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Di., 08.05.2018

Paderborns Aufstiegsmannschaft weckt Begehrlichkeiten: Antwi-Adjei zum FSV Mainz? Krösche: »Kein Spieler ist unverkäuflich«

Ein Objekt der Begierde: Paderborns Stürmer Christopher Antwi-Adjei.

Ein Objekt der Begierde: Paderborns Stürmer Christopher Antwi-Adjei. Foto: Oliver Schwabe

Von Matthias Reichstein

Paderborn (WB). Verlässt Christopher Antwi-Adjei (24) nach nur einem Jahr schon wieder den SC Paderborn? Angeblich hat der schnelle Außenstürmer (35 Spiele, 7 Tore) bei einigen Erstligisten großes Interesse geweckt. Einer soll der FSV Mainz 05 sein.

Paderborns Manager Markus Krösche machte am Montag deutlich: »Bis jetzt liegt uns keine Anfrage vor. Für keinen unserer Spieler.« Das heißt aber nicht, dass Krösche nicht mit Angeboten rechnet. »Wir haben viele sehr interessante Spieler und die meisten Vereine beginnen jetzt erst mit ihren Planungen. Da kann noch viel passieren.«

SCP ist bei Personalplanungen schon sehr weit

Mit den fünf Neuzugängen Sebastian Vasiliadis (VfR Aalen), Klaus Gjasula (Hallescher FC), Tobias Schwede, Julius Düker (beide 1. FC Magdeburg) sowie Uwe Hünemeier (Brighton & Hove Albion) ist der SCP bei seinen Personalplanungen schon sehr weit, entsprechend entspannt blickt der 37-Jährige den kommenden Wochen entgegen: »Wir haben auch wichtige Verträge sehr früh verlängert, deshalb können wir in keine Drucksituation kommen.«

Grundsätzlich gehört der SC Paderborn mit seinem vergleichsweise bescheidenen 17 Millionen-Euro-Etat für den gesamten Verein zum unteren Drittel der 2. Liga und ist auf Transfererlöse angewiesen.

Unterschiedliche Typen machen Paderborner Spiel variabel

Deshalb will Krösche auch nichts ausschließen. »Niemand ist unersetzlich und damit unverkäuflich. Gute Leistungen wecken Begehrlichkeiten und wenn Spieler die Chance bekommen, sich sportlich und finanziell zu entwickeln, dann stehen wir als SC Paderborn auch in der Verantwortung, nicht alles kaputt zu machen.«

Das heißt im Umkehrschluss: Der SCP hört sich jedes Angebot an. Krösche sagt aber auch: »Am Ende muss es eine Lösung geben, die für alle Seiten Sinn macht. Für den Spieler, aber genauso für uns als abgebenden Verein.«

Deshalb wartet er völlig unaufgeregt auf die Dinge, die da kommen könnten. In Zusammenarbeit mit Trainer Steffen Baumgart ist es dem Ex-Profi zuletzt immer gelungen, gleiche Positionen mit unterschiedlichen Typen zu besetzen. Damit bleibt das SCP-Spiel variabel und das Team kann auf jede Situation taktisch reagieren.

Ein guter Beleg ist ein Blick in die Torschützenliste: 15 verschiedene SCP-Spieler trafen in dieser Saison bereits. Mit Phillip Tietz (6) auch einer, der erst im Winter als Nachfolger von Dennis Srbeny (für 1,5 Millionen Euro zu Norwich City) kam. »Wir versuchen auf alles vorbereitet zu sein«, sagt Krösche.

Finale am Pfingstmontag

Der SCP muss am Pfingstmontag (14.30 Uhr, Sportzentrum Pulverwald) seinen Titel als Westfalenpokalsieger verteidigen. Gegner ist Regionalliga-Absteiger TuS Erndtebrück. Die ARD überträgt den »Finaltag der Amateure« mit insgesamt 21 Endspielen von 12.15 Uhr an wieder live.

Kommentare

@Chefplaner

Nun, ich sehe es anders. Warum hat der Verein wohl in dieser Spielzeit einen so guten Schnitt?
Der Verein hatte schon immer ein gravierendes Defizit beim professionellen Marketing und der Fanbindung. Das hängt auch mit der Geschäftsführung zusammen.
Selbst Münster ist da weiter vorne! Die haben am letzten Heim-Spieltag super Aktionen für die Fans. Aber sei es drum, die Milchmädchenrechnung hat man die letzten Jahre auch nicht kapiert und letztes Jahr dann quasi als Wiedergutmachung Merchandise und Tickets quasi "rausgeworfen". Sieht so eine Strategie aus?

Die gleichen Management-Fehler werden wiederholt! Es ist als ob man ein Deja-vu hat.
Solange werden sich auch keine neuen sehr guten Sponsoren finden, denn vermögende Sponsoren wollen sich mit einem Verein genauso identifizieren können. Es gibt Leute beim SCP, die werden niemals verstehen, dass die Sponsoren-Akquise bereits bei den Stehplatz-Ticketpreisen anfängt. Und solange, wird der SCP weiterhin ein Image- und Sponsoren-Problem haben, also de facto ein Finanzproblem. Ein Bündnis wie in Bielefeld wird es daher auf absehbare Zeit nicht geben.

@Real_ Realist

Dass der deutsche Fußball europäisch nicht die absolute Klasse ist, liegt auch an Eintrittsgeldern, TV-Vermarktung bis hin zu 50+1. Das kann man wollen (15:30, "Fußball mus bezahlbar sein" und " Keine Scheichs"), man kann es aber auch ablehnen.

Im Vergleich sind alleine die Eintrittspreise laut spox.com im Schnitt von Werder Bremen (38,10 €) über Basel (40,90) sowie Juve (44,50) und Galatasary (64,20), Bayern (72,50), Real (73,80) bis hin zu Arsenal (97,80) international absolut gering. Und manche internationale Ligen davon haben nicht zwingend mehr als Zweitliganiveau.

Der SCP würde da mit geschätzt (Anteil Kartenkategorie, Ermäßigungen, Rabatte etc.) etwa bei 17,- € liegen, da wir das Glück haben, kein Sitzplatzstadion zu sein. Dazu kommt, dass an den meisten anderen Stadien Parkplatzgebühren erhoben werden. Auch die gute Lage des Stadions (gut von allen Stadtteilen mit Bus und Fahrrad zu erreichen) spricht dafür, dass der Zuschauer für sein Geld auch entsprechende Gegenleistungen bekommt (dazu gute Sicht etc.).

Wie gesagt: der Verein ist wirtschaftlich in jeder Liga unterlegen, da "Fans" zu viele Ausreden haben, weg zu bleiben (siehe Wehen: Party vorbei = nicht ausverkauft; gleichzeitig waren in Magdeburg 10000 mehr). Auch haben wir nicht die kommunale Unterstützung anderer Vereine. Und die Sponsorenlage ist ebenfalls nicht mit Karlsruhe aber erst recht nicht mit sämtlichen Zweitligisten außer Sandhausen oder Aue zu vergleichen.

Da bleiben nur noch Transfererlöse, indem man jedes Jahr 2-3 Spieler aus laufenden Verträgen abgibt. Sonst ist der wirtschaftliche Abnutzungskampf stets am Rande des vertretbaren Risikos nicht dauerhaft zu überleben! Das könnte dieses Jahr der HSV erleben. 1860 oder Aachen sind weitere Beispiele. Die Liste ist endlos!

Wirtschaftliche Vernunft - wie beim mit Abstand best geführtem Profiverein: Freiburg - ist die einzige Garantie auf Überleben und realistische Erfolgserlebnisse bei Sympathie, Attraktivität und Identifikationsgrad.

@Real_ Realist

Naja, mit der ersten Pokalrunde sollten sogar mehr als 2,5 Mio. möglich sein. Die Preissteiegrung in einer nun höheren Liga ist im Rahmen dessen, was zu erwarten war. Ich beteilige mich jedenfalls nun nicht an der alljährlichen Debatte um "gerechte" Preise. Das Thema langweilt mich nur noch. Es sind durchschnittliche Preise. Ob es jedem Einzelnen das Wert ist, muss jeder selbst für sich entscheiden. Ich zahle das gerne. Der Verein braucht jeden Euro. Und die Legende von "niedrige Preise = mehr Einnahmen" ist mehrfach widerlegt. Klar, sind volle Stadien an sich ein "Wert", aber wirtschaftlicher ist das sicher nicht, zumal netto an den Eintrittsgeldern ohnehin nur ein Bruchteil beim Verein ankommt.

Es ist so entschieden und die Kalkulation solcher Preise sind OBLIGATORISCHE GRUNDLAGE für die Lizensierung. Und ohne Lizenz gibt es eben erst gar keinen Fußball.

Naja, vielleicht kommen ja bald die ersten paar Hunderttausend, wenn Jimmy verkauft wird.

@chefplaner

Das mit den 2,5 Mio. Zuschauereinnahmen ist noch offen. Ich denke, es werden eher weniger aufgrund der Preissteigerungen.

17 Mio viel oder wenig?

Auch die 17 Mio. Euro sind eine Hausnummer, die wir in früheren Zweitligajahren (bis auf das letzte) nie hatten.

Bei geschätzt 7,5 Mio. Fernsehgeldern, wenn es gut läuft 2,5 Mio. Zuschauereinnahmen, hoffentlich 1-2 Mio. Transfererlösen und 5 Mio. Sponsorengeldern heißt das, dass weiter neue Schulden gemacht werden. Das geht nicht mehr lange gut...


Jetzt ist natürlich ein optimaler Zeitpunkt für die Ausgliederung der Profis in eine Kapitalgesellschaft. Das bringt einmalig ein paar Euronen. Die kann und muss man dann aber unbedingt zur Schuldentilgung verwenden.

Der Verein reitet auf einer Rasierklinge, die nur bei sportlichem Erfolg nicht zur Existenzbedrohung wird. trotzdem müssen wir mittelfristig anfangen, Gewinne zu erwirtschaften. Und das heißt, der Spielraum wird nicht größer...

5 Kommentare

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