SC Paderborns Manager Markus Krösche zieht eine erste Bilanz
Krösche: »Mir ist egal, welchen Platz wir belegen«

Paderborn (WB). Aufsteiger SC Paderborn hat in der 2. Liga die ersten Marken gesetzt. Vor der Länderspielpause zieht Manager Markus Krösche im Gespräch mit Matthias Reichstein eine Zwischenbilanz, nennt seine Ziele mit dem SCP, urteilt über die Gegner und beschreibt die erste Zeit ohne den ehemaligen Präsidenten Wilfried Finke.

Montag, 03.09.2018, 09:18 Uhr aktualisiert: 03.09.2018, 09:22 Uhr
Nur »grundsätzlich zufrieden«: Paderborns Manager Markus Krösche stellt hohe Ansprüche an das Team. Foto: Thomas F. Starke
Nur »grundsätzlich zufrieden«: Paderborns Manager Markus Krösche stellt hohe Ansprüche an das Team. Foto: Thomas F. Starke

Herr Krösche, fünf Punkte in vier Spielen und im DFB-Pokal in Runde zwei. Wie zufrieden macht der Start des Aufsteigers?

Krösche: Grundsätzlich können wir zufrieden sein. Ärgerlich war das 2:2 gegen Bochum, weil wir den Sack hätten zumachen können. Das haben wir auch gegen Regensburg und Ingolstadt verpasst, da wurden wir aber nicht bestraft. Das zeigt, dass man dem Gegner niemals eine Tür auflassen darf. Der VfL Bochum ist da durchgegangen.

 

Die mangelhafte Effizienz ist das größte Manko?

Krösche: Im letzten Drittel sind wir zu hektisch, spielen zu unsauber, treffen zu oft falsche Entscheidungen. Aber insgesamt bin ich mit der Art und Weise, wie wir Fußball spielen, sehr zufrieden. Wir spielen uns fast immer sieben, acht 100-prozentige Möglichkeiten heraus, und das ist auch eine hohe Qualität.

 

Was erwarten Sie vom Last-Minute-Transfer Babacar Guéye?

Krösche: Mit Baba werden wir in der Spitze variabler. Er ist ein robuster und schneller Spieler, der uns helfen wird, unser Offensiv-Spiel noch besser durchzudrücken. Er braucht jetzt ein wenig Eingewöhnungszeit, die sollten wir ihm geben.

Basti hat zwei gute Spiele gemacht, Uwe Hünemeier ist im Moment aber noch einen Tick besser

Markus Krösche

 

Der Kader wird damit stärker, der Konkurrenzkampf härter. Prominentestes Opfer ist Sebastian Schonlau, der nach zwei guten Spielen raus ist und nur noch zuschaut. Tut so etwas einem Manager im Profisport auch leid?

Krösche: Das ist für jeden Spieler eine extrem harte Situation. Basti hat zwei gute Spiele gemacht, Uwe Hünemeier ist im Moment aber noch einen Tick besser – das ist hart, das ist auch bitter für Basti. Meine Erfahrung als ehemaliger Spieler sagt aber auch: Es geht alles ganz schnell wieder in eine andere Richtung. Basti geht damit aber gut um, er weiß auch, dass wir von ihm extrem überzeugt sind, und er ist weiterhin ein sehr wichtiger Spieler im Kader. Basti wird in dieser Saison noch seine Spiele machen, davon bin ich zu 100 Prozent überzeugt.

 

In der 3. Liga haben die SCP-Gegner oft sehr destruktiv agiert. Eine Klasse höher haben es Darmstadt, Ingolstadt und auch Bochum ähnlich versucht. Hat Sie das überrascht?

Krösche: Dass diese Mannschaften eher auf Umschalten setzen, uns den Ball überlassen und dann sehr passiv agieren, hatte ich so nicht erwartet. Die drei genannten Vereine haben einen Kader, der andere Ambitionen als wir haben sollte. Da müsste man eigentlich anders auftreten. Aber vielleicht ist dieses Verhalten auch unserer Spielweise geschuldet und sie haben Respekt vor uns.

 

Mit welchen Ambitionen ist denn der SCP in die Saison gestartet? Ist der Klassenerhalt das oberste Ziel?

Krösche: Der Klassenerhalt ist kein Ziel, der Klassenerhalt ist eine Selbstverständlichkeit. Keiner will absteigen, und wir werden alles dafür tun, dass wir auch in der Saison 2019/20 in der 2. Liga spielen. Mein Ziel ist es, dass wir unseren Fußball, der uns in der 3. Liga stark gemacht hat, auch in der 2. Liga durchziehen. Wenn wir das schaffen, bleiben wir auf einem ganz guten Weg.

 

Es gibt keine Platzierung, die Sie sich als Ziel gesteckt haben?

Krösche: Mir ist wirklich egal, welchen Platz wir am Ende belegen. Ich will, dass wir unseren Fußball in der Qualität und in der Intensität auch in der 2. Liga auf den Platz bringen. Wir sind nie zufrieden mit einem Punkt, wir wollen immer siegen, und dafür müssen wir Tore schießen. Dieses Risiko gehen wir bewusst ein, und das wird uns auch mal um die Ohren fliegen. Aber langfristig werden wir so noch viele Spiele gewinnen. Was dann letztendlich dabei herauskommt, werden wir sehen.

Der Verein steckt gerade mitten in einem Wandel.

Markus Krösche

 

Auch wenn Ihnen die Platzierung egal ist, würden Sie am Ende einer überragenden Saison aber lieber Dritter als Vierter.

Krösche: (lacht) Dann lieber Zweiter.

 

Wenn man mit Chemie Leipzig den klassenniedrigsten Gegner zieht, dann ist der Einzug in die dritte Runde des DFB-Pokals Pflicht.

Krösche: Ja, das würde ich auch so sagen. Natürlich haben wir den nötigen Respekt vor Chemie Leipzig, die haben schließlich mit dem SSV Jahn Regensburg eine gute Zweitligamannschaft rausgeworfen.

 

Wie sehr fehlt Ex-Präsident Wilfried Finke dem Verein?

Krösche: Herr Finke ist auf eigenen Wunsch zurückgetreten und damit komplett aus dem operativen Geschäft ausgeschieden. Der Verein steckt gerade mitten in einem Wandel, was auch mit der Ausgliederung der Profiabteilung zu tun hat. Das läuft alles ohne Wilfried Finke und seine Unternehmensgruppe. Nichtsdestotrotz tauschen wir uns in unregelmäßigen Abständen aus, da geht es dann aber nicht nur um Fußball.

 

Ihr Vertrag läuft noch bis 2022, der Sommer 2018 hat mit dem Angebot des Hamburger SV auch gezeigt, dass sich andere um Markus Krösche bemühen. Wie gehen Sie damit um?

Krösche: Ich werde beim SC Paderborn dafür bezahlt, Werte im sportlichen Bereich zu schaffen. Ich gebe gewisse Strukturen vor und fülle diese mit Leben. Dem Trainerteam versuche ich einen Kader zusammenstellen, mit dem man erfolgreich sein kann. Außerdem versuche ich, Vertragsstrukturen zu schaffen, mit denen der Klub nachhaltig gut aufgestellt ist. Für andere Themen fehlt mir die Zeit.

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