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Di., 21.03.2017

Beim stark abstiegsbedrohten Drittligisten SCP wird nun der Teamgeist beschworen Paderborn sucht mehr Nähe

Es gibt beim SCP viel zu besprechen: Thomas Bertels (links) und Kapitän Tim Sebastian.

Es gibt beim SCP viel zu besprechen: Thomas Bertels (links) und Kapitän Tim Sebastian. Foto: Hannemann

Von Matthias Reichstein

Paderborn (WB). Der spielerische Offenbarungseid des Drittligisten SC Paderborn in Halbzeit zwei blieb ohne personelle Konsequenzen. Nach dem 0:2 gegen Jahn Regensburg und der sechsten Niederlage in Folge wird stattdessen die Einheit beschworen.

»Wir müssen zusammenstehen und alles dem einen Ziel unterordnen. Wir können den Klassenerhalt noch schaffen. Aber nur, wenn wir auch alle daran glauben. Sonst haben wir den Kampf schon verloren«, sagt Robin Krauße.

Des Trainers Erwartungen

Der defensive Mittelfeldspieler gehört auf dem Platz zu den Paderborner Arbeitern. Lauffreudig und zweikampfstark ist er, Krauße verkörpert aber nicht den Kreativspieler, der den öffnenden Pass spielen muss. Zu dieser Kategorie zählen Marcus Piossek, Christian Bickel oder Marc-Andre Kruska. »Von ihnen erwarte ich, dass sie auch mal den Ball durchstecken oder präzise Flanken schlagen«, sagt Trainer Stefan Emmerling und ergänzt: »Wir haben viel Erfahrung im Team. Wir haben viele Spieler, die 1. oder 2. Liga gespielt haben. Da können wir Trainer erwarten, dass unsere Pläne umgesetzt werden.«

Emmerling wurmt noch immer, dass seine Halbzeitansprache am Samstag offensichtlich völlig verpuffte. Praktisch mit Wiederanpfiff agierte seine Mannschaft planlos, hilflos und geriet stark unter Druck. Die zuhause ohnehin nicht erfolgsverwöhnten SCP-Fans sahen 45 Minuten, die noch mal einiges toppten, was an Negativem in der Benteler-Arena schon zu sehen war. Kommentare in verschiedenen sozialen Netzwerken, in denen der Mannschaft Absicht unterstellt wurde, kontert der neue Manager Markus Krösche so: »Das war keine gute Leistung, gar keine Frage. Aber kein Spieler spielt mit Absicht schlecht. Das darf man niemandem unterstellen.« Krösche haut öffentlich nicht drauf, auch er beschwört die Einheit und sucht mehr Nähe. Bereits am Samstag saß der Ex-Profi auf der Bank. In dieser Woche wird der 36-Jährige das Training beobachten und möchte möglichst viele Einzelgespräche führen: »Ich habe noch kein Gesamtbild von der aktuellen Situation. Das werde ich mir jetzt verschaffen.«

Gefährlich großer Rückstand

Dabei muss er auch versuchen, die Frage zu beantworten, warum zwar eine Mannschaft auf dem Platz steht, aber scheinbar kein Team. Verbal anzukündigen, noch enger zusammenstehen zu wollen, ist ja schon mal ein Anfang. Auf dem Rasen bietet sich nur ein anderes Bild. Klubboss Wilfried Finke fasste seine Beobachtungen so zusammen: »Wir haben zwar elf für die 3. Liga ausreichende Fußballer auf dem Platz, aber jeder macht für sich sein Spiel. Wenn ich die nur nach der Leistung fragen würde, wären fünf überzeugt, ein gutes Spiel gemacht zu haben. Verloren wurde nur, weil die anderen sechs schlecht waren. Das ist eine ganz gefährliche Tendenz.«

Gefährlich groß ist auch schon der Rückstand auf den rettenden 17. Platz: Der beträgt sechs Punkte, zählt man das schlechteste Torverhältnis (Minus 21) der gesamten Liga noch hinzu, sind es sogar schon sieben. Und das bei (nur) noch zehn Punktspielen.

Kommentare

Auf die Idee kommt man aber früh. Und ob sie nun mit Absicht unmotiviert über den Platz schlurfen oder ob es daran liegt, daß sie es tatsächlich nicht besser können: Warum werden solche Leute Woche für Woche aufgestellt? Mit Blick auf die minimale Hoffnung, nächste Saison doch noch Fußball oberhalb der Kreisliga erleben zu dürfen, sollte man doch auch vielleicht zumindest ein paar Spieler einsetzen, die nicht nach dem Abstieg das Weiter suchen werden - schlimmer können die Ergebnisse doch ohnehin nicht mehr werden.

Immerhin ist, wenn die Saison so weitergeht, in etwa drei Wochen der Spuk vorbei oder wird es dann heißen: Falls Münster alle verbleibenden sechs Spiele verliert, wir alle Spiele gewinnen und dabei 50 Tore mehr schießen, dann überholen wir sie noch?

Wird der Verein in dem Moment (oder zumindest in der darauffolgenden Woche, wenn man in Aalen verloren hat) direkt kollabieren oder wartet man dann immer noch bis zum magischen 20.5., an dem die Arbeit von drei Jahren gemäß Ankündigung ihre lang ersehnten Früchte tragen wird?

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