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Fr., 14.09.2018

Armin Veh, Sport-Geschäftsführer beim 1. FC Köln, hat Respekt vor dem Aufsteiger »Ich traue Paderborn einiges zu«

Armin Veh ist seit Dezember 2017 Sport-Geschäftsführer beim 1. FC Köln.

Armin Veh ist seit Dezember 2017 Sport-Geschäftsführer beim 1. FC Köln. Foto: dpa

Paderborn (WB). Er spielte für Borussia Mönchengladbach in der Bundesliga, wurde als Trainer 2007 mit dem VfB Stuttgart Deutscher Meister. Seit Dezember 2017 ist Armin Veh Sport-Geschäftsführer beim 1. FC Köln. Vor dem Heimspiel am Sonntag (13.30 Uhr) gegen den SC Paderborn sprach der 57-Jährige mit Peter Klute.

Spieler, Trainer und jetzt Sport-Geschäftsführer – was sind die größten Unterschiede und was macht Ihnen am meisten Spaß?

Armin Veh: Auch wenn ich meine aktive Laufbahn nach drei Operationen in Folge vorzeitig beenden musste, war die Zeit als Spieler die schönste. Du hast dein Hobby zum Beruf gemacht, bist noch jung, ein bisschen verspielt und unbekümmert. Als Trainer oder Geschäftsführer ist die Verantwortung ungleich höher. Ich war auch als Trainer schon immer mehr ein Entwickler, war an Entscheidungen beteiligt und in das große Ganze eingebunden. Das war mir immer wichtig. Denn die Fehler, die oben passieren, wirken sich auf allen Ebenen aus. Ein weiterer Unterschied: Als Trainer stehst du mehr im Fokus, blickst häufig nur von Woche zu Woche, ein Geschäftsführer arbeitet mehr zukunftsorientiert. Das macht mir Spaß und deshalb habe ich viel Freude an meinem Job. Als Trainer hatte ich den zuletzt nicht mehr, weil ich das vielleicht auch zu lange gemacht habe.

 

Als gebürtiger Augsburger sind Sie in Deutschland weit herumgekommen. Was ist das Besondere am Rheinland und am 1. FC Köln?

Veh: Die rheinische Mentalität kannte ich aus meiner Zeit in Gladbach und vom Lehrgang zum Fußballlehrer, der früher in Köln stattfand. Das Besondere an Köln ist, dass den FC und die Stadt etwas verbindet. Das ist nicht überall so. Hier wird der Fußball mit aller Leidenschaft gelebt.

 

Nach vier Spieltagen ist der FC Tabellenführer und hat die meisten Tore erzielt. Ist das für Sie aufgrund des Kaders eine Selbstverständlichkeit oder sind Sie selbst überrascht, dass es von Anfang an so gut läuft?

Veh: Wir haben uns von Anfang an zu dem Ziel Aufstieg bekannt. Ich weiß aber aus eigener Erfahrung, dass das schwierig wird und nicht von alleine geht. Wir müssen uns alles hart erarbeiten, das haben auch die ersten Wochen gezeigt. Es hat noch kein Spiel gegeben, in dem uns etwas geschenkt wurde. Für eine Prognose ist es mir noch zu früh, da ich die Konkurrenten in der Liga noch nicht gut genug kenne.

Welchen Anteil haben Ihr neuer Trainer Markus Anfang und Topscorer Simon Terodde, der schon fünfmal getroffen hat?

Veh: Der einzige Vorteil, den die vergangene Saison hatte, war, dass wir frühzeitig planen und die Weichen stellen konnten. Es ist Zufall, und deshalb brauche ich auch keine Schulterklopfer, aber Fakt ist, dass wir im Kader acht echte Kölner haben und auch der Trainer kommt von hier. Simon, den wir schon im Winter geholt haben, hat über mehrere Jahre bewiesen, dass er ein Torjäger ist. Seine Quote spricht für ihn, darüber hinaus hat er einen feinen Charakter. Das passt, er hilft uns enorm. Mit Markus haben wir ebenfalls frühzeitig Kontakt aufgenommen und viele Gespräche geführt. Ich wusste, wie er trainiert und was er will. Er verkörpert den Fußball, den wir uns für den FC vorstellen. Dazu hat er große Qualitäten in der Menschenführung, was heute sehr wichtig ist. Das Trainerteam macht sehr gute Arbeit, das würde ich auch sagen, wenn wir weniger Punkte hätten.

Der Aufstieg ist das klare Ziel. Was passiert, wenn es nicht klappt?

Veh: Es wäre fahrlässig, wenn ich mich damit nicht beschäftigen würde. Wir sind ein gesunder Verein und werden auch im nächsten Jahr keine Probleme haben. Unabhängig von der Liga.

 

Nationalspieler Jonas Hector hat seine Teilnahme an den Länderspielen gegen Frankreich und Peru aufgrund der hohen Belastung und der kurzen Sommerpause abgesagt. Dafür gab es einiges an Kritik. Wie stehen Sie dazu und wie bewerten Sie den Neuanfang der Nationalmannschaft?

Veh: Die Kritik an Jonas’ Verzicht kann ich nicht nachvollziehen. Jeder kann sich äußern, aber wir sind nicht dazu da, es jedem recht zu machen. Jonas hat das gemeinsam mit Bundestrainer Jogi Löw so entschieden und wir stehen dahinter. Wir freuen uns, dass er sich auch nach dem Abstieg zum FC bekannt hat, das ist nicht selbstverständlich. Die Nationalmannschaft ist für mich weit weg, meine ganze Konzentration gilt der 2. Liga.

 

Für den FC beginnen jetzt die ostwestfälischen Wochen. Am Sonntag kommt Paderborn, am Freitag, 28. September, geht es auf die Bielefelder Alm. Was trauen Sie Arminia und dem SCP zu?

Veh: Ich bin von beiden positiv überrascht. Paderborn hat in der vergangenen Drittliga-Saison viele Tore geschossen, spielt auch in der 2. Liga nach vorne. Das gefällt mir gut. Auch Bielefeld hat einen guten Weg hinter sich, seit der Trainer da ist.

 

Vor dem Spiel gegen Paderborn werden die meisten Experten und vor allem die FC-Anhänger nur über die Höhe des Sieges diskutieren. Was sagen Sie denen?

Veh: Bei uns geht keiner in das Spiel und denkt: Das wird ein Selbstläufer. Wie gesagt, Paderborn ist kein Aufsteiger, der sich am eigenen Strafraum verbarrikadiert. Mich erinnert die Spielweise an meine Trainerzeit beim SSV Reutlingen, als wir als Neuling in der 2. Liga ebenfalls gut abgeschnitten haben. Ich traue Paderborn einiges zu.

 

Ist Ihr Respekt auch darin begründet, dass Sie in der Saison 2011/2012 als Trainer von Eintracht Frankfurt nicht gegen den SCP gewinnen konnten? In Frankfurt gab es ein 0:0, in Paderborn ein 2:4.

Veh: Es ist zu lange her und es ist eine ganz andere Mannschaften, um daraus Schlüsse zu ziehen. Richtig ist, dass ich an die Duelle mit Paderborn, speziell an die Rückrunde, keine guten Erinnerungen habe. Mein damaliger Innenverteidiger Gordon Schildenfeld hatte damals einen rabenschwarzen Tag. Wir waren nicht berauschend und der SCP hatte einen überragenden Tag.

 

Welcher Paderborner Spieler wäre für den FC interessant?

Veh: Wenn es einen gäbe, würde ich das jetzt hier bestimmt nicht sagen. Denn derjenige würde ja dann am Sonntag gegen uns mit einem riesigen Selbstbewusstsein antreten. Außerdem gebietet es der Respekt, sich nicht über einzelne Spieler eines Gegners zu äußern.

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