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Mi., 08.03.2017

Drittligist SC Paderborn fehlen für die kommende Saison drei Millionen Euro Lizenz in Gefahr

SCP-Präsident Wilfried Finke während der Mitgliederversammlung des Fußball-Drittligisten.

SCP-Präsident Wilfried Finke während der Mitgliederversammlung des Fußball-Drittligisten. Foto: Besim Mazhiqi

Paderborn (WB/MR). Fußball-Drittligist SC Paderborn steht vor den schwersten Wochen seiner 110-Jährigen Geschichte.

Für die kommende Saison muss der Club nach WESTFALEN-BLATT-Informationen noch eine Liquiditätslücke in Höhe von drei Millionen Euro schließen. Sollte das dem Verein nicht bis zum 31. Mai gelingen, droht der Lizenzentzug.

»Unser Verein kann mit den geschaffenen Strukturen in der 3. Liga nicht überleben. Entweder wir verändern das, oder wir sind bald pleite«, hatte Präsident Wilfried Finke noch am Montag im Verlauf der Mitgliederversammlung deutlich gemacht.

Am Tag nach der Versammlung lehnte Paderborns Bürgermeister Michael Dreier (CDU) eine weitere finanzielle Unterstützung aus der Stadtkasse abgelehnt. Die Stadt habe bereits Millionen Euro investiert.

Lesen Sie mehr am Mittwoch, 8. März, im WESTFALEN-BLATT.

Kommentare

Frage der Lobby

Mit Blick auf die Facebookkommentare der heutigen Ausgabe des WV bin ich einigermaßen ratlos: "Der Verein ist Mitgliedersache. Geht den Steuerzahler nichts an." In der Aufstiegssaison 2014/15 waren gefühlt alle Paderborner Mitglieder dieses Vereins: wo sind die denn jetzt?
Die Frage, die sich stellt, ist, wie sich eine als Sportstadt beworbene ostwestfälische Provinzperle auch nach außen präsentieren möchte und da ist zu überlegen, ob die Kernsportart Fußball nicht auch zum Puzzle dazu gehört. Ein Puzzleteil übrigens, das vor allem im Nachwuchsbereich in den letzten zwei Jahren gute bis sehr gute Erfolge erzielt hat: Die U15 spielt seid dieser Saison in der Regionalliga West, die U17 kämpft noch immer um den Aufstieg in die Bundesliga mit, die U19 steht als Tabellenführer kurz davor. Hier wird Zukunftsarbeit geleistet - übrigens in enger Zusammenarbeit mit vielen Paderborner Schulen wie dem Reismann-Gymnasium, der Lise-Meitner-Realschule, der Helen-Weber-Schule oder dem Ludwig-Erhard-Berufskolleg...
Insofern sollte man den Vorstand, der sicherlich mehr als einen Fehler in den letzten 2 Jahren begangen hat, zumindest anhören. Neben finanziellen Zuschüssen gibt es nämlich auch andere Möglichkeiten (Schuldenerlass, Stundung der Pachten, Erlass der Parkplatzgebühren....), die die Zahlungsfähigkeit zunächst unterstützen könnten, ohne den Steuerzahler in hohem Maße zu belasten.

Einigkeit

Nachdem wir Paderborner und Bielefelder Fußballfreunde jahrelang um den fragwürdigen Titel "Nr. 1 in OWL" gestritten haben, sollten wir im Angesicht der eigenen Krise dazu übergehen, darüber zu streiten, welche Führungscrew sich in der Vergangenheit dämlicher angestellt hat.

Verplant

1. Eine Stadt kann die örtlichen Vereine unterstützen, sie muss es aber nicht. Breitensport wird man sicherlich eher unterstützen als Profisport, doch Ansprüche sollte kein Verein haben. Ein Stadion sollte also vom Sportverein selbst gebaut und unterhalten werden.
2. Ein Bebauungsplan ist ein Plan, der für viele Eigentümer und Anlieger erstellt wird. Wenn einem der Plan nicht gefällt, weil die eigenen Interessen nicht ausreichend Raum bekommen, dann bedeutet das noch lange nicht, dass dieser Bebauungsplan mangelhaft ist. Im Fall Paderborn war der Herr Finke wohl einfach etwas zu sehr von der ihm eigenen "Hoppla-jetzt-komm-ich-Mentalität" geprägt.
3.Wenn man ein Darlehen von der Stadt erhält, dann ist das regelmäßig mit Zinsen verbunden. Darin kann ich keinen Wettbewerbsnachteil für den SCP sehen.
4.Ein Zuschuss in die direkten Baukosten i.H.v. 3 Mio Euro aus städtischen Steuergeldern ist für mich auf jeden Fall eine große Leistung. Das sollte auch ein Chefplaner nicht leugnen.
5.Das neue Leistungszentrum wurde ebenfalls mit Millionenbeträgen von der Stadt errichtet. Miete muss gezahlt werden. Das ist natürlich geradezu empörend. Aber was, wenn wie jetzt, der Verein sein Geld ausgegeben hat? Dann wird eine Stundung oder Schenkung der Miete gefordert. Wo ist denn das große Geschäft für die Stadt? Die Gebäude und das Gelände müssen weiter unterhalten werden, selbst wenn der ruhmreiche SCP mit seiner großartigen Bundesligavergangenheit in der Regionalliga verschwindet - oder in der Insolvenz.
Lieber Chefplaner, all die von Ihnen genannten Punkte lassen mich lächeln. Noch vor wenigen Monaten tönte es aus Paderborn, dass "der SCP auf Jahre hinaus die Nummer 1 in OWL sein werde". Vertan, vertan sprach der Hahn.

Inkompetente Vereinsführung

Warum sollte die Stadt dem SCP jetzt Geld geben?
Warum sollte ein inkompetenter Vorstand und Aufsichtsrat jetzt mit dem Geld besser wirtschaften als letztes Jahr oder vorletztes Jahr?
Die Probleme beim SCP sind hausgemacht. Kredite kann die Stadt nur geben, wenn endlich mal Profis beim SCP planen und nicht die Finke GmbH regiert. Danach sieht es aktuell nicht aus.

Was hat die Stadt denn investiert?!

der SCP hat keine Lobby. Bis zum Aufstieg 2005 wurde über Jahre der Stadionneubau verhindert. Nach Jahren wurden mal obskure Machbarkeitsstudien gemacht (Uni, Inselbadstadion etc.), dann hatte man einen Standort. Daraufhin brachte man einfach mal den Ahornpark neu ins Spiel. Erst mit dem Aufstieg 2005 musste die Stadt überstürzt reagieren, was den mangelhaften Bebauungsplan nach sich zog. Der daraus resultierende Baustopp kostete den SCP bzw. der PSG 3 Mio. Euro!



Weiter resultierte eine Verteuerung des Projekts, weitere Parkplätze und B1-Abfahrten. Alles wegen des mangelhaften Bebauungsplans. Da kann der SCP nichts für, wenn nun gesagt wird, die Stadt habe doch so viel investieren müssen. Geschadet haben sie dem Verein in Wahrheit! Und viele Maßnahmen mussten sowieso gemacht werden, da man das Gewerbegebiet weiter erschließen wollte.



Aus dem Baustopp resultierte weiter, dass der SCP kostenlose Pendelbusse braucht. Wer verdient dran? Der städtische Padersprinter! Aus dem Baustopp resultierten kostenfreie Parkplätze. Wer verdient dran? Die Stadt kassiert Pacht! Das Stadion muss alle zwei Wochen gereinigt werden. Wer verdient dran? Der städtische ASP!



Das Darlehen zum Stadionbau war ebenfalls ein tolles Geschäft für die Stadt, da das Geld mit Zinsen zurück kam!



Den Zuschuss zum Stadion von gut 3 Mio. durch die Stadt als große Leistung darzustellen, ist absurd. Der SCP hat das HLS jahrelang umgebaut und saniert (Tribüne, Geschäftsstelle, Vorplatz, Kassen, Spielerbrücke, Zäune, Wellenbrecher, Flutlichmasten). Das alles hat der SCP schließlich der Stadt überlassen! Wegen der fehlenden Lobby durfte der SCP nämliche solche Maßnahmen in das Stadion des Eigentümers Stadt Paderborn alleine stemmen. Von der Stadt kam da nichts. Zum Schluss musste der SCP sogar die Zusatztribüne teuer mieten. Auch Ergebnis des von der Stadt zu verantwortenden Baustopps!



Dann die unendliche Geschichte des TNLZ. Nach Jahren abgelehnter Standorte durch die Stadt (Paderkampfbahn oder Stadion Nord) wurde endlich der Standort beschlossen. Bei den Kosten bekommt die Stadt ihre Investition verzinst zurück. Und zwar auf unendliche Zeit, denn sie bleibt im Besitz der Grundstücke, so dass auch nach 20 Jahren weiter geblecht werden muss! Andere Vereine dürfen dafür die Plätze mitnutzen. Den Unterhalt zahlt der SCP!



Es geht um ein paar hunderttausend Euro im Jahr, die den SCP auf Dauer entlasten würden. Es bedarf keiner Almosen. Aber Pachten für Stadiongelände, TNLZ oder Parkplätze sowie Abgaben an Padersprinter kann man ja entsprechend anpassen! Wenn man solche Fixkosten drücken kann, dann ist dem SCP geholfen. Nicht durch Lippenbekenntnisse in Reden!

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