Stefan Reddemann (38) macht Zweitliga-Spiele für Blinde erlebbar
SC Paderborn im Ohr

Paderborn (WB). Kaum ein Fan des SC Paderborn verfolgt die Partien in der Benteler-Arena so intensiv wie Stefan Reddemann. Der 38-Jährige hat bei den Heimspielen des Zweitligisten eine besondere Aufgabe: Er beschreibt für die blinden und sehbehinderten Fans das Geschehen auf dem Platz. Eine mitunter extrem anstrengende Aufgabe.

Freitag, 24.08.2018, 16:32 Uhr aktualisiert: 24.08.2018, 16:38 Uhr
Daniel Prior, Stefan Reddemann, Rainer Gaukstern und Sebastian Schulz (von links) beschreiben für die blinden und sehbehinderten Fans die Spiele des SC Paderborn. Auch in der gerade angelaufenen Spielzeit sind sie am Mikrofon. Foto: Sportpictures
Daniel Prior, Stefan Reddemann, Rainer Gaukstern und Sebastian Schulz (von links) beschreiben für die blinden und sehbehinderten Fans die Spiele des SC Paderborn. Auch in der gerade angelaufenen Spielzeit sind sie am Mikrofon. Foto: Sportpictures

Reddemann ist Teil eines vierköpfigen Teams, das sich dieser Herausforderung angenommen hat. Sie versprachlichen das, was sie auf dem Platz sehen – und zwar so detailliert, dass auch Fans, die von Geburt an nicht oder nur bedingt sehen können, eine Vorstellung vom Spiel bekommen.

Verein von der Idee begeistert

2008 hatte Daniel Prior das Projekt gegründet. Er hatte erfahren, dass Sehbehinderten beim FC Bayern solche Sehbehindertenreportagen angeboten werden. Beim SCP gab es das bis dato aber noch nicht. Der Verein war von der Idee begeistert, seither sitzen die Hobby-Reporter in der Regel im Zweier-Team auf der Pressetribüne – organisiert von der Fanbetreuung. Über ihre Mikrofone beschreiben sie das Spiel direkt in die Kopfhörer der Blinden und Sehbehinderten.

Seit 2013 ist auch Stefan Reddemann dabei. Prior hatte ihn damals zunächst als Begleiter für die Behinderten mit ins Stadion genommen und ihm das Team vorgestellt. Er war von deren Arbeit sofort begeistert. Heute sitzt er mit auf der Pressetribüne.

Früher Kreisliga-A-Fußballer

Der Hauptfeldwebel der Reserve, der heute als Verwaltungsbeamter der Stadt Paderborn bei der Feuerwehr tätig ist, bringt viel eigene Fußballerfahrung mit. In der Kreisliga A im Kreis Höxter war er jahrelang für den SV Lütgeneder und den FC Germete-Wormeln selber am Ball.

Die besondere Form der Audiodeskription war von Beginn an sein Ding. Und es sei jedes Mal eine neue Herausforderung. Denn für seine Zuhörer mit Handicap müssen er und seine Kollegen einige Besonderheiten beachten: »Wichtig ist immer, dass man sehr genau beschreibt, wo sich der Ball befindet. Hintergrundinformationen, wie sie bei TV-Übertragungen eingestreut werden, kann man im Grunde nur geben, wenn das Spiel unterbrochen oder Halbzeitpause ist«, berichtet er.

Reporter-Seminar bei der DFL

Kein Spiel sei wie das andere – und so sei auch die Belastung für die Hobby-Reporter immer unterschiedlich. »Gibt es nur Mittelfeldgeplänkel, ist es mitunter sehr anstrengend. Dann geht die Aufgabe schon einmal an die Substanz«, berichtet er. Kommt allerdings ein richtiger Spielfluss zustande und führt der SCP zur Halbzeit schon 3:0, »dann macht die Arbeit einfach Riesenspaß«.

Ein gewisses Talent gehört für die Aufgabe natürlich dazu – und Ehrgeiz. Aber es gibt auch Hilfe. Stefan Reddemann war unlängst für zwei Tage für ein Blindenreporter-Seminar der Deutschen Fußball Liga (DFL) in Kaiserau. Und vor den Spielen holt er sich über eine spezielle Internetseite für Reporter wie ihn Informationen über die Teams ein.

Aber Fehler passieren natürlich – und Stefan Reddemann ärgert sich immer mächtig, wenn sich herausstellt, dass er beispielsweise Namen von Spielern nicht richtig ausgesprochen hat. »Die Leute vertrauen darauf, dass wir das richtig machen. Es ist ein schlechtes Gefühl für einen selbst, wenn sich herausstellt, dass der Name eines Neuzugangs dann doch anders ausgesprochen wird.«

Seine »Kunden« sind jedenfalls ausgesprochen dankbar, dass er und seine Kollegen diesen Service im Stadion anbieten. Sie sparen nicht mit Tipps für kommende Spiele – und manchmal gibt es sogar eine Einladung zu einer Grillparty. »Lobende Worte und ein Hinweis, wie es besser geht: Das ist für uns der schönste Lohn.«​

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