kapitän Tim Sebastian und der vollzogene Fanboykott – die Themen der Pressekonferenz nach der Partie waren schon abgearbeitet, als Müller noch einmal das Wort ergriff und in ungewohnt scharfer Form die Fans angriff: »Ich habe Hochachtung und Respekt vor jedem einzelnen Fan, der sich vor der Saison ein Ticket kauft. Aber kein einziger Fan dieser Welt, egal ob in Madrid, in Mailand, in Aalen oder in Paderborn, kann die Arbeit eines Trainers bewerten. Geht nicht.«

SCP-Cheftrainer René Müller. Foto: Besim Mazhiqi

Einmal in Rage, legte der 42-Jährige noch nach: »Ich gehöre nicht zu der Gattung Mensch, die sich irgendwo hinstellt und sagt: So jetzt schlag mir mal mit der Faust links aufs Auge und wenn du Bock hast, dann schlägst du mir auch noch mal rechts aufs Auge.« Er sei zwar stolz und froh, bei diesem Verein arbeiten zu dürfen. Und so lange er das dürfe, würde er auch alles dafür tun. Aber Müller machte auch ganz deutlich: »Ich bin hier nicht der Prügelknabe für irgendwelche Sachen, die über zwei Jahre aufgebaut worden sind. Meine Aktien habe ich da auch drin, gar keine Frage. Aber irgendwann ist dann auch mal gut, dann platzt mir auch mal der Kragen. Ich kann es auch deutlicher sagen: Dann platzt mir auch mal der Arsch.«

»Alle wachgerüttelt« – »Keinen Gefallen getan«

Präsident Martin Hornberger fand Gefallen an der Wutrede seines leitenden Angestellten und beurteilte die so: »Er hat deutlich gezeigt, dass er nicht der brave, liebe und immer ruhige Jugendtrainer René ist. Mit dieser Rede hat er noch einmal alle wachgerüttelt und das war sein gutes Recht.« Hornbergers Vorstandskollege Ralf Hämmerling hat eine völlig andere Sicht auf die verbale Keule des Chefcoaches: »Das war nicht glücklich und das hilft uns in der Sache auch nicht weiter.« Der 59-Jährige schloss sogar personelle Konsequenzen nicht aus: »Man muss die aktuelle Situation jetzt noch schärfer betrachten als in den vergangenen Wochen. Es gibt bei uns eine Trainerdiskussion. Das macht schon unser Punktestand deutlich. Und mit dieser Rede hat sich unser Trainer sicher keinen Gefallen getan.« Konträr dazu steht die Aussage Hornbergers direkt nach der Partie: »Mir war vorher klar, dass René Müller auch nach dem Aalen-Spiel unser Trainer bleibt. Daran hat sich nichts geändert.«

Hämmerling will vakante Stelle des Managers neu besetzen

Vize-Präsident Hämmerling, der die Reaktion der Fans nachvollziehen kann, will in den kommenden Tagen Gespräche mit den Vorstandskollegen und dem Aufsichtsrat führen, der Ausgang sei aber völlig offen: »Es gibt noch nicht den Lösungsansatz.« Dabei verwies der Unternehmer auch auf die finanziell angespannte Lage. Die knapp eine Million Euro, die der SCP an das Finanzamt zahlen musste (Bericht vom 21. Oktober), sei erst für 2017 eingeplant gewesen. »Wir bewegen uns wirtschaftlich auf einem schmalen Grat und müssen Auflagen beachten. Ich möchte auf keinen Fall riskieren, dass uns irgendwann Punktabzüge drohen«, sagte Hämmerling. Der will aber auf jeden Fall wieder die seit März vakante Stelle des Managers neu besetzen: »Diese Position ist im Profifußball ein Muss. Das habe ich schon bei meinem Amtsantritt gesagt.«

Richtig sauer reagierte Ehrenpräsident Bernhard Temming (85) auf den Rundumschlag von Müller: »Das war eine Frechheit. Ich muss kein Training besuchen, um mir ein Urteil zu erlauben. Es reicht, wenn ich sehe, was auf dem Platz gezeigt wird.«

Kommentare

Ahnung vom Fußball

Da kann man dem Ehrenpräsidenten nur beipflichten.
Habe die Spiele gegen Chemnitz und Halle gesehen. Ausreichend für Eindrücke und um sich eine Meinung zu bilden.
Aber der breite Reiter meinte ja vor zwei Jahren auch mal sinngemäß, der Einzige im Stadion, der Ahnung habe, sei er selbst.
Solche Meinung kann Müller gerne in irgendeiner unteren Liga haben, wenn er dort Trainer ist. Dann kann er auch gerne auf diesem Niveau hinterher im Vereinsheim mit den Leuten diskutieren. Er wird dort aber auch auf eine andere Form des Widerspruchs treffen.

Endlich mal einer der Ahnung vom Fußball hat!!!
Richtig sauer reagierte Ehrenpräsident Bernhard Temming (85) auf den Rundumschlag von Müller: »Das war eine Frechheit. Ich muss kein Training besuchen, um mir ein Urteil zu erlauben. Es reicht, wenn ich sehe, was auf dem Platz gezeigt wird.«

2 Kommentare

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