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Fr., 31.08.2018

SCP verpasst beim 2:2 gegen Bochum den nächsten Heimsieg Paderborn belohnt sich nicht

Robert Tesche (rechts) und Tim Hoogland (links) aus Bochum treffen im zweiten Bundesligaspiel zwischen dem SC Paderborn 07 und dem VfL Bochum 1848 auf Ben Zolinski aus Paderborn.

Robert Tesche (rechts) und Tim Hoogland (links) aus Bochum treffen im zweiten Bundesligaspiel zwischen dem SC Paderborn 07 und dem VfL Bochum 1848 auf Ben Zolinski aus Paderborn. Foto: Thomas F. Starke

Von Timo Schäfers

Paderborn (WB). Am frühen Freitagabend trennten sich der SC Paderborn 07 und der VfL Bochum am 4. Spieltag der 2. Fußball-Bundesliga mit 2:2 (0:1). Dabei zeigten die Gastgeber erneut ihre Comeback-Fähigkeiten und drehten das Spiel nach Rückstand in Halbzeit eins. Als es bereits nach dem zweiten Heimsieg für die Paderborner aussah, glich Silvère Ganvoula doch noch aus.

Die Gastgeber gingen mit drei Änderungen im Vergleich zum 2:2 bei Greuther Fürth in die Partie. Den Gelb-Rot gesperrten Mohamed Dräger ersetzte Lukas Boeder auf der rechten Abwehrseite, zudem durften Ben Zolinski und Bernard Tekpetey für Tobias Schwede und Marlon Ritter anspielen, wobei Zolinski und nicht wie in den bisherigen Spielen Tekpetey etwas überraschend als zweite Spitze neben Sven Michel startete.

Das Duell mit dem VfL begann unterhaltsam. Zwar erspielten sich beide Teams in der Anfangsphase keine echten Torchancen, dennoch waren viel Tempo und knackige Zweikämpfe im Spiel. Nach einer Viertelstunde erlebte der SCP dann die erste Schrecksekunde, als Bochums Pantovic gegen Zingerle durchzog und der Paderborner Keeper verletzt liegen blieb – nach einer kurzen Behandlungspause konnte die Nummer eins der Gastgeber aber weiter machen. Ganz im Gegensatz zu Pantovic, der wenige Minuten später angeschlagen vom Feld musste. Für ihn kam Jan Gyamerah (20.).

Erste Torchance gehört den Gästen

Die erste echte Torchance des Spiels gehörte den Gästen, die versuchten durch Konter immer wieder Nadelstiche zu setzen, doch Lukas Hinterseer vergab aus rund 13 Metern kläglich (23.).

Es dauerte eine gute halbe Stunde, bis auch das VfL-Tor erstmals in Gefahr geriet: Zolinski schloss nach einer flachen Hereingabe von Tekpetey aus rund acht Metern direkt ab – sein Schuss war allerdings kein Problem für Bochums Torhüter Manuel Riemann. In der Folge schalteten die Gastgeber in der Offensive einen Gang hoch, doch sowohl Boeder (38.) als auch Antwi-Adjei (44.) zielten zu ungenau. Das sollten sich in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit rächen. Kapitän Christian Strohdiek fing einen Pass von Danilo eigentlich ab, rutschte bei seinem Klärungsversuch allerdings auf dem Ball aus, sodass Tom Weilandt nach Tesche-Zuspiel frei vor Zingerle auftauchte und mit dem Pausenpfiff zum 0:1 aus Sicht des SCP einnetzte.

Paderborn gewinnt durch Führung an Sicherheit

Der Sportclub musste damit trotz einer ordentlichen ersten Hälfte einem Rückstand hinterherlaufen und begann druckvoll. Zwei Minuten nach der Pause gab Philipp Klement einen ersten Warnschuss ab, ehe Klaus Gjasula in der 51. Minute nach einer Berührung von Anthony Losilla im Strafraum zu Boden ging – Elfmeter für den SCP. Diese Chance ließ sich Klement nicht nehmen und verwandelte sicher zum 1:1 (52.).

Nur zwei Minuten später stellten die Gastgeber das Spiel dann endgültig auf den Kopf. Michel wurde von Zolinski auf die Reise geschickt und schloss frei vor Riemann eiskalt zum 2:1 ab – das erste Saisontor für den besten SCP-Torschützen des Vorjahres (54.).

Paderborn gewann durch die Führung an Sicherheit und hielt den VfL fortan weitestgehend vom eigenen Tor fern, verpasste es aber durch schlecht ausgespielte Konter frühzeitig die Entscheidung herbeizuführen.

Zingerle wäre machtlos gewesen

Das ging bis zur 79. Minute gut, bis die Gäste erstmals seit Langem wieder vor das Paderborner Tor kamen und prompt ausglichen. Der eingewechselte Silvère Ganvoula wurde am zweiten Pfosten sträflich freigelassen und drückte den Ball nach Zuspiel von Robbie Kruse über die Linie. Kurz darauf musste der SCP die nächste schlechte Nachricht hinnehmen: Der starke Jamillu Collins musste nach rüdem Einsteigen Ganvoulas ausgewechselt werden und muss um seine Teilnahme an den Testspielen mit der Nationalmannschaft Nigerias bangen, für die er unter der Woche erstmals berufen wurde (84.).

Zwei Minuten vor dem Ende hätte Ganvoula endgültig zum Bochumer Helden werden können, doch sein Versuch rollte wenige Zentimeter am SCP-Gehäuse vorbei – Zingerle wäre machtlos gewesen.

Mannschaft kämpft sich zurück

Mehr sollte nicht passieren und so blieb es beim 2:2-Unentschieden. Positiv aus Paderborner Sicht ist zu erwähnen, dass sich die Mannschaft erneut nach einem Rückstand zurückgekämpft hat, allerdings muss sich der SCP vorwerfen lassen, das Spiel nicht frühzeitig zu seinen Gunsten entschieden zu haben. Unter dem Strich geht das Remis für beide Mannschaften aber in Ordnung. Nach der Länderspielpause reist der Paderborn zum 1. FC Köln Bochum empfängt dann Ingolstadt.

Statistik

SC Paderborn: Zingerle – Boeder, Hünemeier, Strohdiek, Collins (84. Herzenbruch) – Gjasula – Tekpetey (55. Schwede), Klement, Antwi-Adjei – Michel, Zolinski (83. Düker)

VfL Bochum: Riemann – Celozzi (58. Maier), Hoogland, Leitsch, Danilo – Losilla, Tesche – Weilandt (67. Ganvoula), Pantovic (20. Gyamerah), Kruse – Hinterseer

Schiedsrichter: Florian Badstübner (Windsbach)

Zuschauer: 12.518

Tore: 0:1 Weilandt (45.), 1:1 (Klement (52./Foulelfmeter), 2:1 Michel (54.), 2:2 Ganvoula (79.)

Gelbe Karten: Strohdiek, Gjasula/Pantovic, Losilla, Ganvoula, Kruse

Kommentare

1 Mio. € mehr als Bayern ausgegeben

Es wurde in den letzten Wochen oft von einem Sturmproblem gesprochen. Klar, hätte der SCP gestern das 3:1 gemacht, hätte er gewonnen. Statt dessen hat sich das Risiko als sehr hoch erwiesen, das 3:1 erzwingen zu wollen. Da muss man sehen, dass man nicht die Fehler der Nationalmannschaft bei der WM wiederholt.

Kann nun der kurzfristige Transfer helfen? Naja. Helfen kann theoretisch jeder Transfer. Er kann aber auch schaden. Am Ende gibt es sicher gute Spieler, die uns weiter helfen, aber ein Mann mit 10-Tore-Garantie ist wohl auch der Neue nicht. Der Markt gibt das nicht (bezahlbar) her.

Da stellt sich die Systemfrage. Solange wir mit nur einer echten Spitze spielen, ist die Position mit zwei etatmäßigen Stürmer doppelt und damit ausreichend besetzt gewesen. Es sei denn, man kommt zu dem Schluss, dass beide zu schwach für die Liga sind. Und wenn das so ist, warum merkt man das erst jetzt?

Bei uns kann jeder Offensivspieler angefangen mit dem Sechser Tore schießen. Ein MS hingegen muss auch defensiv arbeiten und seine Gegenspieler zwingen, bestimmte Wege zu machen. Die Laufleistungen von Michel sind da ein guter Nachweis.


DER KADER HATTE BEINAHE EINE VERNÜNFTIGE GRÖßE.

Der Normalfall muss sein, dass jede Position der Feldspieler doppelt besetzt ist. Das bedeutet, 20 Feldspieler sind genug. So wirkt man Unzufriedenheiten entgegen und macht den Trainingsbetrieb effektiver. Nebenbei kann man auf die Weise mit einem knappen Etat eher Klasse statt Masse bezahlen. Was nützt der achte Ergänzungsspieler, der auf der Tribüne hockt?! Durch variable Spieler kann man zudem auf jeder Position reagieren und auch taktisch schwer ausrechenbar sein. Ziehen wir die eigenen Nachwuchsspieler im Kader ab, hatten wir diese Kadergröße etwa erreicht.

Knappe Spiele - und von denen müssen wir in der Liga ausgehen - werden ohnehin durch Standards entschieden. Wichtig sind da eher ein Typ wie Meha gepaart mit kopfballstarken Leuten. Da könnte der Neue helfen. Ich kenne ihn aber nicht näher.

Ob er mit Mentalität und Sprache klar kommt, weiß ich nicht. Dass er die Liga nicht kennt, ist klar. Und dass er wieder eine nicht unerhebliche Ablöse gekostet haben wird, ist anzunehmen. Aus diesen Gründen hätte ich diesen Transfer nicht gemacht.

Es kann ohnehin nicht sein, dass ein Aufsteiger in die 2. Liga mit 7 Mio. Schulden 1 Mio. mehr an Ablösen zahlt als Bayern München. Wenn man den wirtschaftlichen Abnutzungskampf befeurt von den England-Milliarden mitmachen will, wird man untergehen! Früher waren wir kreativer in der Transferpolitik.

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